Veraltetes IT-System Osteuropäische Namen werden bei Einbürgerung «verwestlicht»

BERN - In Osteuropa gebräuchliche Sonderzeichen können nicht in den Schweizer Pass übernommen werden. Dadurch wurden bei der Einbürgerung bereits über 100'000 Osteuropäer umgetauft.

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Hunderttausende Osteuropäische Namen wurden abgeändert, weil sie nicht korrekt in den Schweizer Pass übernommen werden konnten (Symbolbild). CHRISTIAN BEUTLER

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Osteuropäische Namen können nicht korrekt in den Schweizer Pass übernommen werden. Der Grund: Das eidgenössische Personenstandsregister basiert auf einem veralteten IT-System, welches in Osteuropa gebräuchliche Sonderzeichen nicht erfassen kann.

Über 100'000 Betroffene

Dies berichtete «Das Magazin» in seiner Ausgabe von Samstag. Aus diesem Grund seien bei der Einbürgerung in die Schweiz zwischen 1990 und 2014 die Namen von mehr als 100'000 Osteuropäerinnen und Osteuropäern «verwestlicht» worden, schreibt die Autorin unter Verweis auf das Bundesamt für Statistik.

Betroffen sind demnach vor allem Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien, deren Name auf -ić - in der Schweiz als -ic ohne Strich auf dem «c» erscheint. Betroffen sind aber auch Schweizerinnen und Schweizer mit Namen aus Tschechien, Polen, Rumänien, Ungarn, Lettland, Litauen und der Türkei.

Das eidgenössische Personenstandsregister basiert auf dem IT-System Infostar und einem Standardzeichensatz nach der ISO-zertifizierten Norm ISO 8859-15. Diese umfasst per Definition das westeuropäische Alphabet. Westeuropäische Sonderzeichen werden daher korrekt abgebildet: beispielsweise das spanische ñ, das dänische ø, das schwedische å.

Problem ist dem Bundesamt für Justiz bekannt

In einem Brief an einen Betroffenen, welcher der Nachrichtenagentur sda vorliegt, bestätigt das Bundesamt für Justiz die uneinheitliche Praxis. «Dass es in der Schweiz mehr und mehr Vor- und Familiennamen gibt, deren 'richtige' Darstellung durch die rechtliche Massgeblichkeit jenes Zeichensatzes verunmöglicht wird, ist bekannt», heisst es darin.

Anpassen lässt sich die Praxis allerdings nicht so schnell. Denn dafür müsste «nicht nur das Personenstandsregister des EJPD angepasst werden, sondern auch sämtliche Personendatenbanken auf allen Verwaltungsebenen der Schweiz - beim Bund, den Kantonen und den Gemeinden.» Wann die nächste Änderung des Zeichensatzes anstehe, sei offen.

Gleichzeitig äussert das Bundesamt, dass es das «Unverständnis» des Betroffenen «gut nachvollziehen» könne und dankt dem Mann: «Ihr Schreiben hilft uns freilich, die Notwendigkeit von Massnahmen mit konkreten Bedürfnissen unserer Bürgerinnen und Bürger zu belegen und mit diesen abzustimmen.» (SDA/kra)

Publiziert am 03.09.2016 | Aktualisiert am 03.09.2016
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20 Kommentare
  • Fritzpeter  Friedli , via Facebook 04.09.2016
    Die Schweiz die sich anpasst, political correctness der Behörden. Für jeden Wunsch den sich Einwanderer, die Schweizer werden wollen. Im Gesamtpaket als Neu- Schweizer soll man schon hervorheben, hallo Eidgenossen mir ist eigentlich nur der Pass wichtig, darin muss der Name mit jedem Zeichen meine Herkunft sichtbar machen. Nebst dem Dokument- Schweizer Pass nicht viel Schweiz dahinter. Für viele Neu- Schweizer ist die Identifikation mit der CH- Heimat nicht im Vordergrund, sondern das Dokument!
  • Marlies  Hess aus Langenthal
    04.09.2016
    Unverheiratet hiess ich Bösch. Arbeitete als jung in den USA um die Sprache zu lernen. Dort war ich eine Bosch. Wer Hockey schaut, sieht dies auch an den WMs bei der Namensbeschreibung. Da werden bei den SWE alle ä ö etc, ignorierte. Selbst die CH verzichten auf den Leibchen schon gänzlich darauf.
  • Marlies  Hess aus Langenthal
    04.09.2016
    Wie ist es eigentlich mir der Weiblich sprich Männlichkeitsform? Die wird gar nicht berücksichtigt. Ein ...ski ist ein Mann eine ska, ova, etc. eine Frau. Werden die Eingebürgert heissen die weiblichen Nachkommen alle Wolski statt Wolska....das ist auch falsch...
  • Schumacher  Renato 04.09.2016
    Genau, Herr Baiser, und wer Kovac heisst (übersetzt = Schmied) kann sich bei uns auch "Schmid" nennen
  • Peter  Eugen aus Seengen
    04.09.2016
    Wir sind in der schweiz und da sollten ausländische Name nach Schweizer Landessprachen geschrieben werden.