«Vielleicht hätten wir Rücktritt besser nicht gefordert!»

  • Publiziert: 02.05.2008, Aktualisiert: 02.01.2012

ZÜRICH – Misstöne dringen aus dem Politbüro: Vizepräsident Walter Frey äussert sich ungewohnt selbstkritisch über das Vorgehen der SVP im Fall Widmer-Schlumpf.

Er ist einer der sieben Bosse im obersten Führungszirkel der Schweizer SVP. Bestimmt zusammen mit Blocher, Brunner & Co. die Strategie seiner Partei. Und trotzdem ist er nicht zufrieden mit dem Getöse, das seine Partei im Moment veranstaltet.

Vielleicht hätte der SVP Zentralvorstand den Rücktritt der ungeliebten Justizministerin besser nicht gefordert, sagt Frey heute in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger». Es sei schliesslich ein Faktum, dass Widmer-Schlumpf demokratisch gewählt sei. «Bei unserer Erfahrung hätte uns dies nicht passieren sollen», sagt Frey weiter. «Man kann im Leben nie alles richtig machen.» Die Medien hätten den Fall nun aufgebauscht.

Seine Kritik betrifft allerdings nicht das Parteiausschluss-Verfahren: Hier stimme die Stossrichtung der SVP-Leitung. «Eveline Widmer-Schlumpf kann die SVP nicht mehr vertreten, nachdem sie diese hintergangen hat», sagt Walter Frey.

Doch ob die Ausschluss-Forderung der sieben SVP-Bosse vom Zentralvorstand der Partei abgesegnet wird, ist auch noch nicht sicher. Nachdem die Berner SVP sich gegen die Sippenhaft für die Bündner Kantonalsektion wehrte und ihren Delegierten die Nein-Parole empfahl, regt sich auch im Kanton Glarus Widerstand: Dort wurde von verschiedenen Sektionspräsidenten der Antrag gestellt, dass die kantonale SVP bei einem Rauswurf der Bündner ebenfalls aus der Mutterpartei austritt.

Sicher ist: Dass jetzt sogar aus dem obersten Führungszirkel der SVP leichte Misstöne an die Öffentlichkeit dringen, wird das Zustandekommen des Ausschluss-Verfahrens nicht gerade erleichtern. Im Zentralvorstand brauchen die obersten SVP-Bosse eine Zweidrittelsmehrheit, um ihre Rauswurf-Strategie umzusetzen.(bih)

play Vizepräsident Walter Frey gibt Fehler zu. Trotzdem will er Widmer-Schlumpf aus der Partei werfen. (Keystone/Blick)

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