Ich stehle nicht – Ich trinke nicht – Ich schaue keine Pornos Zivilschutz-Vize: «Wieso bin ich gefeuert?»

  • Aktualisiert am 02.03.2010
  • Von Myrte Müller

Der Zivilschutz-Vize aus Bellinzona, Marco Ottini, steckt seine fristlose Entlassung nicht weg.

Seit 25 Jahren war der Tessiner beim Zivilschutz in Bellinzona. «Ich habe es bis zum Vize, zum Katastrophendienstchef und Ausbildungsleiter gebracht», zählt Marco Ottini (51) auf. «Und jetzt das!»

Am Montag vergangener Woche um elf wird Ottini in den Konferenzsaal zitiert. «Da sassen sie alle. Der Kommandant und die siebenköpfige Delegation des Konsortiums», schildert Ottini. «Der Delegationspräsident Stefano Mossi teilte mir mit, ich sei fristlos entlassen.»

Die Begründung: Ottini habe 22 Prozent seiner Dienstzeit mit Fremdtätigkeiten am Computer vertan. «Totale Übertreibung!», klagt der Gefeuerte. «Für mich bedeutet der Rausschmiss: ab sofort kein Gehalt mehr, keine Sozialversicherung und ein beruflicher Ruin.»

Ottini ist empört. «Kaum war ich aus der Tür, da wurde auch schon die Tessiner Presse über meine Kündigung informiert. Ich kam mir vor wie ein Schwerverbrecher auf einer öffentlichen Hinrichtung. Was habe ich denn getan? Ich stehle nicht. Ich trinke nicht, nehme keine Drogen. Ich schaue keine Pornos.»

Doch der FDP-Politiker gibt auch zu: «Es stimmt, ich habe im Dienst privat E-Mails verschickt und schon mal was vom Internet runtergeladen. Dafür sind höchstens 9 Prozent meiner Arbeitszeit draufgegangen. Meistens arbeite ich eh draussen.»

Der Tessiner beteuert: «Ich mache meinen Job gut, habe 20 Fortbildungskurse besucht. Niemand hat sich je beschwert. Was da passiert, ist Mobbing. Jemand will mich ruinieren.»

Sein Eifer wird dem Zivilschutz-Vize zum Verhängnis. Seit Mai 2008 ist Marco Ottini Exekutiv-Mitglied der Tessiner Hauptstadt. Als Beauftragter für Gesundheit und Soziales kümmert sich der Freisinnige um Altersheime und Kindergärten. Zudem koordiniert er die Sicherheit bei den Fussballspielen des AC Bellinzona. «Klar, da habe ich schon mal im Dienst mit dem einen oder anderen korrespondiert.»

Die Ehrenämter ärgern den Chef. Im Juni beauftragt er eine italienische Internet-Detektei. Die installiert an Ottinis PC eine Spyware. «Eine hinterhältige Falle», sagt Ottini. Der Bellinzoneser Politiker hat Rekurs gegen die Kündigung eingelegt.

Beamter und Politiker – geht das?

Darf der Zivilschutz-Vize Marco Ottini aus Bellinzona gleichzeitig Beamter und Exekutiv-Mitglied der Stadt sein? Er darf. Der Grund: Der Zivilschutz in Bellinzona ist keine städtische, sondern eine regionale Behörde. Als Vizekommandant war Ottini zuständig für 16 Gemeinden in der Region Bellinzona. Dank dieser Regelung sass der FDP-Politiker ab 1998 zehn Jahre lang im Stadtparlament von Bellinzona, bevor er im Mai 2008 in den Stadtrat gewählt wurde.

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