
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Schon in den frühen Morgenstunden geht die Suche los. 15 Beamte der Tessiner Spurensicherung treffen ein. Unterstützt werden sie von einer Mailänder Spürhundestaffel, von Bergspezialisten und Kollegen aus Schwyz.
Der deutsche Jagdhund, der Golden Retriever und der Labrador sind auf Menschenknochen abgerichtet.
. Auf einem abschüssigen, 300 Quadratmeter grossen Waldstück oberhalb des Campingplatzes von Sessa TI tragen die Fahnder alles zusammen: Teile des Brustkorbes, einen Schädel und Kleidungsstücke, darunter einen Büstenhalter.
Die Knochen gehören zu einer Frau, berichtet die Tessiner Nachrichtensendung «Il Quotidiano». Jung, zierlich. Wie die 17-jährige Boi Ngoc Nguyen aus Schwyz. Die Lehrtochter wird seit dem 7. August 2009 vermisst.
An jenem Freitag verliess Boi frühmorgens ihr Elternhaus. Ihrem Vater sagte sie, sie gehe nach Zürich in den Lehrbetrieb. Später kam aus, dass sie an diesem Tag frei hatte. Stattdessen scheint Boi den Zug ins Tessin genommen zu haben.
Die Polizei ortete in Lugano ihr Handy, das plötzlich verstummte. Bois Spur endete in Sessa TI. Dort wurde sie am 10. August in der Nähe des Campingplatzes gesehen. Ein schwarz gekleideter Mann begleitete sie. Bis heute ist er nicht identifiziert.
Die Vermutung, dass es sich bei der Toten im Wald um das vermisste vietnamesische Mädchen handelt, erhärtet sich langsam. Und die Angst der Familie wächst. «Wir haben die Nachricht mit Bestürzung aufgenommen», sagt Bois Bruder Hung (29).
Der junge Mann will am Wochenende anreisen, um sich an der Spurensuche zu beteiligen. «Ich möchte unbedingt wissen, was passiert ist, wo es passiert ist. Die ganze Wahrheit.» Bange fragt er, ob im Tessin viele Morde geschehen.
Dass seine Schwester Boi die Tote ist, wollen die Ermittler jedoch nicht bestätigen. «Noch können wir die Leiche nicht identifizieren», sagt Emilio Scossa-Baggi, «doch wir haben jetzt umfangreiches Material. Bald werden wir wissen, wer sie ist.»
Auch ob die Tote das Opfer eines Gewaltverbrechens ist, will der Chef der Tessiner Spurensicherung bald untersucht haben.
Bleibt eine kleine Hoffnung für die Familie der vermissten Boi: Der Wald von Sessa ist Grenzgebiet und wurde schon oft Zufluchtsort von Menschen aus Italien, die dort Selbstmord begingen.
Vielleicht ist die Tote ja doch eine andere Frau.