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Immer mehr Katholiken in der Schweiz haben genug vom Papst. (Reuters)
Die Nachricht war ein Paukenschlag: Am Dienstag, 18.51 Uhr, meldet die Schweizerische Depeschenagentur (SDA), dass Novartis-Chef Daniel Vasella (55) als Kommentator bei Radio Vatikan anfängt. Der Sender ist die Stimme des Papstes. Endlich eine positive Nachricht aus dem Papst-Staat, der weltweit wegen Holocaust-Leugner Richard Williamson unter Druck steht.
Aber nicht einmal 24 Stunden später ist die Vasella-Personalie ein weiteres Papst-Debakel! Radio Vatikan bootet den Schweizer wieder aus – wegen «Duoferm», der Antibabypille von Novartis. Auf der Website von Radio Vatikan heisst es lapidar: «Wir bitten Herrn Vasella und unsere Hörer für diese Entscheidung um Verständnis.» Und dann kommt die Begründung: «Dass Novartis offenbar auch Verhütungsmittel herstellt, haben wir erst aus der Presse erfahren. (...) An der Haltung des Vatikan zu künstlicher Verhütung kann nicht der geringste Zweifel bestehen.»
Im Vatikan ist also bis gestern verborgen geblieben, dass es die Pille von Novartis gibt. Und diese Tatsache ist so schlimm, dass Vasella nicht mehr, wie am Vortag angekündigt, «aus einer ethischen Perspektive» an jedem Samstag im Februar zu einem aktuellen Thema auf Radio Vatikan sprechen darf. Stattdessen werden die Kommentare nun «redaktionsintern zur aktuellen Debatte über den Vatikan und Lefebvre» (den Namen Williamson meidet die Stimme des Papstes) verfasst, heisst es weiter.
Radio Vatikan wirbt trotzdem weiter mit Vasella
Am Ende präzisiert Radio Vatikan den Affront gegen Vasella noch: «Generell gilt und galt schon immer, dass die von uns ausgewählten ‹Kommentatoren der Woche› nicht unbedingt den Standpunkt des Vatikan wiedergeben. Es sind aber in jedem Fall – auch in diesem – verdiente Persönlichkeiten ...» Ist Vasella, eifriger Förderer des Klosters Einsiedeln, nun keine solche «verdiente Persönlichkeit» mehr? Erstaunlich.
Noch erstaunlicher, dass der Vatikan so schnell auf eine Verfehlung (wie die Produktion der Antibabypille) reagieren kann – mit einem Rauswurf. Beim Holocaust-Leugner Williamson brauchte der Papst quälend lange, um den wieder in den Schoss der Kirche aufgenommenen Bischof wenigstens zum Widerruf aufzufordern.
Das neue Kommunikations-Debakel im Vatikan hatte sich aber schon gestern Mittag angebahnt: Da hatte Novartis-Pressesprecher Michael Schiendorfer auf BLICK-Anfrage erklärt, Vasella habe nie geplant, Kommentator für Radio Vatikan zu werden. «Er hat Radio Vatikan lediglich ein Interview zu Tagesthemen gegeben. Die Antworten werden jetzt in drei Sequenzen gebracht.»
Interview-Antworten, die später als Kommentare ausgegeben werden – ist das Aufrichtigkeit im Vatikan?
P. S. Auf der Website von Radio Vatikan wurde auch gestern Abend noch mit «Daniel Vasella – Wochenkommentator» geworben. Am 7., 14. und 21. Februar.
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Da hatte er noch gut Lachen: Daniel Vasella beim Swiss Economic Forum 2008 in Thun. (Sobli)