«Tagi» streicht 57 Stellen – Journalisten zittern

  • Publiziert: 14.05.2009, Aktualisiert: 14.01.2012

ZÜRICH – Die Wirtschaftskrise trifft das Verlagshaus Tamedia besonders hart: Beim Flaggschiff «Tages-Anzeiger» verlieren Dutzende Journalisten ihren Job. Dafür bleibt der «Bund» erhalten.

Der Zürcher «Tages-Anzeiger» baut 57 Vollzeitstellen ab. Davon entfallen 50 auf die Journalisten und sieben auf den Zeitungsdruck. Der Abbau in den Redaktionen betrifft alle Ressorts, wie Tamedia mitteilt. Der «Tagi» wird künftig nur noch mit vier Bünden erscheinen – die verschiedenen Lokalteile fallen weg. Der Stellenabbau ist eine Reaktion auf die miserable Situation im Werbemarkt, die alle Medien hart trifft.

Wie ein «Tagi»-Mitarbeiter gegenüber Blick.ch erklärte, wissen die Redaktoren noch nicht, wer den blauen Brief erhalten soll. Das werde erst in zehn Tagen bekannt gegeben. Bis dann wird das grosse Zittern in der Redaktion anhalten. Andere Quellen sprechen sogar von einer Frist bis Ende Juni, bis die Kündigungen erfolgen.

Ein bisschen weniger schlecht sind die Nachrichten aus Bern: Der «Bund» bleibt als eigenständiger Titel erhalten. Ab Herbst 2009 wird die traditionsreiche Tageszeitung aber eng mit dem Zürcher «Tages-Anzeiger» zusammenarbeiten. Auch das bringt schmerzhafte Einschnitte: Die «Bund»-Redaktion wird um 22 Stellen verkleinert.

Die Zusammenarbeit zwischen «Bund» und «Tages-Anzeiger» soll laut Tamedia beide stärken. Chefredaktor des «Bund» bleibt der 56-jährige Arthur K. Vogel. Geplant ist ein gemeinsamer Mantel mit einer ausgebauten Berichterstattung über nationale und internationale Politik, Kultur, Sport und Wirtschaft.

Weitere Neuerung bei Tamedia: Das Internetportal «Newsnetz», die Pendlerzeitung «News» und der «Tages-Anzeiger» arbeiten künftig enger zusammen. (hhs/SDA)

Comedia ist bestürzt

ZÜRICH – Mit Bestürzung hat die Gewerkschaft Comedia heute auf den Stellenabbau beim Zürcher «Tages-Anzeiger» und bei der Berner Tageszeitung «Der Bund» reagiert. Die Gewerkschaft spricht von einem Kahlschlag auf den Redaktionen. Der Abbau von 50 Vollzeitstellen in Zürich bedeute eine Reduktion um praktisch einen Viertel der Redaktion beim «Tages-Anzeiger», schreibt Comedia. Beim «Bund» betreffe der Abbau von 19 Vollzeitstellen rund einen Drittel der Redaktion. Zwei Stellen gingen zudem in der Redaktion der «Berner Zeitung» (BZ) verloren. Durch die faktische Zusammenlegung zweier Redaktionen an zwei Standorten trete ein, wovor Kritiker schon seit längerem gewarnt hätten: Die Zeitungen erschienen zwar unter verschiedenen Titeln, aber mit nahezu gleichem Inhalt. (SDA)
play Ein schwarzer Tag für den Schweizer Journalismus: Dutzende Angestellte verlieren in Zürich und Bern ihren Job. (Keystone)

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