Terror-Gefahr SBB gehen auf Nummer sicher

Die Bahn hat sämtliche Züge, Bahnhöfe und Anlagen geschützt. Auch in anderen Branchen steigt das Interesse.

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Die Terroristen des IS schlagen zu, wo sich viele Menschen versammeln. Auch im öffentlichen Verkehr. In der Metro von Brüssel etwa riss ein Attentäter im März 20 Menschen in den Tod.

Die SBB hatten mit zusätzlicher personeller Präsenz an Bahnhöfen reagiert. Was aber, wenn trotz aller Bemühungen etwas passiert? SonntagsBlick weiss: Die SBB sind abgesichert. Mediensprecher Christian Ginsig (44) bestätigt: «Wir verfügen seit Anfang Jahr über eine Terrorversicherung.»

Ter­ror-Haftpflichtversicherung

Schon nach den Anschlägen in Paris vom November war das ein Thema. Man werde prüfen, einzelne Bahnhöfe zu versichern, sagte ein Sprecher zu «20 Minuten». Nun hat man umfassend vorgesorgt. «Sämtliches Rollmaterial und alle Anlagen, Bahnhöfe sowie Gebäude der SBB sind abgedeckt», so Ginsig.

Zum einen handelt es sich um eine Sachversicherung. Zusätzlich hat man sich für eine Ter­ror-Haftpflichtversicherung entschieden. «Zur Deckungssumme und den Prämien geben wir keine weiteren Angaben bekannt», sagt Ginsig. Er betont: «Wir gehen aktuell nicht von einer terroristischen Gefährdung aus, die Sicherheit an Bahnhöfen und in Zügen entspricht der Sicherheitslage im übrigen öffentlichen Raum.»

Nicht nur die Bahn ist entsprechend versichert. Seit einem Jahr hat auch das Zürcher Opernhaus die Abdeckung gegen Terror-Risiken explizit eingeschlossen.  Der Flughafen Zürich hat schon seit 2003 eine Terrorversicherung, genauso der EuroAirport, wie eine Sprecherin bestätigt.

«Alles versichert, was man versichern kann.»

«Wir haben den Bedarf bei uns intern erkannt und sind zurzeit mit unserer Haftpflichtversicherung in Gesprächen», sagt Andrea Roth (32) vom FC Basel. Marc Lüthi (55), CEO des SC Bern: «Wir haben alles versichert, was man versichern kann.»

Das Hallenstadion in Zürich-Oerlikon ist aktuell nur teilweise vor den Folgen von Anschlägen geschützt. «Wir beabsichtigen aber, in den nächsten Monaten die notwendigen Schritte für eine volle Terrorabdeckung zu unternehmen», so Direktor Felix Frei (56).

«Coop analysiert unterschiedlichste Gefahren periodisch. Dazu gehört auch die Terrorgefahr», sagt Sprecher Ramón Gander. «Wo Risiken geortet werden, ist unser Unternehmen durch interne und externe Risikotragung finanziell ausreichend aufgestellt.» Migros konzentriert sich darauf, Gefahren im Voraus abzuwenden. «Wir arbeiten laufend daran, die Sicherheitsdispositive im Fall eines ausserordentlichen Ereignisses zu verbessern», so Sprecher Luzi Weber (46). «Eine eigentliche Versicherung gegen Anschläge haben wir nicht abgeschlossen.»

Im Gegensatz zu grossen Unternehmen ist eine Terrorversicherung für KMU und Privatpersonen nur in Ausnahmefällen sinnvoll. «Bis zu einer Versicherungssumme von zehn Millionen Franken ist man automatisch geschützt», sagt Urs Burger (51), CEO der Versicherungsberatung Advantis. «Wenn man sich bei einem Attentat verletzt, übernimmt die Unfallversicherung die Kosten. Wenn jemand stirbt, der eine Lebensversicherung abgeschlossen hat, springt diese ein.» Schäden an eigenen Liegenschaften seien in der Regel durch die Gebäudeversicherung abgedeckt, jene am Auto durch die Kaskoversicherung.

Kleines Risiko eines Attentats

Wichtig seien Terrorversicherungen deshalb nur für grössere Unternehmen. Die Prämien sind laut Burger tief. «Weil das Risiko eines Attentats in der Schweiz vorläufig weiterhin als klein betrachtet wird.» Für eine Versicherungssumme von 50 Millionen Franken müsse man pro Jahr 7000 Franken bezahlen.

Alle grossen Versicherungen bieten solche Lösungen an. «Die Nachfrage, vorab von Grosskunden, hat zuletzt zugenommen», sagt Jürg Thalmann (44) von der Mobiliar. Diese hat aktuell rund 150 entsprechende Kunden.

Im Unternehmensgeschäft der Zurich-Versicherung fragt «jeder zehnte Kunde nach einer Terrorismus-Deckung», sagt Sprecherin Nathalie Vidal (29). Helvetia hat ungefähr 250 solche Verträge abgeschlossen.

Die Axa spürt «im grösseren Geschäftssegment Sachversicherung die erhöhte Sensitivität für das Thema», so Sprecherin Mirjam Eberhard. Michael Aebisegger (45), Leiter Sachversicherungen: «Für Firmen im Appenzellerland oder Fricktal ist der Terror kaum eine Gefahr. An exponierten Stellen wie der Zürcher Bahnhofstrasse ist ein solcher Ver­sicherungsschutz von weit grösserer Bedeutung.»

Publiziert am 08.10.2016 | Aktualisiert am 01.12.2016
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16 Kommentare
  • Thomas  homberger 09.10.2016
    Typisch SBB. Zuerst teure versicherungen abschliessen (auf dauer), dann passiert womöglich etwas was nicht versichert war und wer muss zahlen ... wir. Schade das bei der SBB kein vernumpft begabter mensch arbeitet der das entscheiden kann. Jetzt kommt aber die ironie des Schicksals, für solche Versicherungen haben Unternehmen Geld für mehr arbeiter wird nur immer gesagt man hätte kein Geld. Auch wenns hart ist es sollte mal endlich die richtigen leute treffen bei einem anschlag.
  • Dracomir  Pires aus Bern
    09.10.2016
    Wir sollten nicht den Versicherungsschutz erhöhen, sondern die Terrorgefahr durch die Islamisten verringern. Selbstverständlich ist diese Aufgabe schwierig, denn das religiöse Umfeld zählt fast eine halbe Million Personen in der Schweiz. Tendenz rasch wachsend ...
  • René  Loepfe 09.10.2016
    Schon eigenartig, dass hier von den Versicherungen erwähnt wird " .. wer eine Lebensversicheung hat, springt diese ein..." Was ist los mit Entschädigungen für Opfern, die keine Lebensversicherung haben?
    Da dies versicherungsmathematisch der bedeutend grössere Teil ist, wird hier darüber geschwiegen.
  • Luca  Conti 09.10.2016
    Die SBB scheinen mehr in die eigene finanzielle Absicherung interessiert zu sein, als in eine höhere Sicherheit der Passagiere wegen Terror.
  • Pietro  Morettini aus Andermatt
    09.10.2016
    Der Schweizer lechzt nach Versicherungen, Absicherung und Sicherheit. Die Chance, dass ein Bahnhof wegen Planungs- oder Baupfusch zusammenfällt, ist grösser als von Terroristen gesprengt zu werden.