Wer steckt dahinter? Verwirrung um Minarett-Inserat

ZÜRICH – Befürworter der Anti-Minarett-Initiative gehen jetzt unter die Karikaturisten. Und publizieren ein ziemlich merkwürdiges Inserat. Ohne das Wissen des offiziellen Initiativ-Komitees.

  • Publiziert: 15.10.2009, Aktualisiert: 14.01.2012
  • Von Roman Neumann

Das Inserat zeigt das Bundeshaus, angeschrieben mit «Confudiratio». Hunderte von betenden Muslimen davor. Der Slogan auf dem Inserat: «Hart duregrife, Helvetia!» Es wurde gestern in der Gratiszeitung «20 Minuten» publiziert und ähnelt eher einer Kinderkritzelei, als einem professionellen Werbeauftritt.

Das aktuelle Inserat stiftet Verwirrung. Der Werber des Jahres, Frank Bodin, hat das Inserat für Blick.ch unter die Lupe genommen. «Eine derart konfuse Anzeige habe ich noch selten gesehen – die Auftraggeber und Macher scheinen echt verwirrt zu sein.»

Bodin bezeichnet das Inserat als inhaltlich wie handwerklich ungenügend. «Die Illustration zeugt von miserablem Stil – das Bundeshaus zur Moschee mit Minarett umzuinterpretieren ist eine Übertreibung, die den Islam diffamiert und letztlich einfach nur dumm ist.»

Diskussion um offizielles Plakat

Seit Wochen gibt es in der Schweiz heisse Diskussionen um das offizielle Plakat der Anti-Minarett-Initative. Viele Kantone verurteilen die Darstellung, Basel-Stadt verbietet das Plakat gar. Auch die grossen Verlagshäuser verzichten mehrheitlich auf eine Publikation. So auch Ringier, zu dem Blick.ch gehört.

In der Publikation des neuen «Confudiratio»-Inserat, sah «20 Minuten» kein Problem: «Das betreffende Inserat basiert offensichtlich auf einem SVP-Plakat von 2007. Da das Bundesgericht dieses als nicht rassistisch eingestuft hat, war das ausschlaggebend für die Entscheidung, das Inserat zu publizieren», sagt Sprecher Christoph Zimmer.

Doch wer steckt hinter dem Inserat? Nicht mal beim Initiativ-Komitee kann man sagen, wer dafür verantwortlich ist. Gemäss Informationen von Blick.ch handelt es sich um einen Mann aus Basel, der in der Öffentlichkeit noch nicht in Erscheinung getreten ist.
Und das Engagement gegen die Minarette scheint ihm viel Wert zu sein: Die viertelseitige Werbung in der Gratiszeitung kostet etwa 11000 Franken.

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