Chaos-Klasse schwärmt von Nummer 7 «Unsere neue Lehrerin ist sexy»

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Katia Murmann

ZÜRICH – Die Terror-Schüler vom Schulhaus Borrweg. Am 1. Tag mit der neuen Lehrerin gaben sie sich lammfromm. Wie lang das so geht, wird sich zeigen, denn die Kids haben auch schon wieder Sprüche auf Lager.

Kein Geräusch dringt aus Klassenzimmer Nr. 12. Kein Husten, kein Schreien, nicht die laute Stimme eines Lehrers. Die hört man nur aus den anderen Zimmern. «Ssssch», macht hier eine Frau, «Ruhe», ruft dort ein Mann. In Zimmer Nr. 12 – das grosse Schweigen.

Und doch sitzen hinter der Tür 22 Schüler, die gemeinsam als Chaos-Klasse bekannt wurden.

Am Morgen hat Interims-Schulleiter Thomas Brugger den Sechstklässlern die neue Lehrerin vorgestellt. Sereina Wieser (25) ist ihre Nummer sieben. Sechs andere Lehrkräfte haben die Schüler in den vergangenen zweieinhalb Jahren verheizt.

Jetzt aber soll alles anders werden. Brugger spricht von einem Neubeginn: «Die Schüler müssen beweisen, dass sie nicht die Terror-Klasse sind, als die sie in den Medien dargestellt wurden.» Der Schulleiter ist zuversichtlich: «Das schaffen sie.»

Am ersten Arbeitstag von Lehrerin Sereina Wieser (25) zeigen sich die Sechsklässler von ihrer Schoggi-Seite. Mit Blumen, Plakaten und Luftballons haben sie die Lehrerin empfangen. Und waren dann brav, einen ganzen Schultag lang.

Als die Mädchen und Buben danach ins Freie stürmen, ist es mit der Ruhe vorbei.

«Was machen Sie hier?», fragen zwei Burschen die BLICK-Reporter. Und dann – schon ganz Medienprofis: «Wir sind aus der Klasse. Was wollen Sie wissen?»

Wie der erste Tag mit der neuen Lehrerin gewesen ist. «Super», sagt der eine. Der andere meint: «Die Neue ist toll. So hübsch und jung und sexy – ich würde sie auf 18 schätzen!»

Immer mehr Sechstklässler kommen hinzu. Schweizer, Ausländer. Von Terror keine Spur.

«Ich glaube, wir haben jetzt eine gute Lehrerin», sagt Miriam (13) und lächelt freundlich.

Und Srdjan (12) erklärt in bestem Hochdeutsch: «Wir wollen jetzt lernen und die Vergangenheit hinter uns lassen. Unser Ziel ist es, für die Oberstufe bereit zu sein.»

Reife Worte für einen Sechstklässler. «Die Rede habe ich zu Hause geübt», sagt Srdjan. «Weil doch so viele Medien gekommen sind.» Dann sagt er: Die Probleme der Klasse seien nicht die Schüler vom Balkan. Schliesslich sei er selber einer.

Mittlerweile hat sich eine Schülertraube um die BLICK-Reporter gebildet. Die Schüler schubsen, schreien. Ein paar machen Fotos mit ihren Handys. Ein Mädchen zielt mit einem dicken Gummi ins Gesicht eines Kollegen.

Wie lange wollen sie es mit Lehrerin Nummer 7 aushalten? «Bis zum Sommer», sagt Miriam. «Dann gehen wir ja sowieso.»

Diesmal ist ihr Lächeln zweideutig.

Klasse verheizte sechs Lehrkräfte

ZÜRICH – Die Chaos-Klasse vom Schulhaus Borrweg: In zweieinhalb Jahren verheizten die jetzt 12- und 13-jährigen Schüler sechs Lehrer. Die Schulleitung war von der Situation offenbar überfordert. Am 16. März eskalierte die Lage endgültig. Seitdem hatten die 22 Schüler keinen eigenen Lehrer mehr. Gestern nahm Lehrerin Nummer sieben, Sereina Wieser (25), ihre Arbeit in der Klasse auf.

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