Sexübergriffe in der Schule Vater der Sex-Täter: «Was geht mich das an?»

  • Publiziert: 12.12.2007, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Beat Michel und Karin Baltisberger

ZÜRICH – Beide Söhne sind Sex-Täter. Doch Fuad N.* kümmerts einen Dreck. Genau für solche Eltern fordernSchulbehörden: Zwangskurse, Bussen. Und wenns nichts nützt – Kinder weg.

Der Bosnier Fuad N. lebt mit seinen Teenager-Söhnen in Zürich-Seebach. Der Ältere wurde vor einem Jahr verhaftet und zu einer Sex-Therapie verdonnert – wegen sexueller Übergriffe auf eine 13-Jährige.

Und jetzt nahm die Polizei seinen jüngeren Bruder (13) mit. Er soll mit fünf anderen Burschen mehrere Mädchen
sexuell belästigt haben.

BLICK wollte gestern mit Fuad N. über seine Söhne sprechen. «Was geht mich das an?», sagt er. Und dann: «Ich mache dich tot!» Sein älterer Sohn kennt diese Sprache auch: «Verpiss dich, ich mache dich platt», flucht er.

Zwei Söhne, beide verhaftet. Beide kennen die Grenzen nicht. Und der Vater fühlt sich nicht verantwortlich.

Eltern, die sich nicht um ihre Kinder kümmern. Den Schulbehörden reichts.

«Wir haben alles getan, was wir konnten – jetzt muss man bei den Eltern ansetzen», sagt Vera Lang Temperli, Präsidentin der zuständigen Kreisschulpflege Glattal.

Auch Buhnrain-Schulleiter Dominic Liechti (28) will, dass jetzt die Eltern drankommen. «Wenn wir den Schülern Briefe mit nach Hause geben und schreiben: ‹Ihr Kind ist aggressiv›, werden wir von manchen Eltern schlicht ignoriert.» Zwangsmittel habe man nicht. «Da muss sich etwas ändern.»

Das Schulhaus Buhnrain hat nach den ersten Sex-Attacken vieles probiert. Sexualunterricht, Psychologen, Elternabende, Diskussionsstunden, Projektwochen, Theater.

Doch viele Eltern ignorierten und sabotierten die Angebote. Prompt ist es wieder passiert. «Wir brauchen Hilfe», sagt Schulpflegerin Lang Temperli. Im Buhnrain habe man es mit vielen ausländischen Eltern zu tun. Das erschwere oft die Zusammenarbeit.

«Diesen Eltern muss man in Kursen die Grundlagen unseres Schulsystems und die Erziehung von Kindern beibringen», erklärt Lang Temperli.

Es gebe zwar ein freiwilliges Angebot für Schüler und Eltern, sich mit Schulsozialarbeitern zusammenzusetzen. «Dies wird aber kaum genutzt», so Lang Temperli.

Dann wird die Schulpflegerin deutlich: «Ich verlange, dass die gesetzlichen Grundlagen geschaffen werden, damit man Eltern zu solchen Kursen zwingen kann – mit Androhung einer Busse.»

Sollten sie sich weigern, greift die Vormundschaftsbehörde ein. «Im schlimmsten Fall werden Eltern die Kinder weggenommen.»

Für die sechs Grabscher hat es schon jetzt Konsequenzen. «Sie dürfen nicht ins Buhnrain», sagt Schulleiter Liechti. Hier toleriere man keinerlei Gewalt.

Aufgeflogen sind die Sex-Attacken vor zwei Wochen. Ein Mädchen aus der 7. Klasse schreibt in einem Protokoll, wie es mehrmals auf dem Schulweg belästigt wurde. Und geht mit ihrer Lehrerin zu Schulleiter Liechti: «Was da stand, hat mich erschüttert.»

Liechti eruiert am selben Tag eine zweite Schülerin. Sie ist von den gleichen Burschen belästigt worden. Er handelt schnell und informiert die Polizei.

Noch bevor die Polizei eingreift, wird Liechti selber Zeuge: In der Nachmittags-Pause drängen zwei Burschen ein Mädchen in eine Ecke. Er spurtet los, erwischt die Burschen aber nicht.

Als er das Mädchen in die Klasse begleitet, melden sich bei ihm noch zwei Schülerinnen. Auch sie wurden sexuell
attackiert.

Am letzten Donnerstag verhaftet die Polizei fünf 12- bis 14-jährige Burschen. Und verhört sie. Darauf schnappen
sich die Fahnder noch einen.

Einer der sechs Grabscher ist der jüngere Sohn von Fuad N. Schon wieder hat einer seiner Buben wegen einer Sex-Geschichte mit der Polizei zu tun. Aber das ist dem Vater ja egal.

Mitarbeit: Dajan Roman, Gabriela Battaglia

*Namen der Redaktion bekannt

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