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Ersticken am Edelgas Helium: Mit dieser neuen Sterbehilfe-Methode will sich Dignitas-Gründer Ludwig A. Minelli das Leben leichter machen. Im Gegensatz zum Todescocktail Natrium-Pentobarbital (NaP) brauchts für das Luftballon-Gas kein Rezept (im BLICK). Vier Menschen starben schon so.
Doch die vermeintliche Arbeitserleichterung könnte jetzt zum Bumerang werden.
Wie bei den Nazis
«Führt eines unserer Mitglieder eine Freitodbegleitung mit der Helium-Methode durch, muss er mit einem Standesverfahren rechnen», sagt Urs Stoffel, Präsident der Zürcher Ärztegesellschaft. Er hält die Sterbemethode für ethisch nicht vertretbar. Wer für Dignitas arbeitet, dem droht der Ausschluss.
Auch «standespolitisch» sei der Tod mit dem Gas nicht vertretbar, sagt Stoffel. «Gerade auch vor dem historischen Hintergrund des Dritten Reichs, wo Menschen systematisch mit Gas ums Leben gebracht wurden, dürfen wir uns das nicht erlauben.» Adolf Hitler liess in den Konzentrationslagern Millionen von Menschen vergasen .
Helium setze er «sehr ungern» ein, sagte Ludwig A. Minelli letzte Woche in einem Interview mit dem Winterthurer «Landboten». «Es ist für die Angehörigen schwieriger, weil es zu Zuckungen kommt.» Grundsätzlich sei der Tod durch Helium aber human, verteidigt Minelli die Helium-Methode.
Die Gas-Suizide könnten bald zur Regel werden: Dignitas-Chef Ludwig A. Minelli findet laut Insidern kaum mehr Ärzte, die sterbewilligen Patienten das Gift NaP verschreiben.
Dem 77-jährigen Gynäkologen Dr. S.* entzog die Zürcher Gesundheitsdirektion kürzlich die Praxisbewilligung – seither darf er nur noch «Gutachten» schreiben.
Der Kantonsarzt bremste S. aus, nachdem er Dignitas-Kunden nach nur einem Gespräch das NaP-Rezept ausstellte.
Kinderarzt Dr. D.* hat seine Rezeptbefugnis ebenfalls verspielt: Nachdem der heute 72-Jährige Buben belästigte, durfte er nur noch Frauen behandeln. Trotzdem beurteilte er weiter männliche Dignitas-Kunden – ihm wurde ebenfalls die Praxisbewilligung entzogen.
Gynäkologe Dr. R.* stellt keine Rezepte mehr aus – er nahm sich im September 2005 das Leben. Mit NaP. Und der Sterbehilfe von Dignitas.
Einziger verbleibender Verbündeter Minellis bleibt der Gynäkologe Dr. G.*. Noch darf er die NaP-Rezepte ausstellen, wenn ein zweiter Arzt Urteilsfähigkeit und einen konstanten Sterbewunsch des Kunden mit einem Gutachten festgehalten hat. G. bekommt dafür 300 Franken pro Stunde. Fällt er aus, bleibt nur das Gas.
«Wir haben ohnehin keine andere Wahl», sagte Ludwig A. Minelli letzte Woche: Die Behörden verlangten zu rigorose ärztliche Kontrolle – sie würden ihn geradezu zur rezeptfreien Helium-Sterbehilfe zwingen.
Minelli schiebt Schuld ab
«Viele der Suizidwilligen haben einfach nicht mehr die Kraft, um sich zwei Arztbesuchen auszusetzen und dazwischen noch mehrere Tage zu warten», sagte Minelli letzte Woche.
Vor ein paar Jahren mussten die Sterbetouristen noch länger warten. Im Dignitas-Tätigkeitsbericht 1998/99 stand Minelli für «äusserste Zurückhaltung» ein: «In der Regel muss sich das im Ausland wohnende Mitglied mindestens während 14 Tagen in der Schweiz aufhalten, damit in dieser Zeit intensive Gespräche geführt werden können.»
Express-Begleitungen mit dem Ballongas statt Zurückhaltung – so radikal hat Ludwig A. Minelli seine eigene Position geändert. «Wenn ich nämlich mit allen Suizidwilligen zweimal zum Arzt muss, kann ich nur noch halb so vielen Leuten helfen», begründet er.
Unethisch habe einzig die Justiz gehandelt: «Ich bedaure, dass der Staatsanwalt diese Methode jetzt publik gemacht hat», sagt Minelli. Die Nachahmungsgefahr sei für Suizidgefährdete sehr gross. «Die Behörden sind für mich die schlimmsten Schreibtischtäter», sagt Minelli im «Landboten».
Mit BLICK redet Minelli weiterhin nicht.
* Name der Redaktion bekannt