Amnesty erhebt schwere Vorwürfe im Fall Como Missachtet die Schweiz Rechte von Kindern?

CHIASSO - TI - Viele minderjährige Flüchtlinge werden an der Schweizer Südgrenze nach Italien zurückgewiesen. NGOs kritisieren diese Tatsache und wollen mehr Schutz für die Kinder und Jugendlichen.

Schweiz in Amnesty-Kritik für schlechten Umgang mit Kindern in Como play
Jugendlichen Asylsuchende kennen ihre Rechte nicht. Zwei Drittel von ihnen werden ohne gültige Reisepapiere nach Italien zurückgewiesen. Nur rund ein Drittel wird zum Asylverfahren zugelassen.  KEYSTONE/FRANCESCA AGOSTA

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Italienische und Tessiner Nichtregierungsorganisationen, unter anderem Amnesty International, haben sich heute besorgt gezeigt über die Situation von unbegleiteten Minderjährigen an der Schweizer Südgrenze.

Die Schweiz missachte die Rechte von Kindern und Jugendlichen an der Grenze, sagte Denise Graf, Asylexpertin von Amnesty International Schweiz, am Mittwoch vor den Medien in Chiasso laut Communiqué.

Verstösse gegen UNO-Kinderrechtskonvention

Zahlreiche unbegleitete Minderjährige seien von den Schweizer Behörden an einem Grenzübertritt gehindert worden, obwohl sie nach eigenen Angaben um Schutz ersucht hatten und zu ihren Angehörigen in der Schweiz oder in anderen europäischen Staaten reisen wollten. Dies sei ein Verstoss gegen die UNO-Kinderrechtskonvention.

Eine Delegation von Amnesty International hatte Mitte August die italienische Grenzstadt Como besucht. Sie führte rund 30 Interviews mit Jugendlichen in den Camps um den Bahnhof von Como durch. Amnesty hatte laut eigenen Angaben zudem Einsicht in zahlreiche Dossiers von abgewiesenen Flüchtlingen. Es wurden Gespräche mit Hilfsorganisationen, Freiwilligen und Behördenvertretern geführt.

Diese Befragungen zeigten, dass die jugendlichen Asylsuchenden ihre Rechte nicht kennen. Zwei Drittel von ihnen werden ohne gültige Reisepapiere nach Italien zurückgewiesen. Nur rund ein Drittel werden zum Asylverfahren zugelassen. 

Grenzwachtkorps wehrte sich gegen Kritik

Das Grenzwachtkorps hatte in einer Medienkonferenz gestern bekräftigt, dass alle an der Grenze aufgegriffenen Personen – insbesondere unbegleitete Minderjährige – unter Berücksichtigung internationaler Abkommen und unter Wahrung der Menschenrechte behandelt würden (BLICK berichtete).

Grenzwachtkommandant Mauro Antonini erinnerte aber zugleich daran, dass seine Mitarbeitenden immer wieder mit Missbrauchsfällen konfrontiert seien. «Einige Menschen beantragen beispielsweise erst bei der dritten Einreise in die Schweiz Asyl», sagte Antonini am Dienstag in Mendrisio. Ihm seien auch Fälle bekannt, in denen Menschen die Identität oder das Alter wechselten und im «letzten Moment» vor einem Asylgesuch in der Schweiz Abstand nahmen.

Amnesty forderten nun unter anderem, dass Personen, die an der Schweizer Grenze die Absichtserklärung geben Asyl zu beantragen, für die Einleitung eines Asylverfahrens an das Staatssekretariat für Migration (SEM) weitergeleitet werden – selbst wenn der Asylantrag erst beim zweiten oder dritten Versuch gestellt wird. (SDA/stj)

Publiziert am 31.08.2016 | Aktualisiert am 01.09.2016
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41 Kommentare
  • Christoph  Immoos aus Basel
    02.09.2016
    Mich wundert nicht, dass angebliche Verfehlungen von Kreisen die unserer Sozialindustrie nahestehen kritisiert werden. Wo sind die Interviews mit Direktbetroffen? Minderjährige werden bevorzugt behandelt und es ist logisch, dass möglichst viele unter 18 sein wollen um in den Genuss der Sonderbehandlung zu kommen. 1. Sofortige vorläufige Aufnahme und 2. Familiennachzug einer unkontrollierbaren Anzahl Familienmitglieder. So wird jeder Versuch die Anzahl "Asylbewerber" einzuschränken sabotiert.
  • Werner  Bieinisowitsch aus Sant Jordi
    01.09.2016
    Ich würde Amnesty International mal nahelegen, in der Türkei wegen, erstens, grossen Menschenrechtsverletzungen, zweitens wegen Missachten des Schutzalters für Kinder (Sex mit Kindern nicht mehr strafbar). Nur, dort zu demonstrieren und reklamieren, haben sie zu stark Schiss vor dem ERDOWAHN. Da geht man mit viel weniger Gefahr ans Werk. Und Jugendliche ohne irgendwelche Ausweispapiere werden zu Recht zurückgewiesen.
    • Rüdiger  Simpson aus Züri
      02.09.2016
      Kurz zur Erinnerung bis vor drei Jahren war es in der Schweiz legal als 16 jährige als Prostituierte zu arbeiten...
  • Melissa  Baumann 01.09.2016
    AMNESTY steckt seine Nase überall hinein: Die sagen Australien, der Schweiz, den USA usw., was sie machen müssen, die sagen den Ländern, wie die es machen müssen, nur damit die durch den Tag etwas getan haben. Dann soll Amnesty bei ihren Angestellten dafür sorgen, das jeder von denen 10 Flüchtlinge zu sich nehmen muss. Für was zahlt man bei Amnesty, damit die sagen können/dürfen was wir alle zu machen haben!
  • Ruedi  Greub , via Facebook 01.09.2016
    Laut Schengenvertrag ist Italien zuständig.
    Und Italien verstösst gegen Schengen, da die Aussengrenzen zu wenig geschützt werden.
  • Myla  Senn 01.09.2016
    Vorwürfe von Amnesty International sind mit Vorsicht zu geniessen - ist AI nichts weiteres als eine Propagandaabteilung der US-Regierung.
    • Rüdiger  Simpson aus Züri
      02.09.2016
      Ach so, was Sie alles zu wissen meinen. Bitte nennen Sie doch nur kurz die Quelle für Ihre Behauptung (Hirngespinst zählt im Allgemeinen nicht als Quelle).