
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
BLICK: Herr Mörgeli, Sie haben heute im BLICK Erziehungskurse für Deutsche gefordert. Wie stellen Sie sich das vor?
Christoph Mörgeli: «Ich habe weder Erziehungskurse noch Integrationskurse für alle Deutschen gefordert. Da hat mich BLICK falsch zitiert. Ich habe gesagt, der beste Integrations-Kurs wäre, wenn Deutsche, die schon länger hier weilen, ihre neu zugezogenen Landsleute über die Unterschiede beider Länder informieren würden.»
Wer soll die Kurse organisieren?
«Das kann nicht Aufgabe des Staates sein. Gut integrierte Deutsche könnten die Kurse freiwillig für die Integrationswilligen organisieren. Das Interesse wäre wohl gar nicht so gering.»
Konkret?
«Es gibt Unterschiede im oft schrofferen Tonfall und in der strengeren Auffassung von Rang und Titel bei den Deutschen. Den Schweizern ist die Hierarchie nicht so wichtig. Der Satzanfang ‹Jetzt pass auf› ist ungeschickt. Denn er gibt uns Schweizern das Gefühl, wir seien Schlafkappen und hätten unsere Sinne kaum je beeinander. Auch der Ausruf ‹Ich hab dafür bezahlt›, kommt hierzulande nicht so gut an.»
Das reicht, um die Differenzen zu beseitigen?
«Es geht oft um Kleinigkeiten des Umgangstons. Die Deutschen gehören nicht zu jenen Ausländergruppen, die uns grosse Schwierigkeiten bereiten. Der Wettbewerb ist auch bei höher qualifizierten Berufen wichtig. Und die Deutschen sind oft bereit, mehr und Besseres zu leisten als wir. Möglicherweise wecken fleissige Deutsche Eifersuchtsgefühle bei manchen Schweizern, die schon etwas bequem geworden sind.»