Fehlende Beweise Hells-Angels-Prozess in Bellinzona vertagt

  • Publiziert: 17.10.2011, Aktualisiert: 03.01.2012

BELLINZONA - Der Prozess gegen drei Zürcher Hells Angels und ihren Ex-Präsidenten vor dem Bundesgericht in Bellinzona ist vertagt worden. Am Morgen attackierte der Rocker-Anwalt eine heftige Attacke gegen die Ankläger.

Die Prozess gegen drei Zürcher Hells Angels und ihren Ex-Präsidenten Serge Blondin vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona ist heute Nachmittag auf den 21. November vertagt worden. Grund: Die Beweismittel wurden nicht vollständig und in nicht nachvollziehbarer Ordnung eingereicht.

Die Bundesanwaltschaft (BA) wird vom Gericht aufgefordert, dies bis zum Termin im November nachzuholen. Bei den fraglichen Beweisen geht es um Aufnahmen von Telefonabhörungen und Raumüberwachungen, auf welche die BA ihre Vorwürfe gegen die vier Beschuldigten hauptsächlich stützt.

Neben der Ergänzung und Neuordnung wird die BA aufgefordert, die fraglichen Aufnahmen in einem Format abzuspeichern, das allen Beteiligten eine problemlose Sichtung ermöglicht. Zudem hat sie ein chronologisches Verzeichnis zu erstellen, das ein Auffinden einzelner Aufnahmen im umfangreichen Datenmaterial erleichtert.

Landmann mit Frontalangriff auf BA

Die Anwälte der angeklagten Hells Angels haben der Bundeswaltschaft heute Morgen vorgeworfen, ihre Anklage auf illegal beschaffte Beweise zu stützen. Sie fordern die sofortige Verfahrenseinstellung oder Freisprüche für ihre Mandanten.

Verteidiger Valentin Landmann startete in den Prozess vor Bundesstrafgericht mit einem Frontalangriff auf die Bundesanwaltschaft (BA). Für die Überwachungsmassnahmen in dem ursprünglich wegen organisierter Kriminalität geführten Verfahren habe kein ausreichender Anfangsverdacht gestanden.

BA auf Fischzug

Die BA habe vielmehr eine «Fishing-Expedition» gestartet und bei der Suche nach Straftaten der Hells Angels ihre Netze auf gut Glück ausgeworfen. Personen, die als mögliche Haupttäter oder Komplizen «mitgefangen» worden seien, aber nicht zum Klub gehört hätten, seien laufen gelassen worden.

Total habe die BA 8000 Stunden an heimlich erstellten Bild- und Tonaufnahmen gesammelt. Eine Menge, die für die Verteidigung aus zeitlichen und technischen Gründen gar nicht mehr überschaubar sei. Insgesamt sei davon auszugehen, dass die BA die Beweise für ihre Vorwürfe rechtswidrig erlangt habe.

Wo ist Beweismaterial?

Der Prozess sei deshalb bereits in diesem frühen Stadium mit einer Verfahrenseinstellung oder Freisprüchen zu beenden. Die BA wies die erhobenen Vorwürfe von sich. Das Gericht wird als nächstes über den Antrag der Verteidigung entscheiden müssen.

Einige Verwirrung herrschte am Ende des ersten Prozessmorgens schliesslich in Bezug auf die Frage, wo sich Teile des von der BA gesammelten Beweismaterials heute überhaupt befindet.

Die BA wirft den vier Beschuldigten qualifizierte Drogendelikte, versuchte Erpressung, versuchte Freiheitsberaubung und Entführung sowie Vorbereitungen zu einem Raub vor. Hauptangeschuldigter ist der frühere Präsident des Hells Angels MC Zürich, der mittlerweile nicht mehr dem Motorradklub angehört. Unterstützung von Klubkollegen. (SDA)