Tänzer verklagt Sozialamt wegen klobigen Schuhen

  • Publiziert: 12.11.2009, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Karin Baltisberger

Ronny Kistler (29) tanzt barfuss. Ohne Engagement musste er in grobem Schuhwerk in den Strassenbau.

Die Bühne ist sein Leben. Seit seinem 18. Lebensjahr ist Ronny Kistler Profi-Balletttänzer. Letztes Jahr durchlebte der Zürcher Künstler eine harte Zeit.Ronny Kistler, der schon an Theatern in ganz Europa getanzt hat, fand kein Engagement mehr. Er wurde ausgesteuert und brauchte im Februar die Hilfe vom Sozialamt Wald ZH.Das Amt half und schickte den Balletttänzer ins Beschäftigungsprogramm – zum Strassenbau. «Ich dachte, ich höre nicht richtig, als man mir das sagte», so Kistler. Doch er hatte keine Wahl. Er musste diese Arbeit annehmen, sonst bekam er keine Sozialhilfe.«Richtig schlimm wurde es, als ich meine Arbeitskleidung erhielt. Man gab mir Schuhe, die schon etliche Arbeiter vor mir getragen haben», erzählt Ronny Kistler. Er sei sich gewohnt, barfuss oder in Ballettschläppchen zu arbeiten. «Und plötzlich soll ich so klobige Bauarbeiterschuhe tragen?»Diagnose «Rekrutenfuss»Nach zweieinhalb Tagen kam die Quittung. «Ich konnte kaum noch gehen, hatte höllische Schmerzen», schildert Kistler. Der Arzt diagnostiziert: Peritendinitis. Eine Entzündung der Achillessehne, auch «Rekrutenfuss» genannt.«Der Arzt ist überzeugt, dass die getragenen Schuhe dies verursachten», sagt der Künstler. Er musste drei Wochen zu Hause bleiben, Medikamente nehmen und in die Physiotherapie.Ausserdem verordnete der Arzt der Gemeinde, Ronny Kistler neue Schuhe zu kaufen, damit er wieder in den Strassenbau zurück konnte. «Von da an ging es, man gab mir leichtere Arbeiten.»Für Arzt- und Therapiekosten erhielt Ronny Kistler eine Rechnung von rund 1000 Franken. Diese will die Gemeinde Wald aber nicht zahlen. Weil der Balletttänzer zwei Monate später eine Anstellung beim Opernhaus Zürich bekam und nicht mehr auf Sozialhilfe angewiesen war. Begründung: «Es besteht kein Anspruch auf Vergütungen von Rechnungen, deren Fälligkeit nach Beendigung des Anspruches auf Sozialhilfe festgesetzt ist.»Ronny Kistler ist sauer. «Nur wegen dieses Beschäftigungsprogramms bin ich überhaupt krank geworden, ich kann doch gar nichts dafür.» Der Tänzer überlegt sich jetzt, ob er rechtlich dagegen vorgehen will.

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