Pendler und Shopping-Wütige suchen Ruhe Trend: Ab zum Kirchen-Quickie

Unvermittelter Aufschwung für die Seelsorge. Die neuen Schäfchen der Kirche sind gestresst, reizüberflutet und meist konfessionslos. Pendler und Shopping-Wütige suchen vermehrt eine Mini-Auszeit.

  • Publiziert: 06.02.2012
  • Von Karin Müller
play Engel als Wegweiser zur Bahnhofkirche Zürich

Power-Napping einmal anders. Statt kurz ein Nickerchen im Büro, finden Kirchen plötzlich wieder Zulauf.

Jakob Vetsch, Seelsorger der Kirche im Shopping-Center Sihlcity, bestätigt den Trend: «Tatsächlich geniessen in letzter Zeit etliche Menschen vermehrt einfach bloss die Ruhe, die in der Kapelle gewährleistet ist. Dem aufliegenden Anliegenbuch entnehmen wir auch eine Zunahme von Gebeten.»

Zwischen 30 und 80 Personen aller Altersklassen suchen jeden Tag die Kappelle im Shopping-Center auf. Jugendliche zünden eine Kerze an und schicken dann ein SMS an die Mutter mit der Vollzugs-Nachricht, so Vetsch. 

Sich 5 Minuten sammeln, dann rein in den Job

Ganz anders sieht es in der Bahnhofkirche am HB Zürich aus. Dort kehren pro Tag zwischen 300 und 500 Menschen für eine kurze Verschnaufpause ein. An Feiertagen seien es sogar bis zu 700, sagt Seelsorger Roman Angst.

Viele Besucher kommen bereits vor der Arbeit. «Um 07:00, 07:30, 08:00 und 08:30 Uhr lesen wir das sogenannte Weg-Wort vor, beten ein ‹Unser Vater› und spenden einen Segen. Einige Menschen besuchen täglich diesen fünfminütigen Tagesstart in unserem Raum der Stille.»

Die Bahnhofkirche bietet das Wegwort auch als tägliches Mail an. Rund tausend Personen haben es abonniert, sagt Seelsorger Angst.

In Bern befindet sich ein Raum der Stille im Inselspital und in der Heiliggeistkirche beim Bahnhof.

 

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