Skelettfund im Tessin Ist es die vermisste Boi?

  • Aktualisiert am 03.01.2012
  • Von Myrte Müller

SESSA TI - Die Knochen im Wald von Sessa. Jeder, der Boi sucht, denkt sofort an die Lehrtochter aus Schwyz, die spurlos verschwand.

Wer auf die 17-jährige Boi wartet, hält den Atem an. In einem steilen, unwegsamen Waldstück von Sessa TI hat ein Wanderer Skelettteile gefunden.

Menschenknochen, verstreut auf dem mit Laub bedeckten Boden. Der Wanderer alarmiert die Polizei. Die Spurensicherung stellt fest: Die Leiche liegt seit einem Jahr da, vielleicht weniger. Die bange Frage: Ist es die seit zehn Monaten vermisste Lehrtochter Boi Ngoc Nguyen?

Das Mädchen verliess am frühen Morgen des 7. August 2009 ihr Elternhaus in Schwyz. Sie wollte nach Zürich, die Umgebung ihres Lehrbetriebs erkunden, sagte sie dem Vater. Wenige Tage zuvor hatte sie dort ihre Stifti bei Musik Hug angetreten. Einer Kollegin aber vertraute sie an: «Ich fahre ins Tessin.»

Als Boi am Abend nicht heimkehrte, begann die Suche. Die Schwyzer Polizei ortete ihr Handy im Tessin – das letzte Signal kam aus Lugano.

BLICK berichtete über Bois Verschwinden. Sogar die italienische Version von «Aktenzeichen XY ungelöst» nahm den Fall aus der Schweiz ins TV-Programm. Zeugen meldeten sich. Die Hinweise führten nach Ponte Tresa. Und Sessa. Auf dem dortigen Campingplatz wollte eine Angestellte die junge Vietnamesin in Begleitung eines schwarz gekleideten Mannes gesehen haben.

Gerade dort, an der grünen Grenze zu Italien verlor sich Bois Spur drei Tage nach ihrem Verschwinden. Und gerade dort, an einem steilen Waldstück hat der Wanderer vor einer Woche die Skelettteile gefunden.

«Die Identifizierung ist schwierig. Wir wissen noch nicht einmal, ob die Knochen zu einem Mann oder einer Frau gehören», sagt der Chef der Tessiner Spurensicherung Emilio Scossa-Baggi. «Sie sind im Gelände verteilt. Vielleicht von Wildtieren verschleppt. Wir müssen nun die Ergebnisse der Rechtsmedizin abwarten.»

Auch die Tessiner Kriminalpolizei denkt sofort an Boi Ngoc Nguyen. Und informiert die Schwyzer Kollegen gleich nach dem Skelettfund. «Wir haben sofort zwei Ermittlungsbeamte ins Tessin geschickt. Sie haben sich dort umgesehen und ihre Mithilfe angeboten. Auch Bois Familie ist schon informiert», sagt Florian Grossmann.

Der Sprecher der Kapo Schwyz fügt beklommen hinzu: «Natürlich hoffen wir von ganzem Herzen, dass es sich bei der Leiche nicht um Boi handelt. Nach so vielen Monaten des Suchens geht es einem an die Nieren.»

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