Tötungsdelikt Adeline Experten äussern sich kritisch zu drittem Gutachten

GENF - GE - Der Rummel um die zwei psychiatrischen Gutachten im Prozess zum Tötungsdelikt an der Sozialtherapeutin Adeline erschwert ein drittes Gutachten. Die Suche nach einem unabhängigen Psychiater werde schwierig, prophezeien zwei Genfer Experten.

Aus Sicht von zwei Genfer Experten dürfte die Suche nach einem dritten Gutachter schwierig werden. Am letzten Donnerstag hat das Gericht den Prozess zum Tötungsdelikt Aline ausgesetzt. Vor Gericht steht der Angeklagte Fabrice A. (links). (Archivbild) play
Aus Sicht von zwei Genfer Experten dürfte die Suche nach einem dritten Gutachter schwierig werden. Am letzten Donnerstag hat das Gericht den Prozess zum Tötungsdelikt Aline ausgesetzt. Vor Gericht steht der Angeklagte Fabrice A. (links). (Archivbild) Keystone/FREDERIC BOTT

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In dieser Affäre habe der dritte Experte bereits Kenntnis von allen diagnostischen Fragen, erklärte Panteleimon Giannakopoulos, Chef des Genfer Gefängnisspitals Curabilis, in einem Interview in der Samstagsausgabe der Zeitung «Le Temps». Vor diesem Hintergrund sei es schwer vorstellbar, dass der Spezialist nicht beeinflusst sei.

Giannakopoulos schätzt die Zahl der psychiatrischen Experten, die überhaupt in Frage kommen, als nicht sehr gross ein. Dem pflichtet auch Jean-Pierre Restellini, früherer Präsident der Nationalen Kommission zur Verhütung von Folter (NKVF), bei. Wahrscheinlich müssten die Fühler nach Belgien, Deutschland oder gar Kanada ausgestreckt werden, sagte er im Interview mit der «Tribune de Genève».

Das ist aus Sicht der beiden Experten nicht die einzige Schwierigkeit. Die beiden Spezialisten des ersten Gutachtens erklärten, eine langfristige Prognose über die Unheilbarkeit des Angeklagten Fabrice A. sei unmöglich. «Wenn ein dritter Gutachter zu einem gegenteiligen Schluss kommt, finden sich die Richter mit zwei widersprüchlichen Berichten wieder und werden nicht weiterkommen», erklärte Giannakopoulos.

Kritik übt er auch an der Genfer Justiz. Man müsse sich fragen, was das Interesse sei, den Prozess zu verlängern. Für Jean-Pierre Restellini zeigt es die Dysfunktion des Systems.

Das Genfer Kriminalgericht hatte am Donnerstag entschieden, den Prozess für Monate auszusetzen, um ein drittes psychiatrisches Gutachten einzuholen. Grund für den überraschenden Entscheid war ein psychiatrisches Gutachten von zwei französischen Experten. Einer der beiden Franzosen hatte das Dossier zum Tötungsdelikt erst am 3. Juni 2015 erhalten. Den Angeklagten hatte er am gleichen Tag befragt, ohne das Dossier zu Kenntnis zu nehmen.

Fabrice A. wird vorgeworfen, eine Sozialtherapeutin während eines Freigangs im September 2013 ermordet zu haben. Der schweizerisch-französische Doppelbürger sass wegen zwei Vergewaltigungen eine Freiheitsstrafe von 20 Jahren ab und wurde im Zentrum «La Pâquerette» behandelt, einer auf Resozialisierung spezialisierten Abteilung der Genfer Anstalt Champ-Dollon. (SDA)

Publiziert am 08.10.2016 | Aktualisiert am 08.10.2016
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