
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Die Zeit heilt keine Wunden in der Via Cantonale von Lamone TI. Zwei Jahre und drei Monate nach dem Tod ihres Sohnes Giuseppe (31) tragen Rosario (61) und Teresa Fera (60) noch immer Schwarz. Die Mutter erholt sich nur mühsam von einem Hirnleiden. Der Vater, Bodenleger, ist 2010 in Frührente geschickt worden.
«Uns hat der Mord an GiuGiù seelisch und körperlich kaputtgemacht», sagt er unter Tränen. «GiuGiù war so ein wundervoller Junge. Gut erzogen. Hilfsbereit. Liebenswürdig. Warum wurde er uns genommen?» GiuGiùs Schwester Nunzia (29) ergänzt: «Unsere Lebensfreude ist wie erloschen. Auch wenn wir lachen, fröhlich sind wir nicht mehr.»
«Wir fühlen uns von der Tessiner Justiz verhöhnt»
Es ist nicht nur die Trauer, die zermürbt. «Wir fühlen uns von der Tessiner Justiz verhöhnt», erklärt Rosario Fera. «Der Richter verurteilt GiuGiùs Mörder zu lächerlichen 27 Monaten Haft. Nach 18 Monaten ist der Mann auf Bewährung frei – wegen guter Führung. Wir erfahren es zufällig aus dem Teletext. Dann heisst es, wir bekämen 85 000 Franken Genugtuung. Von wem denn? Der Mörder ist Italiener. Der ist längst in seiner Heimat abgetaucht. Von diesem Geld sehen wir keinen Rappen. Nicht das schmerzt. Es bringt uns GiuGiù ja nicht zurück. Die Art und Weise, wie mit uns umgegangen wird, wirkt wie eine weitere seelische Ohrfeige.»
Das Schicksal der Familie Fera steckt in einem blauen Aktenordner: Zeitungsartikel. Anwaltskorrespondenz. Gerichtsurteile. Rosario hat sie schon so oft gelesen. Nachvollziehen kann er die Entscheidungen nicht.
Tod nach Schlägen auf den Hinterkopf
Das Leid beginnt in der Nacht zum 29. August 2009. Giuseppe, der Mädchenschwarm, verlässt mit Freunden den Luganeser «Club One». Kurz nach zwei Uhr schliesst sich ein Süditaliener an: Fabio L.* (28), schwere Jugend, langes Vorstrafenregister, seit wenigen Monaten in der Schweiz.
Er kennt GiuGiù nicht. Fragt nach Feuer. Dann schlägt Fabio L. voller Wucht zu, trifft sein Opfer am Hinterkopf. GiuGiù stürzt hart zu Boden. Zwei Tage später stirbt Rosarios Sohn im Spital.
Fahrlässige Tötung, lautet die Urteilsbegründung. Unfassbar für Familie Fera. «Der Mann ist ein Gewalttäter. Das ist bekannt!» In sieben Jahren wurde Fabio L. siebenmal verurteilt. Meist wegen Gewaltdelikten. In Italien schlug er einen Tunesier halb tot, sass wegen versuchten Totschlags im Knast. «Mit solcher Kuscheljustiz kapiert der nichts», empört sich auch Schwester Nunzia, «der wird es immer wieder tun.»
Im Gedenken an GiuGiù sucht seine Familie Trost. Zweimal im Jahr wird Geld gesammelt für die eigens gegründete Stiftung. Zu GiuGiùs Geburtstag und Todestag kommen jeweils Hunderte Freunde. «Das Geld ist nicht für uns, wir spenden es an Notleidende», sagt Rosario Fera, «GiuGiù wäre stolz auf uns.»
*Name bekannt