Ursula Wyss greift Bundesrat Merz frontal an

  • Publiziert: 01.05.2007, Aktualisiert: 03.01.2012

BERN – An der 1.-Mai-Kundgebung in Bern hat SP-Fraktionschefin Ursula Wyss die Steuerreformpläne von Bundesrat Hans-Rudolf Merz ins Kreuzfeuer genommen.

Bei schönstem Wetter haben mehrere tausend Leute die Feiern zum diesjährigen Tag der Arbeit unter dem Motto «Wir sind mehr als Werkzeuge – Respekt» mitverfolgt. Allein in Zürich marschierten rund 4500 Personen vom Central Richtung Bellevue.

Auf dem Berner Kornhausplatz prangerte SP-Fraktionschefin Ursula Wyss die «Raubritter» der Chefetagen und die Steuerreform von Finanzminister Hans-Rudolf Merz an. Sie bezeichnete den Finanzminister als «Wolf im Schafspelz», der immer noch mehr Steuerentlastungen für Gutbetuchte wolle. Dabei sei das schweizerische Steuerwerk schon jetzt löchrig wie ein Emmentalerkäse.

«Wer 20 Millionen verdient, soll bitte auch 20 Millionen versteuern», sagte Wyss und hielt weiter fest, dass von der Reform lediglich Grossaktionäre wie etwa die Kinder von Bundesrat Christoph Blocher profitierten, die rund 50000 Franken weniger Steuern zahlen müssten.

Ins selbe Horn blies Paul Rechsteiner, Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB), der in Kreuzlingen (TG) mehr Respekt für Arbeiter und Angestellte forderte. Nun müsse Schluss sein mit mickrigen Lohnerhöhungen für das gewöhnliche Volk, während die Chefs zulangten.

Schluss sein müsse auch mit dem extremen Stress, den unbezahlten Überstunden, der Lohndiskriminierung der Frauen und der Arroganz der Chefs. Zudem schadeten die Steuergeschenke an die Reichen der AHV, sagte der St. Galler SP-Nationalrat weiter. Statt Rentenalterserhöhungen brauche es jetzt endlich ein soziales flexibles Rentenalter gegen unten.

Die Schlusskundgebung auf dem Zürcher Helvetiaplatz verlief ungestört. Unia-Co-Präsident Andreas Rieger stellte die soziale Frage ins Zentrum seiner Ansprache. Diese sei zwar schon oft totgesagt worden, aber von unverminderter Aktualität.

Rieger kritisierte, durch die geradezu explosionsartig zunehmende Temporärarbeit entstehe ein neues Fremdarbeiterkontingent: Es würden neue Kurzaufenthalter aus neuen Ländern in die Schweiz geholt und zu Dumpinglöhnen beschäftigt.

Rieger forderte geregelte Arbeit ohne krank machenden Stress, Lohnerhöhungen für alle und nicht nur für Abzocker in Teppichetagen, intakte Sozialwerke und Respekt der Arbeitgeber gegenüber allen Arbeitenden.

Auf keiner Rednerliste vertreten waren dieses Jahr die beiden SP-Bundesrät Micheline Calmy-Rey und Moritz Leuenberger. Der Verkehrsminister musste seine Rede an der 1.-Mai-Feier in Zürich im vergangenen Jahr wegen Störaktionen von Linksautonomen abbrechen.

Basler «Schwarzer Block» in Aktion

In Basel zog der bunte Zug von Demonstranten vom Messeplatz zum Marktplatz. Mit dabei waren unter anderem die Basler SP-Nationalräte Remo Gysin, Rudolf Rechsteiner und Claudia Schenker.

Nach diversen Reden war ein Fest auf dem Barfüsserplatz vorgesehen. Die Kundgebung verlief zunächst friedlich. Dann verliess eine Gruppe von 40 bis 50 Angehörigen des «schwarzen Blocks» beim Eintreffen auf dem Marktplatz den Demonstrationszug.

Sie besetzten ein Haus im Besitz der Einwohnergemeinde der Stadt Basel. Gemäss einem Bekennerschreiben erfolgte die Besetzung des leer stehenden Hotels anlässlich «des alljährlichen zahnlosen Wurst- und Brotfestes» als Reaktion auf eine zunehmende Repression und Marginalisierung zwischengenutzter und besetzter Räume.

So hätten zahlreiche Menschen in den vergangenen Monaten in Folge der offensiv-repressiven Polizeistrategie ihren Wohnort verloren. Gemäss Angaben der Basler Kantonspolizei lief die Besetzung ruhig ab. Die Polizei selbst werde erst bei einer Räumungsklage aktiv.

Massenschlägerei in Zürich

Bei einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen rund 30 aus Sri Lanka stammenden Menschen sind heute Nachmittag am Rande der 1.-Mai-Kundgebung in Zürich sechs Menschen verletzt worden. Sie gingen unter anderem mit Holz- und Eisenstangen aufeinander los, die sie während des 1.-Mai-Umzugs mitgeführt hatten. Zu dem Streit zwischen den beiden offenbar rivalisierenden Gruppen aus Sri Lanka kam es kurz vor 12.00 Uhr im Bereich Lang-/Hohlstrasse. Gemäss ersten Erkenntnissen hatten sich dort über 100 Menschen aus Sri Lanka versammelt. Unter rund 30 von ihnen sei es in der Folge zu einer heftigen tätlichen Auseinandersetzung gekommen, meldete die Polizei. Die Kontrahenten seien dabei unter anderem mit Holz- und Eisenstangen, die sie während des 1.-Mai-Umzugs als Transparenthalter mit sich geführt hätten, aufeinander losgegangen. Sechs Menschen seien verletzt worden, zwei davon schwer. Einer habe mit schweren Kopf- und einer mit schweren Rückenverletzungen ins Spital gebracht werden müssen. Die anderen vier hätten Prellungen und Blessuren erlitten. Daneben kam es in Zürich nicht zu gröberen Krawallen. Die Polizei vermeldete nur ein paar kleinere Sachbeschädigungen am Rande des Umzugs.

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