
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
play
Im Visier Für die Polizei ist dieser Mann (74) der Hauptverdächtige.Der Bielersee gestern Samstag: ruhig gleiten Boote übers Wasser, am Ufer tummeln sich Badegäste. Nichts deutet darauf hin, dass sich hier vor einem Monat ein schreckliches Drama abspielte. Angela A*. (†26) starb in den Armen ihres Verlobten Stephan F.* (24).
Sie wurden von einer Motoryacht gerammt, als sie mit ihrem Gummibötchen unterwegs waren. Die Schiffsschraube trennte der jungen Frau beide Beine ab, sie verblutete. Der Fahrer des Luxusboots fuhr weiter, ohne sich um die Verletzten zu kümmern.
Im Visier der Polizei ist ein 74-jähriger, gut situierter Unternehmer, der in einer Villa am Bielersee lebt. Er weist jede Schuld von sich und spricht nicht mit Medienvertretern.
Dafür äussert sich jetzt erstmals sein Geschäftspartner Kurt H. Die beiden sind gleich alt und seit 60 Jahren miteinander bekannt. H. bestätigt, dass sein Partner am grauen Star leidet, einer Augenkrankheit, die das Sehen stark einschränkt (siehe Box). «Weil das Strassenverkehrsamt ihn aufforderte, seine Sehschwäche zu korrigieren, reiste ich mit meiner Frau extra aus den USA-Ferien zurück. Ich musste im Büro zum Rechten sehen, während mein Geschäftspartner seine Augen operieren liess», so Kurt H. zu SonntagsBlick.
Der aber hielt die Sehschwäche offenbar für unbedeutend und fuhr weiter Auto. Zudem war er am Sonntag, als sich das Drama auf dem Bielersee abspielte, dort mit Frau und Schwägerin im Boot unterwegs. Nur zwei Tage später liess er sich ambulant in Luzern das erste Auge operieren, tags darauf das andere.
Obwohl für den 74-Jährigen nach wie vor die Unschuldsvermutung gilt, drängt sich doch eine Frage auf: Musste Angela A. sterben, weil er das junge Paar gar nicht erkannte – und deshalb ungebremst auf das Gummiboot zufuhr?
Die Aussage von Stephan F., dem Freund des Opfers, passt zu dieser Version: «Ich winkte dem Lenker zu und sah im direkt ins Gesicht. Doch dieser raste unbeirrt auf uns zu, als ob er uns nicht sehen würde.»
Kurt H.s Zweifel an der Unschuld seines Freundes gehen so weit, dass er von sich aus aktiv wurde. Als die Polizei seinen Partner mehrfach befragte, habe er ihm geraten, die Versicherung anzurufen. «Ob er jetzt schuldig ist oder nicht: Ich fand, dass er sich rechtlich absichern muss.» H. weiter: «Ich rief einen uns bekannten Versicherungsmann an und bat ihn, sofort in unsere Firma zu kommen.» Dieser habe den Bootsführer über seine Rechte und allfällige Konsequenzen einer Fahrerflucht aufgeklärt.
Die Polizei wollte zu den neuen Fakten nichts sagen. Der Verdächtige, der sich in Österreich aufhält, war ebenfalls nicht zu Auskünften bereit.
* Namen der Redaktion bekannt
play
Verunsichert – Kurt H. zweifelt, ob sein Freund die Wahrheit sagt. Trotzdem hält er zu ihm. (zvg)