Jean-Pierre Grin rammt mit seinem Traktor einen Minivan und tötet dessen Fahrer Todes-Drama um SVP-Nationalrat

Alles ging so schnell. «Ich schaute nach links, nach rechts, wieder nach links. Dann war das Auto ganz plötzlich vor mir», sagt Jean-Pierre Grin (65).

  • Publiziert: 30.07.2012
  • Von Mark Walther

Der tödliche Unfall passiert am Samstagmorgen. Der SVP-Nationalrat und Bauer aus Pomy VD zieht mit seinem Fendt-Traktor einen gefüllten Heulader zurück auf den Hof.

«Ich kenne die Kreuzung. Sie liegt am Dorfrand, ich fahre da fast jeden Tag durch», sagt Grin. «Ich habe ihn einfach nicht gesehen. Er muss aus dem toten Winkel gekommen sein. Der Wegweiser muss ihn verdeckt haben.»

Das Mähwerk, das Grin vorne am Fendt montiert hat, ragt in die Strasse. Erwischt den schwarzen Mercedes-Minivan hinten rechts. Das Auto überschlägt sich, rutscht zehn Meter weit. Bleibt auf dem Dach liegen. Der Lenker, ein Bos­nier (48), ist nicht angeschnallt. Schlägt auf dem Asphalt auf.

Er ist sofort tot

Grins Hof, gestern gegen Mittag: BLICK klopft beim Politiker an, seine Frau bittet die Besucher in die Stube. Grin ist eben aus Yverdon VD zurückgekehrt. «Ich habe die Angehörigen des Autofahrers besucht. Seine Frau, seine beiden Söhne. Es war sehr emotional. Wahnsinnig traurig. Ich versuchte, der Familie zu erklären, was sich abgespielt hatte. Ich versuchte, ihren Schmerz zu lindern.»

Grin spricht gefasst, bedacht. «Sie machen mir keine Vorwürfe. Der Mann war nicht angegurtet. Sonst wäre er wahrscheinlich noch am Leben.»

Er habe schlecht geschlafen in der Nacht auf gestern, sagt Grin. «Der Unfall beschäftigt mich. Es ist schwierig. Wahrscheinlich wollte es das Schicksal so. Aber ich muss irgendwie in den Alltag zurückfinden.» Dann zeigt der SVP-Nationalrat den Unfall-Mäher. Er hat eine Delle. Erst auf den zweiten Blick sieht man, dass der Lack gelitten hat. Grin hat die Stelle bereits wieder lindgrün übermalt.

«Wissen Sie, schon vor etwa 20 Jahren war ich in einen Unfall verwickelt», sagt er dann. «Ein Kind starb. Ein Sechsjähriges. Ich bin mit meinem Traktor rückwärts gefahren. Es war schwer, das zu verarbeiten. Und jetzt dieser Unfall. Es muss Schicksal gewesen sein.»

Beliebteste Kommentare

  • Theres  Wüthrich
    das tut mir für alle sehr leid, für den Bauern, wie für die Angehörigen
  • fritz peter  friedli , utzenstorf
    Diese Geschichte von NR- Grin ist schwer zu tragen. Wünsche ihm und der Familie des verstorbenen viel Kraft um mit diesem Schicksal leben zu können.

Alle Kommentare (11)

  • Manfred  Schiess , Werdenberg
    Was ist denn hier los? Der Bauer, der einen Menschen getötet hat erhält Beileidsbezeugungen? Der Fakt ist, dass der Herr SVP Nationalrat zum zweiten Mal einen Menscheh getötet hat. Stellt euch die Kommentare vor, die Situation wäre umgekehrt, der Tote Bauer und der Fahrer Kosovare. Ihr Leute seid doch echt krank.
  • Rudolf  Kunoya , via Facebook
    Hinter Dachpfosten von Autos und Traktoren können sich ganze Autobusse verstecken. Ist mir schon passiert - der Buschauffeur hat aber angehalten. Seit diesem Schreck schaue ich nicht nur nach links, vorne, hinten und rechts sondern habe gelernt auch den Kopf jeweils noch zu verschieben, um um die blöden Pfosten herumzusehen. Das Schicksal der Bosnierfamilie und des Traktorfahrers stimmen mich traurig. So wenig braucht es.
    • 30.07.2012
    • 11
    • 0
  • Sandro  Antognazzi , Niederuzwil
    Was hat das mit der SVP zu tun? Ist ja kein politischer Unfall, somit verstehe ich den Zusammenhang nicht ganz. Tragisch dennoch, wünsche den Beteiligten viel Kraft!
    • 30.07.2012
    • 34
    • 5
    • Köbi  Karrer
      Leben Sie auf einem anderen Planeten? Sonst sollten Sie eigentlich schon gemerkt haben, dass bei uns jeder "Unfall", an dem ein SVPler beteiligt ist, ein "politischer Unfall" ist!
      • 30.07.2012
      • als Kommentar auf Sandro  Antognazzi , Niederuzwil
      • 13
      • 6
  • Pierre-André  Bertholet , Aarau
    Die Bauern geniessen, was die Landwirtschaftliche Maschinen und deren Bedienung anbelangt, Sonderrechte, leider aber keine Sonder- pflichten! Die Fahr-Bewilligung um solche Schwere und Gross-dimensionierten Geräte ist sehr leicht zu erhalten! Darum: wann ich solche Fuhre sichte, bremse ich sofort und stelle sicher das der Lenker/in sich korrekt verhalten wird. Was den Toten-Fall anbelangt: Sehr tragisch, aber teilweise mitschuldig, wann der Fahrer der Minivan keine Gurte trug.
  • Christian  Dürig , Bern
    Das wars. Wir müssen mit den Ereignissen zurecht kommen. Die Richter helfen uns dabei. Ich bedaure das grosse Leid.
    • 30.07.2012
    • 10
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