Neonazi Kim S. (26) wollte Punk-Konzert in die Luft jagen «Es hätte Tote gegeben!»

BELLINZONA TI - Am 4. August 2007 legt der Attentäter Sprengsatz an die Musikanlage einer Punkrock-Band, die in der Berner Reitschule auftrat. Die Bombe wurde entdeckt, ein Blutbad bei den 1500 Gästen verhindert. Seine Gesinnung habe sich gewandelt, sagte der Seeländer Kim S. heute vor Gericht.

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Es hätte eine Feuersbrunst werden sollen. Über 1500 Besucher drängen sich am 4. August 2007 zum Punkrock-Konzert ins Berner Kulturzentrum Reitschule. Kurz vor Mitternacht deponiert Kim S. (26) einen schwarzen Rucksack unter das Mischpult der Musikanlage. Minuten später zündet er aus sicherer Entfernung die selbstgebastelte Bombe.

Was der Neo-Nazi aus dem Berner Seeland nicht weiss: Der Gestank nach Benzin verrät den Rucksack. Der Sicherheitsdienst trägt die Bombe ins Freie, noch bevor die hochgeht. Was Zeugen dann sehen, schockt. Der Detonation folgt ein fünf Meter hoher Feuerball! Nicht auszudenken das Inferno in der Halle, wenn der teuflische Plan des Neo-Nazis gelungen wäre. 

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Heute steht Kim S. vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona - über neun Jahre nach der Tat. Grund: Der Seeländer wurde erst 2010 gefasst. Er verkehrte damals in Neonazi-Kreisen.  Als er einen Waffenerwerbsschein beantragt, durchsuchen Beamte seine Wohnung und finden ein Waffenarsenal sowie Bastel-Sets zum Bau eines Sprengkörpers.

Jetzt hat der frühere Skinhead lange Haare

Um 11 Uhr beginnt der Prozess: Der Angeklagte sieht zumindest frisurentechnisch nicht mehr wie ein Neo-Nazi aus. Er trägt jetzt lange, eher ungepflegte Haare. Auf seine T-Shirt ist heute ein Pandabärchen statt eines Totenkopfes. «Meine politische Gesinnung hat sich gewandelt, sagt Kim S. vor Gericht. Er sei unpolitisch geworden. Der Militärdienst bis im Jahr 2009 habe ihm geholfen, sich von der rechten Szene zu distanzieren.

Der Anwalt des Privatklägers will ihm das aber nicht so recht glauben. Er weist auf SMS hin, die der Angeklagte noch nach 2009 an einen polnischen Nationalisten geschrieben habe: «Blut und Ehre!», sei die Grussformel gewesen. «Heil Hugo!», habe S. in einer anderen Kurznachricht einen Kollegen angesprochen.

Im Rucksack waren benzingefüllte PET-Flaschen

Dass der selbstständige Mikromechaniker noch Ende 2009 Anleitungen für Rohrbomben besass, erklärt er mit seiner Vergesslichkeit: «Ich habs halt einfach nicht sofort entsorgt.»

Gestritten wurde heute auch über den Straftatbestand: Während der Privatkläger von versuchter Körperverletzung oder Tötung ausgeht, spricht der Staatsanwalt nur von Sachbeschädigung. Der Angeklagte habe zumindest keine Opfer gezielt vor Augen gehabt, begründet er dies.

Im Rucksack hatte sich eine selbstgebastelte Spreng- und Brandvorrichtung befunden, die unter anderem aus drei mit Benzin gefüllten 1,5-Liter-PET-Flaschen bestand.

«Es hätte Tote gegeben», sagte heute auch der Rechtsanwalt des Security-Mannes, der als Privatkläger am Prozess teilnimmt.

Der Seeländer Neonazi muss sich wegen Gefährdung durch Sprengstoffe in verbrecherischer Absicht, versuchte Sachbeschädigung und versuchte Brandstiftung verantworten. Das Urteil folgt am 18. Februar. 

