Trotz Spardruck: Luxus-Sofas für Zürcher Schüler

ZÜRICH - Statt des Ikea-Modells «Klippan» (199 Fr.) bestellt die grösste Schweizer Stadt nun die Luxusvariante «Otto» (1576 Fr.). Es gehe um Ästhetik.

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Immerhin wird es genutzt: Sofa «Otto» in der Zürcher Tagesschule Bungertwies. Gaetan Bally

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Die Schulen des Kantons Zürich müssen sparen, bis 2019 jährlich 49 Millionen Franken. Klassengrössen wachsen, das Essen in Horten wird schlechter. Lehrer erheben laut Einspruch.

Umso mehr irritiert ein Schreiben der Schulleitung eines Schulhauses in der Stadt Zürich. «Wir können für alle ‹Kinder-Räume› […] das Sofa ‹Otto› in grosszügiger Anzahl bekommen», so die Schulleiterin an die Lehrer. «Die Anschaffungen werden unser Budget nicht belasten.»

Die Lehrkräfte sollen ruhig zulangen, suggeriert das Mail. «Im Zweifelsfall bestellen wir lieber ­eines mehr», es belaste das Budget ja nicht. «Und wir können ein paar wenige als Reserve deponieren.» Also in den Keller stellen.

«Die Stadt klotzt mit Sofas, wir müssen sparen», sagt eine Lehrerin. Das ­Otto-Sofa Modell Urban Plus kostet im Einzelhandel 1576 Franken. Es gelangt in alle Schulen und Horte Zürichs, ist nun Standard. Damit soll die Schule einheitlicher aussehen, heisst es. In manchen Zimmern ersetzt Otto den Ikea-Klassiker Klippan. Diese Couch ist für 199 Franken zu haben.

1 Otto = 7,9 Klippan

Schön, aber teuer: Sofa «Otto» für 1576 Franken. play
Schön, aber teuer: Sofa «Otto» für 1576 Franken.

Für den Preis eines Ottos könnten 7,9 Klippans gekauft werden. Bisher hat die Stadt 2300 Ottos erworben. Die jüngste Lieferung – 360 Stück – erfolgte im Herbst. Pro Klassenzimmer sind 1,5 Sofas vorgesehen. Rechnet man den Bedarf hoch, dürfte die Stadt 3500 Ottos kaufen. Was im Laden 5,5 Millionen Franken kostet – 4,8 Millionen Franken mehr als gleich viele neue Ikea-Sofas. Die Stadt erhalte Mengenrabatt, die Luxussofas belasten nicht das Bildungsbudget, sondern die städtische Abteilung Immobi­lien, sagt der Immobilien-Sprecher von Zürich, Marc Huber.

Das Schweizer Möbelhaus Girsberger fertigt Otto. Chic wirkt das Sofa in Arztpraxen und Lofts kinderloser Paare. Bei der Evaluation sei er als Sieger hervorgegangen. Huber: «Das Sofa hat sämtliche gesetzten Kriterien – Ökologie, Preis, Bewirtschaftung, Ästhetik – erfüllt und hat sich bei den anschliessend durchgeführten Feldtests bestens bewährt.»

«Sofa qualitativ untauglich»

Anders tönt es in Zürcher Klassenzimmern und Horten. Rasch verschmutzt sei das Sofa, der Stoff lasse sich schwerer reinigen als ein Kunstledersofa. Bloss zwei Kinder fänden darauf Platz. Ein Hort versorgte die Sofas in einer Ecke, wo Knirpse selten spielen. «Wir hatten von einer Schule gehört, dass das Sofa qualitativ untauglich ist», schreibt eine Schulleiterin. Gleichwohl bestellte sie. Es gebe «genug Schulen» mit guten Erfahrungen.

Geht so, aber billig: Sofa «Klippan» für 199 Franken. play
Geht so, aber billig: Sofa «Klippan» für 199 Franken.

Das Sofa werde «in Rückmeldungen unterschiedlich beurteilt», so Schulamtssprecherin Regina Kesselring. «Mehrheitlich sind sie aber positiv.» Die Couch sei zwar teuer. «Manchmal lohnt es sich aber zu investieren, das Sofa hält länger.» Eine Lehrerin widerspricht: «Nach kurzer Zeit sieht Otto alt aus.» Wie so oft bei Luxus.

Publiziert am 07.02.2016 | Aktualisiert am 08.03.2016
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  • Reto  Derungs , via Facebook 08.02.2016
    Auch das nennt man dann "in Bildung investieren". Habe verstanden. Danke.
  • Rolf  Hess 08.02.2016
    Dass der Preis von 1576 Franken für dieses Campingsofa total überrissen ist, sieht doch jeder Leser auf den ersten Blick.
    Der Einkäufer erhält bei teureren Einkäufen in jedem Geschäft teurere Weihnachtsgeschenke. War immer so. Schmieren und salben hilft allenthalben.
  • Anne  Delenclos 08.02.2016
    Kein Mensch von Verstand würde für ein solch mikriges, unbequemes Sofa 1576 Franken aus der eigenen Tasche bezahlen. Die Otto-Sofas haben noch nicht mal Armlehnen, man kann sich nirgendwo hinstützen mit einem Buch in der Hand, man kann sich nicht «in die Ecke» setzen. Deshalb muss man wohl mit den Schuhen darauf liegen. Welche Intelligenzbestie hat denn so was ausgewählt? Kündigt dieser Null!
  • Michel  Wehner aus Zürich
    07.02.2016
    Die Stadt Zürich war noch nie wirklich berühmt für Sparsamkeit und Zurückhaltung. Arroganz und Grosskotz hat gehört da schon lange zum System. Beispiele gibt es en mass. Für den Qm Preis des Schulhauses Birch in Oerlikon baut man anderen Ortes schon fast eine ganze Stadt!
  • Jakob  Vogel 07.02.2016
    Und mit den Schuhen aufs Sofa - auch das stört heute niemanden mehr.