Hinterzimmer-Verhandlungen mit der Pharma-Industrie Verraten uns die Krankenkassen?

  • Publiziert: 22.05.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Silvio Bertolami
play Teure Pillen: Jeder vierte Franken in der Grundversicherung geht für Medis drauf. (F1 Online)

Die Medikamentenkosten müssen runter. Doch statt knallhart zu verhandeln, fahren unsere Krankenkassen Slalom.

Die Pharma-Industrie ist eine der mächtigsten Branchen der Schweiz. Und Bundesrat Pascal Couchepin ist ihr Freund. Aber wer ist der Freund der Versicherten?
Die Krankenkassen könnten gerade in diesen Tagen beweisen, dass sie es sind. Ihr Dachverband Santésuisse verhandelt mit der Pharma-Industrie über die Medikamentenkosten. Jeder vierte Franken wird in der Grundversicherung für Medikamente ausgegeben. Das ist zu viel. Aber wie viel zu viel?

Nur ein bisschen zu viel, sagt die Pharma-Industrie. Thomas Cueni vom Branchenverband Interpharma bietet Sparmassnahmen an, welche die Medi-Kosten nächstes Jahr um 170 bis 250 Millionen Franken senken. Das entspricht nur etwa einem Prozent der Krankenkassen-Prämien. Und in den Folgejahren könnten die Einsparungen noch kleiner ausfallen, räumt Cueni ein.

Ein fauler Kompromiss

«170 bis 250 Millionen – das ist eindeutig ungenügend», sagt Santésuisse-Sprecher Felix Schneuwly, «wir verlangen Einsparungen im Umfang von 500 Millionen Franken.» Das wären immerhin 2,5 Prämienprozente. Aber wie ernst ist es den Krankenkassen mit dieser Forderung? Hört man sich um, so tauchen Zweifel auf. Unrealistische Preissenkungen zu fordern sei nicht seriös, heisst es bei einer der grössten Kassen, man befürworte eine einvernehmliche Lösung, wolle aber nicht spekulieren, wie diese am Ende aussehe.

SP-Ständerätin und Konsumentenschützerin Simonetta Sommaruga befürchtet bereits «einen faulen Kompromiss». Ihre Begründung: Die obersten Gremien mancher Krankenkassen stehen der Pharma-Industrie nahe. In ihren Verwaltungsräten sitzen CVP-, FDP- und SVP-Politiker, deren Parteien von Spenden der Pharma-Industrie leben. Und die sind, seit die UBS die Parteispenden gestrichen hat, noch wichtiger geworden.

Gegendruck zur Pharma-Industrie

«Die Gefahr ist gross, dass sich die pharmafreundlichen Krankenkassen durchsetzen», sagt Sommaruga, «diese Krankenkassen sind noch nie für echte Sparmassnahmen gewesen. Ihr Geschäftsmodell ist es, gute Risiken an Land zu ziehen: junge, gesunde Männer.»

«Nun den Krankenkassen den Schwarzen Peter zuzuschieben, das ist ungerecht», kontert Felix Schneuwly vom Kassen-Verband Santésuisse. «Wir sind doch die Einzigen, die konsequent Druck für Sparmassnahmen machen.»

Fest steht: Druck – Gegendruck zur Pharma-Industrie – braucht es. Das letzte Wort in Sachen Medikamentenpreise wird Gesundheitsminister Pascal Couchepin haben. Sein Entscheid wird nächste Woche erwartet. Dann zeigt sich auch, wer mehr Druck aufbauen konnte: die Krankenkassen oder die Pharma-Lobby.

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