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Der Deal mit den Pharma-Giganten Novartis und Glaxo Smith Kline steht: 13 Millionen Dosen Schweinegrippe-Impfstoff hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) bestellt, zwei Spritzen für jeden Bürger. 84 Millionen Franken soll der Kampf gegen das schnellste Grippevirus aller Zeiten kosten.
Nur könnte die Pandemie längst wüten, wenn die 13 Millionen Impfstoffdosen ab September und Oktober «gestaffelt» (BAG) in die Schweiz kommen. Nach Einschätzung des Genfer Kantonsarztes Philippe Sudre (54) droht eine erste Welle die Schweiz schon Ende August zu erreichen. Das heisst: Danach ist innerhalb von zwei, drei Monaten jeder fünfte Schweizer infiziert – für viele kommt der Impfstoff also viel zu spät. Die Folge: mehr Infizierte. Das bedeutet aber: mehr Tote. Bis die Impfung wirkt, dauert es mindestens 14 Tage.
Hinzu kommt, dass die grössten Impfstoffhersteller der Welt im Wettlauf gegen das Schweinegrippe-Virus bereits jetzt eine Niederlage erlitten haben: Sie können nicht, wie im WHO-Szenario erhofft, wöchentlich 94,5 Millionen H1N1-Impfstoffdosen herstellen, sondern höchstens 31,5 Millionen. Das sind zwei Drittel weniger als bei der saisonalen Grippe – ein miserabler Wert.
50 Länder haben laut WHO zusammen bis zu 1,8 Milliarden H1N1-Impfstoffdosen bestellt – dass die Schweiz die ersten 13 Millionen bekommt, ist unwahrscheinlich. Nur ein Bruchteil davon wird vor Jahresende ins Land gelassen. Daniel Koch (54), Leiter Taskforce Pandemie beim BAG, räumt ein: «Kein Land kann garantieren, dass bis zum grossflächigen Ausbruch der H1N1-Pandemie genügend Impfstoff vorhanden sein wird. Auch die Schweiz nicht.» Er zeigt sich dennoch zuversichtlich: Man rechne «allerspätestens Ende Jahr» mit dem Abschluss der Impfstoff-Lieferung.
Mitschuld an der schlechten Ausgangslage ist die jahrzehntealte Herstellmethode: Die Pharmamultis züchten die wichtigste Impfstoffzutat, das Antigen, in Hühnereiern. Für jede Impfung braucht es 1 bis 1,5 Hühnereier. Die Beschaffung sei «ein logistischer Albtraum», sagt Christian Herzog (62), Leiter Medical Affairs beim Biotechnologieunternehmen Crucell-Berna Biotech zu SonntagsBlick: «Im Fall des H1N1-Virus haben sich die Impfstoffhersteller verrechnet», so Herzog.
«Bei der Herstellung handelt es sich um ein biologisches Verfahren», entgegnet Novartis-Sprecher Eric Althoff. «Da gibt es immer sehr viele Variablen. Wir sind optimistisch, aber auch realistisch. Es ist nach wie vor unklar, wie gross die Impfstoff-Ausbeute sein wird.»
Novartis betont, als einziges Unternehmen Europas den Impfstoff auch mit einer Zellkulturen-Anlage herzustellen. Dies sei zwar «die Lösung der Zukunft», sagt Christian Herzog, doch gegenwärtig werde der grösste Teil des Impfstoffs weiterhin in Eiern produziert.
Eine Flugstunde von Zürich erhält man einen Vorgeschmack, was die Schweiz erwartet: Letzte Woche registrierten die britischen Behörden 100000 Neuinfizierungen. 840 Infizierte liegen im Spital, 63 auf der Intensivstation. 26 starben. Das Virus verbreitet sich rasend. Weltweit sollen mittlerweile 800 Menschen daran gestorben sein, sagt die WHO.
Diese Zahl sei viel zu tief, sagen Experten.