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Für Psychologen ist der Mord an Corinne Rey-Bellet und ihrem Bruder kein Familien-Drama. Sondern eine extreme Form von häuslicher Gewalt. «Mich erinnert das an die Ehrenmorde im Islam», sagt Andrea Möhr, Psychologin FSP. «Dort können Frauen, die von der Linie ihres Mannes abweichen, bestraft werden. Im Extremfall mit dem Tod.»
In der Schweiz sei die Emanzipation der Frauen zwar weit fortgeschritten, sagt Möhr. «Aber gewisse Elemente der alten Ordnung sind auch in der modernen Welt noch da.» Der Mord an Rey-Bellet kann als extremste Form der Machtdemonstration gedeutet werden. Die Trennung zeichnete sich ab. Er konnte das nicht zulassen.
Unter bestimmten Voraussetzungen bricht das ursprüngliche Verhalten beim Mann wieder aus. Zum Beispiel wenn sein Ego besonders verletzlich ist. «Das ist bei den sogenannten Narzissten der Fall», sagt Jacqueline Frossard, Psychologin FSP. Narzissten sind vor allem auf sich selber fixiert. Zu echter Liebe sind sie meist nicht fähig. Umso mehr sind sie an Status und oberflächlicher Anerkennung interessiert. Steile Militär- und Berufskarrieren sind deshalb häufig.
Narzissten können es nicht dulden, dass sich jemand von ihnen abwendet. Gefühle des Schmerzes können sie kaum ertragen. Viele Narzissten verhalten sich sehr unauffällig. So bleiben sie undurchschaubar, damit sie nicht verletzt werden können.