Unsägliche Qualen für wehrlose Mädchen

  • Publiziert: 27.12.2005, Aktualisiert: 03.01.2012

ZÜRICH – Sogar unter «klinischen» Bedingungen ist die Genital-Beschneidung eine massive Verstümmelung. Die Motive sind für unsere westliche Kultur so oder so fremd und nicht akzeptabel.Im Prinzip werden vier Typen der Beschneidung unterschieden (vergleiche das PDF-File: «Patientinnen mit genitaler Beschneidung: Schweizerische Empfehlungen für Ärzte, Hebammen und Pflegefachkräfte»).Zusammengefasst: «Sunna»: Beschneidung der Vorhaut mit der ganzen Klitoris oder einem Teil davon. «Exzision»: Entfernung der Klitoris mit teilweiser oder totaler Amputation der kleinen Schamlippen. «Infibulation», die extremste Form: Hierbei werden die äusseren Genitalien weggeschnitten, und die Vaginalöffnung wird bis auf eine minimale Öffnung zugenäht, so dass sogar der Urinabfluss behindert wird. Diverse, nicht eindeutig klassifizierbare Praktiken:-Ausbrennen der Klitoris-Einführung ätzender Substanzen in die Vagina, um diese zu verengen.Damit ist klar: Es handelt sich um schwerwiegende Eingriffe in die körperliche Unversehrtheit.Der Schrecken dieser Torturen wird aber erst vollends klar, wenn wir uns vor Augen halten, wie diese vor Ort durchgeführt werden: Von Beschneiderinnen, die natürlich ohne chirurgische Instrumente hantieren, sondern mit Glasscherben, Scheren, Messern, Rasierklingen. Besonders schrecklich ist die Methode, bei der zuerst die äusseren Schamlippen mit Dornen am Oberschenkel fixiert werden.Und natürlich wird ohne Betäubung gearbeitet und unter schlechtesten hygienischen Bedingungen. Die sofortige Konsequenz: Viele Mädchen verbluten elend oder leiden unter schlimmsten Entzündungen.Und dann das psychische Trauma. Natürlich wird den Mädchen vorher nicht gesagt, was sie erwartet. Es wird ihnen vorgegaukelt, dass sie Hauptpersonen eines grossen Familienfestes sind, und ihnen werden Geschenke gemacht.Dann werden sie diesen entsetzlichen Qualen unterworfen – und nicht einmal aus der Hand unbekannter Böser, sondern im Beisein und unter Mithilfe von Mutter und Grossmutter. Langanhaltende psychische Schäden sind die Folge dieses brutalen Vertrauensbruchs.Überlebt das Mädchen, hat es sofort Schmerzen beim Urinieren und bei der Menstruation. Die längerfristigen Folgen sind Blasen- und Nierenentzündungen und Zysten im Genitalbereich. Bei der extremen Infibulation ist Geschlechtsverkehr unmöglich, die Vaginalöffnung muss erst wieder geöffnet werden. Das ist oft mit neuen Qualen verbunden, wenn der Ehemann mit dem Messer nachhelfen muss. Bei der Geburt muss dann die Vaginalöffnung wieder aufgeschnitten werden – und anschliessend wird sie wieder zugenäht … Damit wird klar, dass der Begriff Beschneidung für diese Prozeduren eigentlich vollkommen fehl am Platz ist. Korrekt heisst es heute denn auch: Weibliche Genitalverstümmelung, WGV (englisch: Female Genital Mutilation).Um es ganz klar zu sagen: Auch wenn diese Verstümmelung unter «klinischen» Bedingungen durchgeführt wird – was sich Familien mit Geld zunehmend leisten –, stellt die Prozedur eine schwere Körperverletzung dar. Sogar in den meisten afrikanischen Ländern, in denen der Brauch anzutreffen ist, ist er verboten!Nach dem neuesten Bericht des Uno-Kinderhilfswerks Unicef werden Jahr für Jahr rund 3 Millionen Mädchen und Frauen genital beschnitten. Weltweit dürfte es heute 130 Millionen Opfer geben. Und durch die Einwanderung dürften unterdessen rund 7000 Mädchen und Frauen in der Schweiz leben, die diese Prozedur erlitten haben.

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