Urs L. (43) wurde beim Hausbau übers Ohr gehauen «Mein Ex-Schwager führte mich in den Ruin»

BUCHS SG - Der Umbau des Hauses von Urs L. (43) endet in einer Familienfehde. Der Ostschweizer sitzt nach einem missglückten Handschlag-Geschäft auf einem Schuldenberg.

Leserstory: Zählt mündlicher Vertrag vor Gericht überhaupt? play
Urs L. (43) zeigt die ursprüngliche Offerte seines Ex-Schwagers – sie hat sich am Ende verdreifacht.  Siggi Bucher

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Es sollte ein guter Deal innerhalb der Familie werden. Doch der Hausumbau von Urs L.* (43) endet in einer Schlammschlacht. Anfang 2010 kauft Urs L. das Haus seiner Mutter (78) in Buchs SG. «Der Bruder meiner Ex-Freundin hat eine Holzbaufirma. Er bot mir an, den ersten Stock für 73’000 Franken umzubauen. Ich freute mich über das gute Angebot», sagt der Ostschweizer.

Urs L. willigt ein – statt Vertrag zählt das Wort: «Per Handschlag einigten wir uns auf den Familien-Stundenpreis von 50 statt 81 Franken.» Der Umbau beginnt im Frühling 2011. Kurze Zeit später gibt es erste Probleme. «Die Fenster wurden falsch montiert, ein anderer Boden geliefert. Irgendwie funktionierte nichts», sagt Urs L. 

Statt schriftlichem Vertrag nur das gesprochene Wort

Trotzdem geht es weiter. Sein Ex-Schwager schlägt vor, auch die Fenster in der Wohnung von L.s Mutter zu erneuern. 90’000 Franken sollten diese Arbeiten kosten. Wieder gilt das Wort. Urs L. zieht kurze Zeit in die neu renovierte Wohnung. Dann folgt der Schock.

Eine Rechnung über 206’000 Franken flattert ins Haus. «Unglaublich, so viel Geld gibt mir keine Bank. Er hat mir einfach den normalen Stundenlohn berechnet», sagt L. Der Aussenmitarbeiter baut auf eine gütliche Einigung mit dem Bruder seiner Ex-Freundin. Doch die Situation eskaliert: «In einem SMS schrieb er, dass wir uns in der Mitte treffen. Ich versuchte, das Geld zu organisieren. Doch dann kam der Brief seines Anwalts. Er forderte den gesamten Betrag.» 

Der Fall landet vor Gericht – Urs L. muss die volle Summe zahlen

Der Fall landet vor dem Kantonsgericht. Urs L. muss den vollen Betrag zahlen. «Ich habe es nicht schriftlich, deshalb hatte ich keine Chance.» Der Ostschweizer zahlte Lehrgeld: «Es war ein grosser Fehler, ihm zu glauben. Nun sitze ich auf einem Schuldenberg, weiss nicht, ob wir das Dach über dem Kopf verlieren. Meine Mutter wohnt auch hier. Sie ist 78 Jahre alt.» 

Der Ex-Schwager und Besitzer der Rheintaler Holzbaufirma sieht die Sache anders: «Er wollte immer mehr haben. So gab es einen Rattenschwanz. Die Renovierung wurde immer teurer.» Und: «Einen Familienpreis hat es nie gegeben. Er ist nicht meine Familie.» Für ihn ist die Sache klar: «Das Gericht hat entschieden. L. muss das Geld zahlen.»

* Name geändert 

Publiziert am 06.12.2016 | Aktualisiert am 11.01.2017
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16 Kommentare
  • Susanne  Reich 06.12.2016
    Deshalb merke: de bon comptes font de bons amis, mit anderen Worten: auch bei Freunden oder gerade, immer alles schriftlich festhalten und am besten auch Einkäufe sofort bezahlen, denn so bleibt alles im freundschaftlichen/familiären Lot. Ansonsten fühlt sich der Eine oder Andere evtl. "betrogen" und dies führt zu Unfrieden. Geschenke kann man jederzeit machen und diese sind sicherlich wollkommen.
  • Georg  Kuster 06.12.2016
    "statt Vertrag zählt das Wort:" Das ist nicht korrekt, da das Wort exakt die selbe Vertragskraft hat wie ein schriftlicher Vertrag. Nur nachweisen kann man mündliche Geschäfte nicht immer. Deshalb sollte man dann immer Zeugen dabei haben, wenn es sich um einen mündlichen Vertrag handelt. Oder "zufällig" ein Aufnahmegerät am Laufen haben.
  • Hugo  Wirz 06.12.2016
    Sie waren zwar nicht miteinander verwandt (Bruder seiner Ex-Freundin) aber die Situation kenn ich. Auch ich habe mal schwer dazu lernen müssen.
    Wie sagte Bud Spencer in einem Film so treffend: "Verwandte sind wie Schuhe. Je enger sie sind, um so mehr drücken sie"..!
  • Alois  Amrein 06.12.2016
    Es ist für Aussenstehende schwierig zu beurteilen, wer von den beiden hier mehr lügt. Dumm ist jedoch, wer ein solches Geschäft per Handschlag "besiegelt" statt einen Werkvertrag abzuschliessen.
  • Daniel  Zaugg 06.12.2016
    So wie ich das sehe waren ja die 73‘000 und 90‘000 kalkuliert vereinbart und die Finanzierung für diese Investition geregelt gewesen sein. Die Differenz zur Abrechnung beträgt also 43‘000., um welche es schlussendlich geht. Das ist unangenehm. Aber wenn dies zum Ruin führt, hat man den Boden vermutlich schon vorher etwas zu sehr aus den Augen gelassen…
    • Karin  Müller aus Chur
      06.12.2016
      Die erste Offerte wurde nach meinem Verständnis von 73000. auf 90000. erhöht. 206000. ist dann schon einiges mehr als die übliche Abweichung bei Offerten.