Publiziert am 17.02.2016 | Aktualisiert am 08.03.2016
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  • Roman  Bachmair aus Naters
    18.02.2016
    Nun kann man ja wieder auf die Verhältnismässigkeit zu sprechen kommen: Beim Unfall in Schönenwerd hat es Tote gegeben, der Täter läuft frei herum und wird "leider" nicht einmal ausgewiesen.

    Nun muss man nicht einen auf Drama machen, auch wenn man die Tat als solches nicht relativieren darf. Trotzdem hat es keine Toten gegeben und die Betreiber der Reithalle sollen zudem einmal halblang machen. Mit ihren Steine werfenden Chaoten "könnte" es auch immer wieder Tote geben.

    Das einmal zum Thema.
    • Marion   Jost aus Schönenwerd
      18.02.2016
      Total blöder Vergleich, von Rechtslage haben sie wenig Ahnung!! Schönenwerd war es dumme Raserei eines vermutlich sich überschätzenden jungen Mannes, davon gibt es sehr viele in der Schweiz, und es gibt jährlich hunderte Verkehrstote, was ich nicht entschuldigen will, ist aber einfach was anderes! Der Neo-Nazi hat eine Bombe gebaut, das macht man immer mit Absicht und nur ein Zufall führte dazu dass die Bombe gefunden worden ist, deshalb ist das hier ganz klar ein Mordversuch, da geplant!
    • Thomas   Wassmer 18.02.2016
      Sie wollen jetzt allen ernstes einen Bombenanschlag mit einem Unfall bei einem illegalen Rennen vergleichen?
      Das ist echt krank. Das eine geschah weder der Dummheit einiger Menschen. Das andere hingegen wurde gezielt getan um möglichst viele Menschen zu töten.
      Nein, da wird mir einfach nur schlecht bei Menschen wie ihnen.
      Übrigens, ich bin selbst dafür, dass die Raser von Schönenwerd richtig hart bestraft werden.
  • Sascha  Klanke aus Pr. Oldendorf
    18.02.2016
    Nur mal kurz um die Verhältnisse zurechtzurücken: rechte vs. linke Gewalt in Deutschland.
    Todesopfer rechter Gewalt seit 1990:
    lt. Polizeistatistik: 56
    lt. Menschenrechtsorganisationen: 179

