Töteten die Eltern früher schon ein Kind?

  • Publiziert: 14.46 Uhr, Aktualisiert: 03.01.2012
play In diesem Mehrfamilienhaus wurden die 7-jährigen Zwillinge getötet. (Keystone)

HORGEN ZH – Langsam kommt Licht in das Drama von Horgen: Offenbar haben die Eltern ihre beiden 7-Jährigen erstickt. Aber: Haben sie etwa schon einmal ein Kind getötet?

Die Untersuchungshaft hat heute der Haftrichter angeordnet. Zwar: Die Hintergründe der Tat sind nach wie vor unklar. Immerhin dürfte jetzt so viel klar sein: Die Zwillinge wurden durch Ersticken getötet. Das haben erste rechtsmedizinische Untersuchungen ergeben, wie Staatsanwalt Markus Oertle erklärte.

Dass die Eltern selbst ihre Kinder umgebracht haben, wird immer wahrscheinlicher. Darauf deutet der Umstand hin, dass sie jetzt offiziell in Untersuchungshaft sitzen. Es handelt sich um Schweizer im Alter von 34 respektive 39 Jahren.

Die Eltern der Zwillinge hatten der Polizei in der Nacht auf Montag kurz vor 2.30 Uhr gemeldet, dass ihre beiden Kinder umgebracht worden seien (blick.ch berichtete). Als die Polizei zusammen mit der Sanität eintraf, war der Knabe bereits tot. Seine Zwillingsschwester verstarb trotz Reanimationsversuchen kurz darauf.

Warum?
Nach wie vor vollkommen ungeklärt ist die brennendste Frage: Warum bloss haben die Eltern ein derart schreckliches Verbrechen begangen? Die Polizei tappt im Dunkeln. Informationen zu einem möglichen Motiv gibt es nicht.

Ein Psychologe äusserte auf «TeleZüri» die Vermutung, es könnte sich um eine Verzweiflungstat handeln. Vielleicht entsprachen die Kinder nicht den Idealvorstellungen ihrer Eltern? Auch das Datum, Weihnachten, dürfte von Bedeutung sein. In dieser Zeit sind die Menschen speziell emotional und besonders gestresst. Möglich. dass das der Auslöser für diese unfassbare Schreckenstat war.

Schon vor acht Jahren Kind verloren
Ob inzwischen ein Geständnis vorliegt, ist nicht bekannt. Oertle bestätigte aber zu einem Bericht des Zürcher Lokal-TV-Senders «Tele Züri», dass die beiden Eltern vor acht Jahren ein Kind durch plötzlichen Kindstod verloren haben. Jetzt will Oertle die damaligen Umstände vor dem Hintergrund des Tötungsdelikts an den beiden Zwillingen genauer abklären und in seine Untersuchungsarbeit einbeziehen. Der Mann und die Frau hatten gemeinsam mit den beiden Zwillingen in der Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Arn, Gemeindegebiet Horgen ZH, gelebt.

Zwillinge lachten immer
In Horgen löste der Tod der Zwillinge Betroffenheit aus. Es habe überhaupt keine Signale seitens der Eltern gegeben, die auf ein solches Delikt hätten schliessen lassen, sagte Gemeindepräsident Walter Bosshard am Weihnachtstag dem Lokalsender «Tele Züri». Kinder schilderten das Mädchen und den Knaben als aufgestellt. Beide hätten immer gelacht und sich nie gestritten, sagten sie. (AP/SDA/ snx)

«Für mich war alles gut»

Zum ersten Mal äusserte sich jetzt ein Familienmitglied zu den Kindstötungen. Der Grossonkel der erstickten Kinder, Hans B., sagte gegenüber «Tele Züri»: «Für mich ist in dieser Familie immer alles gut gewesen.» Über seinen Neffen, den Vater der Zwillinge, sagte er: «Einen lieberen Menschen kann man sich gar nicht vorstellen.» Auch Hans B. erinnerte sich an den Fall des plötzlichen Kindstods. An jenem Morgen sei der Mann zur Arbeit gefahren. Seine Frau sei dann ins Kinderzimmer gegangen und habe dort das leblose Kind gefunden. Mehr könne er dazu nicht sagen. (snx)
play Die Ermittler informieren voraussichtlich erst nach den Feiertagen genauer über die Geschehnisse in Arn/Horgen. (Keystone)

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