Unsicher und «pädagogisch mangelhaft» Sozial-Schiff erleidet Schiffbruch

SCHMERIKON - SG - Das Sozial-Schiff muss die Segel streichen. Das hat das Jugendamt des Kantons Bern entschieden. Grund: Es gebe zu wenig Kontrolle, und es sei unsicher und habe «pädagogische Mängel».

Das «Jugendschiff Salomon» soll Problemkinder wieder auf Kurs bringen. play

Das «Jugendschiff Salomon» soll Problemkinder wieder auf Kurs bringen.

www.jugendschiffe.ch

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Die «Salomon» schifft durch die sieben Weltmeere. Die schwierigen Jugendlichen, die sich darauf befinden, sollen beim Schrubben der Schiffsplanken wieder auf den rechten Weg finden (Blick.ch berichtete).

Die Stiftung Jugendschiff organisiert seit über zehn Jahren solche Hochsee-Trips. Doch jetzt setzt das Jugendamt des Kantons Bern dem Ganzen ein Ende, berichtet die «NZZ».

Allerdings nicht per sofort. Die «Salomon» hat noch bis im August 2016 eine Bewilligung. «Eine Verlängerung ist ausgeschlossen», sagt Amtsvorsteherin Andrea Weik. Man wolle der Stiftung aber einen geordneten Ausstieg ermöglichen.

Grund für das Einstellen des Sozial-Schiffs: Die Sicherheit der Jugendlichen auf dem Hochsee-Dreimaster sei nicht gewährleistet. Ausserdem gebe es laut Weik «pädagogische Mängel».

Den Jugendlichen sei es kaum möglich, sich zurückzuziehen. Das komme einem permanenten Einschluss gleich.

Weiter sei es nicht möglich, das Jugendschiff von Bern aus zu beaufsichtigen. Kein Argument für die Behörde hingegen sind die immensen Kosten: 430 Franken pro Tag oder 150'000 Franken pro Jahr kostet ein Trip auf dem Sozialschiff - «kaum mehr als ein Tag in einer Institution an Land», wie Weik hinzufügt.

«Carlos von Schmerikon»

In die Schlagzeilen geraten war das Sozial-Schiff so: Der Jugendliche B. K.* aus Schmerikon SG befindet sich auf einem staatlich verordneten Segeltörn. Seit vier Monaten. Unfreiwillig. Der 14-Jährige wurde aufs Meer geschickt, nachdem die Behörden auf dem Festland keine Perspektive mehr für den schwer erziehbaren Jugendlichen sahen.

Die unkonventionelle Therapie-Massnahme muss die Gemeinde berappen. 390 Franken kostet die Therapie pro Tag. Bei einer vorgesehenen Mindestdauer von 40 Wochen macht das rund 110'000 Franken – exklusive Nebenkosten von 360 Franken pro Monat. Weil die Mutter die Kosten selbst nicht tragen kann, muss Gemeinde Schmerikon die Rechnung bezahlen, wie bekanntwurde.

Dabei ist jetzt schon klar, dass die Kosten für die 3500-Einwohner-Gemeinde noch viel höher ausfallen werden.

Der Jugendliche B. K. wird bereits als «Carlos von Schmerikon» bezeichnet.

Unter dem Namen «Carlos» war vor einem Jahr im Kanton Zürich ein Fall durch «BLICK» aufgegriffen worden. Sozialmassnahmen für den damals 17-jährigen «Carlos» betrugen knapp 30'000 Franken pro Monat. (kab)

* Name der Redaktion bekannt

Publiziert am 01.10.2014 | Aktualisiert am 01.10.2014
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36 Kommentare
  • Susanne  Reich 01.10.2014
    Bergbauern oder andere Gewerbetreibende wären vielleicht noch dankbar für eine helfende Hand, um dies auszugleichen, was ein Teil der Eltern dieser Jugendlichen versäumt hat, nachzuholen. Sofern ihnen der Aufwand nicht zu viel wäre. Würde vielleicht mehr bringen und weniger kosten.
  • William  Quispe aus Bellinzona
    01.10.2014
    Das ist schlicht und einfach Freiheitsentzug. Genauso gut könnten die Jungs im Jugendknast untergebracht werden. Dort können sie sich wenigstens ab und zu zurückziehen. So was von bescheuert.
  • Peter  Kay aus Niedergösgen
    01.10.2014
    Es ist zu gefährlich, kann aber noch zwei Jahre weiter betrieben werden? Was denn nun? Man riskiert Menschenleben um einer Stiftung den geordneten Ausstieg zu ermöglichen? Wenn dies alles nicht Millionen verschlingen würde, könnte ich nur noch lachen.
  • fritz peter  friedli aus utzenstorf
    01.10.2014
    Unsere Eltern würden sich im Grabe umdrehen und schämen. Sie müssten sich fragen was haben wir den falsch gemacht, nach dem Krieg, viel Geld war nicht vorhanden. Die Erziehung liebend, streng, fördernd und Vordern. Das Resultat wir bekamen Leitblanken fürs Leben mit den Worten trägt Verantwortung für das was ihr tut. Heute Geld verschleudern, wenn das Zukunftspädagogik- mit Sozialkompetenz sein soll, um die Jugend in dieser modernen Gesellschaft für das Leben vorzubereiten dann gute Nacht- CH.
  • Edi  Rey aus Romanshorn
    01.10.2014
    Wenn sich erst jetzt herausstellt, dass diese Therapie mangelhaft und nicht erfolgreich, dafür aber sehr teuer ist, dann heisst das nichts anderes, als dass keine Kontrolle stattgefunden hat. Warum tun wir uns in unserem Land mit Kontrollen so unglaublich schwer?