Tödlicher F/A-18-Crash Kaum Schmerzensgeld für die Angehörigen

Kampfpilot David G. (†27) kommt wegen eines Lotsenfehlers ums Leben. Die Familie wird wohl kaum entschädigt.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Frau (19) von hinten angegriffen In der Bahnhofs-Unterführung zu Boden...
2 Zürcher Versicherungs-Chef macht «Plauschfahrt» Mit 174,7 km/h auf der...
3 Grosse Suche auf Facebook Wo ist meine Mutter?

Schweiz

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
0 shares
20 Kommentare
Fehler
Melden

Ein Fluglotse von Skyguide ist wahrscheinlich schuld am Tod von David G. (†27). Er schickte den F/A-18 Piloten auf eine falsche Höhe, worauf die Maschine am Berg zerschellte.

Für die Angehörigen des Piloten bedeutet das Drama unendliches Leid. Auch wenn der seelische Schmerz kaum in Geld aufgewogen werden kann, haben Angehörige in vielen Ländern Anrecht auf finanzielle Entschädigung. Besonders in den USA werden Angehörige regelmässig mit Millionen von Franken entschädigt. 

In der Schweiz gibt es auch Schmerzensgeld, als Entschädigung für erlittene seelische Unbill. Aber: «Generell sind die Genugtuungsleistungen in der Schweiz, nicht nur im Verhältnis zu Amerika sondern auch mit Bezug auf unsere Nachbarländer äusserst bescheiden und vermögen das Unrecht in keiner Weise zu aufzuwiegen», sagt Martin Hablützel von schadenanwaelte.ch zu «Blick».

Vergleichsweise wenig Schmerzensgeld

Die Unterschiede zwischen verschiedenen Ländern haben sich auch bei der Germanwings-Katastrophe vom letzten Jahr gezeigt. Während der Mutterkonzern Lufthansa-Angehörigen von Passagieren aus den USA hohe Schmerzensgelder in Aussicht stellte, wurden den deutschen Angehörigen markant tiefere Beträge im Bereich von mehreren zehntausend Euro angeboten.

Ähnlich wird es im Fall von David G. sein. Anwalt Hablützel rechnet mit einer Genugtuung von 10 000 bis 50 000 Franken je nach Beziehung und Verwandtschaftsgrad. Je nach Familienumständen gibt es zudem eine Witwen- oder eine Halbwaisenrente. Beides zahlt die Militärversicherung.

Die grossen Unterschiede zwischen den Ländern werfen eine bizarre Frage auf: Ist das Leben eines Italieners oder Amerikaners mehr Wert als das eines Schweizers? Natürlich sind unterschiedliche Rechtstraditionen zu respektieren. Nichtsdestotrotz führen diese Diskrepanzen zu merkwürdigen Ergebnissen. 

«Stossende Gesetzeslage»

Einen allfälligen materiellen Schaden – wie zum Beispiel den Ausfall eines Einkommens – kann die Familie von David G. nicht einklagen. Denn aufgrund der Gesetzeslage kann der betroffene Fluglotse nicht finanziell für sein Verfehlen belangt werden

 Und auch eine Staatshaftungsklage gegen Skyguide oder den Bund ist laut Hablützel auch nicht erfolgsversprechend. Deshalb meint der Schadenanwalt: «Die Gesetzeslage in der Schweiz ist diesbezüglich höchst stossend.» Strafrechtlich muss der Lotse jedoch mit Konsequenzen rechnen.

Publiziert am 08.09.2016 | Aktualisiert am 26.10.2016

Unheimliche Serie: Vier Crashs in drei Jahren

Vier Militärjets stürzten seit 2013 aus unterschiedlichen Gründen ab: 23. Oktober 2013 Eine F/A-18 fliegt am Lopper OW in eine Felswand. Ursache: Pilotenfehler. Pilot und Passagier sterben. 14. Oktober 2015 Eine F/A-18 stürzt beim Training in Frankreich ab. Ursache: Das linke Triebwerk war aus unbekannten Gründen ausgefallen. Der Pilot überlebt. 9. Juni 2016 An einer Flugshow stürzt eine Tiger der Patrouille Suisse ab. Der Pilot überlebt. Ursache: unbekannt. 29.August 2016 Eine F/A-18 stürzt ab, Pilot David G. stirbt.

teilen
teilen
0 shares
20 Kommentare
Fehler
Melden

TOP-VIDEOS

20 Kommentare
  • Anna  Rusch 08.09.2016
    Die Millionenklagen und Entschädigungen in den USA entbehren jeder Vernunft wie so manches! Dass die Opferhilfe Schweiz mal für zwei ledige, junge Geschwister, die in Italien durch einen von einem Schweizer verursachten Auffahrunfall den Tod fanden, die ital. Eltern die damals noch in der Schweiz lebten mit je 1 Mio. entschädigten, fand ich auch masslos! Es ist eine Tragödie, doch wenn keine Partner oder Minderjährige zurück bleiben, sollten Entschädigungen im Masse ausbezahlt werden.
  • Peter  Brunner 08.09.2016
    Mit Schmerzensgeld kann die Schweiz halt nicht im Ausland brillieren. Mit Millionen und Abermillionen welche ins Ausland fliessen (und dort nie an die richtigen Menschen gelangen) aber schon. Einfach traurig sowas.
  • peter  schneiter 08.09.2016
    Wie ist denn bei einem Verkehrsunfall, der nicht selbst verschuldet ist? Da zahlt meiner Ansicht die Haftpflicht des Schuldigen, oder bin ich da falsch?
  • Lucio Silva  Safnanno aus San Vito Lo Capo
    08.09.2016
    Jetzt wo die Entschaedigungssummen bekannt sind wird wohl der eine oder andere Kampfjetpilot seinen Job an den Nagel haengen.
  • Philipp  Bloecker 08.09.2016
    «Besonders in den USA werden Angehörige regelmässig mit Millionen von Franken entschädigt.»
    – Hehehe. Wäre ich mir nicht so sicher. Aber die Leserschaft wird durch die Nennung der US-Währung sicher nicht überfordert.