    Todesopfer linker Gewalt seit 1968:
    63 belegt, 9 Verdachtsfälle

    Noch Fragen?
    • Thomas   Wassmer 18.02.2016
      Ja, eine.
      Wieso vergleichen Sie Äpfel mit Birnen?
      Die Schweiz ist nicht Deutschland.
  • Marion   Jost aus Schönenwerd
    17.02.2016
    Tja, das zeigt wohin zu stark Rechts führen kann!! Kann sein dass ich es verpasst habe, aber bis heute ist mir kein Fall eines Linken (auch linksautonom) bekannt, der je sowas geplant hat!!! Rechst schürt einfach Hass auf andere und führt zu Gewalt, das hat uns die Geschichte gelehrt!! Also bei der ganzen Ausländerthematik etwas differenzierter sein, sich nicht immer gleich von einer Seite her Aufhetzen lassen, das schadet nur!
    • Hans  Grüter 17.02.2016
      Ja, Sie haben sehr viel verpasst: Briefbombenanschlag auf swissnuclear, geplanter Bombenanschlag auf IBM-Forschungszentrum, Chalet von Daniel Vasella abgefackelt und das Familiengrab geschändet, Hans Fehr zusammengeschlagen, Sachbeschädigungen und Schmierereien am Wohnort von mehreren SVP-Politikern, unzählige bewilligte und unbewilligte Demos mit Sachbeschädigungen und vielen verletzten Polizisten, Brandstiftung vor dem Bundesstrafgericht, Autos von Politikern oder der Polizei angezündet usw.
    • Rolf  Gurtner aus Münsingen
      17.02.2016
      @Jost: Ach kommen Sie. Es gibt auf beiden Seiten heillose Schwachköpfe. Bezüglich der unnötigen Gewalt gerade aus der Berner Szene ist es schlicht ein Wunder, dass noch keiner die Waffe ergriffen und auf die randalierenden Chaoten geschossen hat. Aber auch dies werden wir wohl noch erleben. Die schaffen das...
    • Gian  Schumacher aus Köniz
      17.02.2016
      wenn man einseitig orientiert sein will, dann weiss man das nicht! Marco Camenisch hat einen Zollbeamten getötet und ruft dazu auf weitere umzubringen. Linksextreme Webpages rufen zur Gewalt gegen unsere Gesellschaft auf. Die Bändli- Bande in der Schweiz plante Sprengstoffanschläge und führte Todeslisten. Und in Bern werden regelmässig Polizisten angegriffen. Sie haben wirklich etwas verpasst. Vielleicht wollen sie das ja auch.
    • Marion   Jost aus Schönenwerd
      18.02.2016
      Die Beispiele hier unten zeigen aber etwas wesentliches und darauf wollte ich eigentlich hinaus: diese genannten Anschläge waren meistens gegen Firmen oder eine spezielle Person, es ist ein Protest gegen das Establishment, was ich natürlich auch nicht richtig finde wie es gemacht wird, der Neo-Nazi hat aber mit der Bombe ganz klar unschuldige Leute ins Visier genommen, Menschen mit unterschiedlichen Leben und Gesinnungen, bei dem hier ging es nur ums töten und nicht um eine Botschaft!!
    • Marion   Jost aus Schönenwerd
      18.02.2016
      Die Herren: natürlich habe ich diese Fälle mitbekommen, jedoch wurden diese nicht explizit auf die Gesinnung bezogen, bei Camenisch kann ich mich nicht erinnern dass man darauf hingewiesen hätte.... Und nein, ich informiere mich nicht einseitig, nur werfe ich linksautonome Chaoten nicht in den gleichen Topf wie einer der gezielt eine Bombe baut und damit über hundert Menschen töten will, oder packen Sie die Attentäter vom Bataclan auch da hinein?
  • rolf  sulzer 17.02.2016
    j2010 verhaftet, dann folgt eine 5! jährige "Gericht-Brutzeit" und jetzt ist die Eierschale weg und nun wird ihm in den nächsten Monaten klar gemacht was er zu erwarten hat - Urteil. Dann wird der von Steuerzahlern bezahlte Pflichtverteidiger das Urteil weiter ziehen, so verdient er auch weiter, so lange bis dann Schluss ist. Als nicht CH-Bürger würde er dann nach der erfolgten Therapie-Versuch würde eine Ausschaffung ins Auge gefasst.
    • Marco  Weber 17.02.2016
      Wiso Pflichtverteidiger? Wird wohl aber ein CH-Bürger sein oder nicht?
  • Marc  Zingg 17.02.2016
    Ich bin dafür, dass der Typ ausgeschafft wird...
    • Marion   Jost aus Schönenwerd
      17.02.2016
    • Marc  Zingg 17.02.2016
      @Marion Jost: Das ist sarkastisch gemeint... ;)
    • Michael  Thommen 18.02.2016
      @Zingg: und was bitte soll daran lustig sein?
    • Marc  Zingg 18.02.2016
      @Michael Thommen: Sarkasmus ist bitter böser Humor, der muss nicht immer Lustig im eigentlichen Sinn sein. Aber Humor ist Ansichtssache und das ist auch gut so.
    • Marion   Jost aus Schönenwerd
      18.02.2016
      Herr Zingg: Dafür dass Sie Sarkasmus benutzen erkenne Sie eine ironische Antwort darauf aber schlecht!!!
    • Thomas   Wassmer 18.02.2016
      @Marc Zingg: nicht wundern. Viele Schweizer haben eine Allergie gegen Zynismus, Sarkasmus und Ironie.
      Vor allem wenn man sich auf Kosten gewisser Politiker über etwas lustig macht.
      Ich hätte aber eher dafür plädiert, dass ihm der Schweizerpass anerkannt wird, damit man ihm nachher die benötigte Aufarbeitung für seine schwere Kindheit bekommt. :)
    • Marc  Zingg 18.02.2016
      @Marion Jost: Touché