Verona verbannt Kebab-Buden aus Altstadt Soll der Döner weg?

Die italienische Touristen-Stadt verbietet, in der Altstadt neue Dönerbuden zu eröffnen. Das wäre in der Schweiz nicht nur aus Gastro-Sicht unvorstellbar, sondern auch juristisch kaum umzusetzen.

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Den Italiener ist der Döner zuwenig italienisch. Keystone

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In der historischen Altstadt der italienischen Touristenstadt Verona sollen keine neuen Fress-Buden mehr entstehen. Dies hat Veronas Bürgermeister Flavio Tosi (46) entschieden. Alles, was «das Dekor der Stadt» beeinflussen könnte, wird verbannt. Konkret sind keine Kebab- und Gyros-Stände mehr erwünscht. Tosi: «Das schützt nicht nur das historische und architektonische Erbe des Stadtzentrums, sondern auch die Tradition der typischen Kultur des Gebiets Verona.»

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Veronas Bürgermeister Flavio Tosi ist kein Kebab-Freund. Getty Images

Geht Tosi damit zu weit? Kritiker der neuen Regelung vermuten Rassismus, da sich vor allem Migranten mit einem solchen Fast-Food-Stand eine neue Existenz aufbauen.

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BLICK-Gastroexperte Michael Merz

Blick-Gastroexperte Michael Merz hat allerdings Verständnis für den Entscheid. «Die Küche ist der Ausdruck von Kultur und Lebensweise – ganz besonders in Italien. Und Verona ist im Zentrum sehr historisch, da kann ich verstehen, dass es nicht so passt, wenn es aus alten Gewölben nach draussen stinkt.» Denn die Dönerbuden seien «ja nicht unbedingt als geruchsneutral bekannt».

Zudem seien in Europäischen Ländern die einheimische Küche wieder im Trend. «Sie bringt alte Geschmäcker zurück, die durch die Industrialisierung der Nahrung verloren gingen.» Legitim sei das Verbot dann, wenn es um den Schutz und die Qualität der einheimischen Produkte ginge.

In der Schweiz kann er sich eine solche Regelung jedoch nirgends vorstellen. Michael Merz: «Erstens ist unsere Küche viel aufwändiger und kann halt nicht so schnell zubereitet oder gegessen werden wie Kebab und Co. Zweitens muss das Essen auch preiswürdig angeboten werden können – und da regelt sich der Markt von alleine.» In den Schweizer Touristenorten werde zudem ohnehin «sehr international gekocht» – das werde sich so bald nicht ändern.

Juristisch kaum umsetzbar

Auch juristisch hätte ein solches Verbot keine Chance. Wollte die Stadt Zürich etwa die Dönerbuden aus den Niederdorf verbannen, wäre dies schwer umsetzbar. Den privaten Eigentümern kann nicht vorgeschrieben werden, an wen sie ihre Liegenschaften vermieten und die Baubewilligungen für Gastronomiebetriebe werden «unabhängig vom kulinarischen Angebot innerhalb des geltenden Rechtes erteilt», erklärt Seraina Manser, Mediensprecherin des Zürcher Hochbaudepartements.

Sprich: Eine Baubewilligung darf nicht abhängig davon gemacht werden, ob italienisches, türkisches oder Schweizer Essen angeboten wird. (ct)

Publiziert am 01.03.2016 | Aktualisiert am 01.03.2016
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14 Kommentare
  • Markus  Hunziker aus Chur
    02.03.2016
    Ich verstehe zwar nicht, wie man in Italien Kebab essen kann, bei dieser hervorragenden Küche. Aber wenn die Nachfrage da ist, sollte man es auch nicht verbieten! Wieder ein überflüssiges Verbot! Man sollte den Leuten auch nicht vorschreiben, was sie zu essen haben!
  • Markus  Leuzinger aus Wangen
    02.03.2016
    Also ehrlich gesagt dürfte das bei uns an gewissen Orten auch so sein. ZB Langstrasse: Unzählige dieser Kebab-Anbieter und überall stinkts. Ich sage nicht dass es komplett verboten werden soll, sondern einfach nur reduziert gehört. Weiter zB gehört in eine Altstadt, meiner Meinung nach, kein Kebab Stand. Daher gratuliere ich über so viel Weitsicht. Gerade in Italien wo das Essen ja nun wirklich nicht schlecht ist.
  • Rico  Blaser , via Facebook 02.03.2016
    Och, wir haben auch so Regionen in der Schweiz, in denen alle 10 Meter ein Stand oder ein "Restaurant" seht in dem sich ein "Fleisch"spiess dreht. Der Besitzer wechsel so alle 12 Monate aber der Spiess dreht sich weiter. Ist eben Mulitkulti und es gibt Menschen, die sich davon ernhähren.
  • Abbas  Schumacher aus Basel
    02.03.2016
    Also wenn ich in ein fremdes Land fahre, will ich deren Küche geniessen, sonst brauche ich ja nicht weg von Zuhause? Fand es auch immer lustig im Ausland, wenn da für die Deutschen extra gekochtes angeboten wurde. Wo viele einheimische Autos auf dem Parkplatz waren, da ging ich essen, meist hat es sich gelohnt!
  • Rolf-Alfred  Wanner Basel 02.03.2016
    Diese Dinger kommen mir immer vor, wie wenn die aus Abfall- und Schmuddelfleisch hergestellt würden. Und stinken tut dieses Zeugs sowieso. Finde es immer toll, wenn es in Buss und Tram nach diesem grausligen Zeugs stinkt. Verona - du gehst mit gutem Beispiel voran.