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Viele Versicherungen bieten bereits heute einen Gratis-Auskunftsdienst für ihre Kunden an. Diese können einem Telefondoktor ihre Beschwerden vortragen – und so möglicherweise auf den Besuch beim Hausarzt verzichten. Um Geld zu sparen und damit die Prämienexplosion abzuschwächen, will Gesundheitsminister Couchepin nun allen Versicherungen die Einrichtung solcher Ferndiagnose-Nummern vorschreiben (Blick.ch berichtete).
Auch Jacques de Haller, Präsident der schweizerischen Ärztevereinigung FMH, begrüsst diese Idee prinzipiell: Sie sei zukunftsorientiert, künftig würden die Telefondoktoren einen immer grösseren Stellenwert haben. «Das entspricht einem Bedürfnis der Patienten», so de Haller gegenüber Blick.ch.
Er lobt zwar die Qualität von privaten Anbietern wie Medgate oder Medi24, die mit den Versicherungen zusammenarbeiten. Dennoch: Wenn es soweit komme, dass jeder Schweizer vor einer Arztkonsultation einen Telefondoktor anrufen müsse, dann dürften diese Dienste nicht in den Händen der Versicherer liegen.
«Wo bliebe denn da die die Gewaltentrennung? Es gäbe einen enormen Interessenskonflikt», warnt de Haller. Denn er befürchtet, dass die Versicherer Einfluss nehmen könnten auf die von ihnen beschäftigten Ärzte im Call-Center – und diese dazu bewegen würden, den Patienten eine möglichst günstige Behandlung zu verschreiben.
De Haller schlägt stattdessen vor, dass die Ärzte eine zentrale Nummer selber betreiben, so wie das heute mit dem Notfalldienst 144 der Fall ist. Auf diese Nummer würden alle anrufen, egal ob sie einen Schnupfen oder einen dreifachen Beinbruch hätten.
Die Fachleute könnten dann die Patienten telefonisch betreuen und je nach Bedarf weiterverweisen – nach medizinischen Kriterien und nicht finanziellen. «Wir haben ein entsprechendes Projekt mit einer zentralen Triage schon in der Schublade», erklärt de Haller. Finanziert werden könnte der zentrale Telefondienst aus Prämiengeldern.
Dass die Telefondoktoren irgendwann zu halbleeren Arztpraxen und damit Existenzproblemen für Hausärzte führen könnten, fürchtet er nicht. «Die chronisch Kranken werden ja weiterhin zum Arzt gehen». Und überhaupt: In den Randregionen gäbe es eh zu wenige von seinen Berufskollegen. «Ihnen wird die Arbeit bestimmt nicht ausgehen», glaubt der oberste Ärzte-Vertreter. (hhs)
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FMH-Chef de Haller (links) kann sich durchaus für Pascal Couchepins Ideen erwärmen – doch misstraut er der Macht der Versicherungen. (Keystone/Montage: Blick.ch)