Mutter klagt nach Steinschlag gegen die Gemeinde Caslano TI «Ich will 6,5 Mio für meinen behinderten Sohn»

CASLANO TI - Michael Sanchez Poletti (17) wurde Opfer eines Steinschlags und ist seit dem Unfall schwerstbehindert.

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Ein kurzer Moment ändert das Leben der ganzen Familie. Am 23. Februar 2014 wandert der damals 15-jährige Michael Poletti aus Massagno TI auf einer Tour am Monte Sassalto, einem Ausflugsgebiet mit Kletterwand. Der 1,90 Meter grosse Basketballspieler läuft einen Hang hinunter. Seine Kollegen folgen. Einer löst einen Steinschlag aus. Ein Brocken von gut einem halben Meter Durchmesser kommt ins Rollen. 

«Er traf meinen Sohn am ­Rücken», sagt Manuela Poletti (56). Michael stürzt zwanzig Meter in die Tiefe, fällt aufs ­Gesicht. «Er hatte schwere Schädelverletzungen und wurde in zwei Tagen dreimal operiert.»

Es folgen lange Wochen auf der Intensivstation und Monate in der Reha. Seitdem ist Michael schwerstbehindert. «Er ist an den Rollstuhl gefesselt, kann nicht sprechen, nicht richtig greifen», sagt seine Mutter. Ihren Job als Sekretärin gab sie auf, weil Michael rund um die Uhr betreut werden muss. Sein Bruder Stefano (32) zog wieder ins Haus, um mit anzupacken, und drei Pfleger wechseln sich im Turnus mit der Betreuung ab. Das alles kostet enorm viel Geld. 

«Ohne Hilfe privater Stiftungen und meiner Eltern könnten wir es gar nicht schaffen», sagt Manuela ­Poletti. Sie ist überzeugt, dass die Gemeinde Caslano schuld ist am Unglück und klagt auf 6,5 Millionen Franken Schadenersatz. Der Unfall passierte auf einem alten Wanderpfad unterhalb der Kletterwand. «Die Gemeinde wusste, dass die Gegend gefährlich ist», sagt die Mutter. «Sie gilt geologisch als rote Zone, hat aber keine Warnschilder. In Reiseführern wird das Ausflugsziel sogar noch angepriesen.» Und niemand habe je nach dem Befinden des Unfallopfers gefragt. Kein Brief, kein Anruf, kein ­Lösungsvorschlag.

Poletti hofft, dass die Versicherung der Gemeinde einlenkt: «Michael ist erst 17 und hat noch sein ganzes Leben vor sich. Ich werde eines Tages nicht mehr da sein. Wir müssen auch finanziell vorsorgen.»

Die Gemeinde Caslano weist jede Verantwortung von sich. «Was dem Burschen passiert ist, tut uns wirklich leid», sagt Gemeindepräsident Emilio Taiana (53). «Doch wir tragen keine Schuld daran.» Für ihn steht fest: Michael und seine Freunde waren nicht auf einem ausgewiesenen Wanderpfad unterwegs, sondern bewegten sich querfeldein. Auf eigene Gefahr.

Publiziert am 11.10.2016 | Aktualisiert am 29.10.2016
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  • Morgan  Schwab aus Bülach
    12.10.2016
    Kletterer und Geologen tragen genau aus diesem Grund einen Helm = Steinschlag. Zudem informiert man sich vorher über das Gebiet genau. Sorry, aber so wurde es mir beigebracht - man informiert sich vorher über das Gebiet und dessen möglichen Gefahren. Steinschlag ist in den Bergen einer dieser Gefahren. Warum eigentlich wird das Kindern und Jugendlichen nicht mehr beigebracht ? Mein Grossvater brachte mir bei, dass man in den Bergen aufpassen muss ! Trotzdem auch hier mein Mitgefühl dafür !
  • Jürg  Brechbühl aus Eggiwil
    11.10.2016
    Zuerst, vor meinem Besserwisserkommentar: Ich habe allen Respekt vor dem Schicksal des Jungen. Ich war selber viele Monate als Hirnverletzter in der Reha und habe ähnlich schlimm verletzte Patienten kennengelernt.
    Die Frage ist nun, ob der Junge eine UVG Versicherung hat und falls ja, warum die nicht zahlt. Ausserdem, falls jemand haftpflichtig ist, dann der Kumpel, der einen Stein lostrat. Im ganzen sind es elementare Sicherheitsregeln im Gelände, die von vielen Wanderern missachtet werden.
  • Rex  Schweizer 11.10.2016
    Wer in den Bergen unterwegs ist, muss mit allem Rechnen egal ob davor gewarnt wird oder nicht. Hier ist wenn überhaupt der Auslöser Schuld. Aber Steinschlag kann überall passieren. Es tut mir leid für den Sohn und die Mutter, aber vor Schicksalschlägen ist niemand sicher. Darum ist hier diese Klage nicht angebracht und USA Verhältnisse brauchen wir nicht.
  • Urs  Hagen 11.10.2016
    In den Bergen braucht es keine Warnschilder, da kann es jederzeit einen Felssturz oder eine Lawine geben, wer bergwandert muss sich selber ein Bild von der Route machen. Wäre es ein Bachbett welches oben künstlich gestaut, ist würden Tafeln vor Hochwasser warnen. Da der Kollege Verursacher des Steischlags war ist seine Haftpflicht in der Pflicht, die wird dann feststellen ob sich beide angepasst in diesem Gebiet bewegt haben oder nicht. Man findet nicht immer einen Geldgeber für den Schaden.
  • Stefan  Buttliger 11.10.2016
    Exgüsé...
    Traurig, was dem Jungen geschah - doch die Dame sagt es selber:
    das war ein Unfall im Übermut - passiert jeden Tag, überall...
    Manchmal wird die Technik über- und oft wird die Natur unterschätzt!
    Dass jedoch die Umwelt schuld an allem und jedem sein soll, ist abwegig - ansonsten man das Haus nicht mehr verlassen darf - geschweige denn, eine Wanderung in den Bergen zu unternehmen...
    So traurig es klingt: die Unachtsamkeit eines Dritten, kann man nicht von der Allgemeinheit einklagen...