Kurer hat entschieden – Villiger trägt den Entscheid mit UBS dreht Parteien den Geldhahn zu

  • Publiziert: 18.04.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Marcel Odermatt und Christof Moser
play Spenden-Stopp: Kurer spart beim Polit-Lobbying. (Reuters)

Gegen zwei Millionen Franken überweisen die Grossbanken den bürgerlichen Parteien Jahr für Jahr. Jetzt zeigen SonntagsBlick-Recherchen: Die UBS stellt ihre Zahlungen per sofort ein – und bringt damit vor allem FDP und CVP in Schwierigkeiten.

Offiziell heisst es bei der UBS, die Spendenzahlungen an die bürgerlichen Parteien würden derzeit überprüft. Tatsächlich ist der Entscheid aber gefallen, wie SonntagsBlick-Recherchen zeigen.

Am Rande der UBS-Generalversammlung vergangenen Mittwoch bestätigt der zurückgetretene UBS-Verwaltungsratspräsident Peter Kurer (59): «Ich habe persönlich entschieden, dass wir die Zahlungen an die Parteien einstellen, solange die UBS auf Staatshilfe angewiesen ist.»

Und selbst wenn die Bank dereinst wieder ohne Bundesmittel auskommen sollte, sei fraglich, ob überhaupt je wieder Spenden an SVP, FDP und CVP fliessen: «Auch in diesem Fall ist unsicher, ob wir weiter politische Parteien finanzieren sollen», so Kurer.

Der neue UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger (68) steht hinter dem Entscheid seines Vorgängers: «Solange die UBS auf die Hilfe des Staates angewiesen ist, halte ich es für richtig, auf Partei-spenden zu verzichten», sagt Villiger im Interview mit SonntagsBlick (siehe rechts).

Für die FDP ist der Spendenstopp der UBS besonders bitter. Keine der Parteien ist so abhängig von den Grossbanken wie der Freisinn. Bei einem Budget von knapp drei Millionen Franken nahm die FDP letztes Jahr 1,66 Millionen an Spenden ein und musste trotzdem einen Verlust von 34000 Franken verbuchen.

Jetzt fallen auch noch die rund 300000 Franken der UBS weg. Trotzdem sagt Fraktionschefin Gabi Huber (53): «Wir haben volles Verständnis für den Entscheid der UBS.» Als Konsequenz müsse sich die Partei nun überlegen, «die Mandatsbeiträge für die Bundesräte und Parlamentarier zu erhöhen», so Huber weiter.

Hart trifft der Entscheid der UBS auch die CVP, die von der Grossbank jährlich rund 150000 Franken erhalten hat. CVP-Chef Christophe Darbellay (39) zeigt sich vom Spendenstopp überrascht – kommentieren will er ihn nicht.

Auch die SVP profitierte von den UBS-Spenden, verfügt aber mit den Vizepräsidenten Christoph Blocher (68) und Walter Frey (65) parteiintern über potente Geldgeber.

Einziger Trost für FDP, CVP und SVP: Die Gelder der Credit Suisse werden unvermindert weiterfliessen. «Wir sehen derzeit keinen Anlass, von unserer bisherigen Praxis abzuweichen», sagt CS-Sprecher Alex Biscaro zu SonntagsBlick.

Transparenz ist ein Fremdwort

Anders als im Ausland müssen in der Schweiz die Parteispenden nicht offengelegt werden. Sie gehören zu den bestgehüteten Geheimnissen.

Was teilweise bekannt ist, sind die Budgets. Sie variieren zwischen drei (CVP und FDP) und gut vier Millionen Franken (SP).

Gar keine Angaben gibt es dagegen von der SVP. Die Volkspartei hält alle Informationen zu den Parteifinanzen unter Verschluss.

«Ich halte es für richtig»

Der neue UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger begrüsst den Spenden-Stopp der UBS an die Parteien.

Herr Villiger, Ihr Vorgänger Peter Kurer hat entschieden, dass die UBS den Parteien keine Spendengelder mehr überweist. Stehen Sie als neuer UBS-Präsident hinter diesem Entscheid?
Kaspar Villiger: Der Entscheid wurde vor meinem Amtsantritt gefällt. Ich habe Verständnis dafür. Solange die UBS auf Hilfe vom Staat angewiesen ist, halte ich es für richtig, auf Parteispenden zu verzichten.

Und wenn die UBS wieder ohne Staatshilfe auskommt: Soll sie dann wieder zahlen?
Die Parteien sind auf Spenden aus der Wirtschaft angewiesen. Ich glaube jedoch, dass vor allem global tätige Firmen das Thema Parteienspenden grundsätzlich neu beurteilen werden. Ich könnte mir vorstellen, dass sich die Firmen selber gewisse Richtlinien auferlegen.

FDP- und CVP-Politiker fordern bereits Staatsgelder für die Parteien. Ihre Meinung?
Ich war immer dagegen. Die Parteien sind unabhängiger, wenn sie nicht am Staatstropf hängen.

Ist es denn besser, wenn die Parteien von der Wirtschaft abhängig sind? Selbst Bürgerliche sagen, das UBS-Debakel habe nur geschehen können, weil die Banken die Politik mit ihren Spendengeldern beeinflusst haben.
Das ist Unsinn. Problematisch wäre nur, wenn eine Partei schwergewichtig von einer einzelnen Spenderfirma abhängig wäre. Ich habe in meiner politischen Karriere nie gespürt, dass politische Entscheide einer Partei von Spendengeldern aus der Wirtschaft beeinflusst worden wären.


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