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Peter Ulrich von May: «Ich will auf die ganze Erde hinabschauen.» (Foto: Martin Guggisberg)
Unser Mann im All checkt erst einmal die Börsenkurse. Er sitzt auf dem schwarzen Ledersessel in seinem Büro; draussen ist ein trüber Tag. An der Börse auch. «Wenn es mir im Büro stinkt», sagt Peter Ulrich von May, «dann steige ich in meinen Flüger und steige auf in unsere tolle Bergwelt!»
Das passiert im Moment ziemlich oft. Nicht nur wegen der Börse, auch wegen dem Weltall. Dort will der Vermögensverwalter aus Wollerau ZH nämlich so schnell wie möglich hin: als erster Schweizer Weltraum-Tourist. Dafür trainiert er – unter anderem mit Akrobatikflügen.
Von May hat keine Astronauten-Ausbildung. Dafür eine Privatpiloten-Lizenz, eine Brille und eine leichte Farbenblindheit. Er ist 63 Jahre alt und «Founder Astronaut» – einer der hundert ersten Passagieren, die 2009 mit Virgin Galactic, dem Weltraumprojekt von Englands Multi-Millionär Richard Branson, ins All reisen wollen.
SonntagsBlick Magazin: Was zieht Sie zu den Sternen, Herr von May?
Peter Ulrich von May: Ich will auf die ganze Erde hinabschauen. Wissen Sie, ich bin von der Fliegerei angefressen, hätte eigentlich Pilot werden müssen. Aber in meiner Familie gibt es nur Rechtsanwälte, Ärzte, solche Berufe eben. Und so bin ich heute Banker – ich bin nicht unglücklich, habe eine gute Karriere gemacht und kann Fliegen wann ich will und nicht wann ich muss.
Brauchten Sie viel Bedenkzeit, um sich für den Trip ins All anzumelden?
Ich habe in einem Fliegermagazin davon gelesen und keine Sekunde gezögert! Und so gehöre ich jetzt zu den ersten Hundert, die ins All reisen möchten.
Wie muss man sich den Trip genau vorstellen?
Das Raumschiff hat Platz für sechs Passagiere. Zuerst geht es mit einem Trägerflugzeug auf 15 000 Meter Höhe. Dann wird das Raumschiff vom Träger ausgeklinkt, zündet den Antrieb und ist in 90 Sekunden auf 110 Kilometer Höhe. Wir bleiben dann ein paar Minuten im Weltall – sind vor dem Wiedereintritt und Abstieg schwerelos.
Für vier Minuten Schwerelosigkeit zahlen Sie 200 000 Dollar ...
Ja, ich weiss ... das ist viel Geld, aber mir läuft die Zeit davon: Geplant ist der Flug für 2009, vielleicht wird es aber 2010. Ich bin nicht mehr der Jüngste und möchte das halt noch erleben. In ein paar Jahren wird es für jedermann möglich sein, einen solchen Flug für einen Bruchteil des Geldes zu machen, davon bin ich überzeugt.
Hat Ihr Arzt eigentlich nichts gegen den Weltraum-Ausflug?
Ich habe das erste Ärzte-Attest bereits erhalten, unmittelbar vor dem eigentlichen Flug gibt es noch einen Endtest. Heute wäre ich sofort einsatzbereit. Der älteste angemeldete Passagier ist 88, der jüngste 11 Jahre alt. Das Ganze ist körperlich also kein Problem. Von den getesteten Passagieren mussten nur zwei nach dem Zentrifugentraining aufgeben.
Aber ein bisschen trainieren müssen Sie für den All-Trip schon?!
Ich gehe regelmässig dreimal in der Woche ins Fitnesstraining, nur schon wegen der Hobbyfliegerei und auch, damit ich abends mein Glas Rotwein trinken darf !
Angst haben Sie wohl keine ...
Nein, woher auch? Das ist kein Thema. Ein viel zitierter Spruch unter Piloten ist: Das Gefährlichste an der Fliegerei ist die Autofahrt zum Flugplatz.
Und was meint Ihre Familie zum Abenteuer im All?
Meine Frau ist auf meinen Flügen oft dabei – und die Familie hat sich an meine Flugabenteuer gewöhnt.