SVP-Initiative: Wähler denken um

  • Publiziert: 21.05.2008, Aktualisiert: 14.01.2012

BERN – Die Einbürgerungs-Initiative wankt. Laut einer Umfrage findet sich erstmals eine Mehrheit gegen das Volksbegehren der SVP. Vor allem die Wähler der Mitteparteien haben ihre Meinung geändert.

Wäre am letzten Wochenende abgestimmt worden, hätten 56 % der Stimmberechtigten gegen die Einbürgerungs-Initiative votiert und 33 % dafür. Zu diesem Ergebnis kam das Forschungsinstitut gfs.bern, das im Auftrag der SRG SSR idée suisse 1209 Personen befragte.

Vor vier Wochen hatte sich die Ausgangslage anlässlich der ersten Abstimmungsumfrage der SRG noch ganz anders präsentiert: Damals lagen die Befürworter noch mit 48 % Ja und 37 % Nein vorn, wie die SRG heute mitteilte.

Ins Wanken gerät aber auch der Gesundheitsartikel in der Verfassung: Neu lehnen 45 % der Befragten die Vorlage ab, während ihr 39 % zustimmen. Mitte April waren es noch 62 % Ja gegen 18 % Nein gewesen.

Wähler der Mitteparteien schwenken um

gfs.bern führt die «unüblich starke Veränderung» bei der Einbürgerungs-Initiative unter anderem auf zwei Faktoren zurück: eine unterdurchschnittliche Mobilisierung der SVP-Wählerschaft und einen Stimmungswandel bei FDP- und CVP-Wählerschaft.

Die FDP-Basis lehnt heute das Volksbegehren mit 52 % Nein gegen 34 % Ja ab. Mitte April waren es 57 % Ja und 31 % Nein gewesen. Ähnlich bei der CVP: In der ersten SRG-Umfrage hatten 50 % der ihrer Wähler sich für die Initiative und 35 % dagegen ausgesprochen. Nun lehnen 63 % die Vorlage ab und noch 32 % sind dafür.

Klare Fronten herrschen bei der SVP-Basis und der linken Wählerschaft: Die SVP-Basis steht mit 80 % hinter ihrer Partei, jene der Linken lehnt die Vorlage mit ähnlich hohen Prozentzahlen ab.

Späte Meinungsbildung

«Ausserordentlich» sei auch der Meinungsumschwung beim Gesundheitsartikel, schreibt die SRG weiter. Die Meinungsbildung habe hier unüblich spät eingesetzt. Ausschlaggebend dafür sei, dass wichtige Akteure des Gesundheitswesens sich spät, aber klar gegen die Vorlage geäussert hätten.

Den Ausgang der Abstimmung über den Gesundheitsartikel taxiert gfs.bern zum jetzigen Zeitpunkt als offen. Allerdings lägen die Vorteile auf der Nein-Seite.

Besonders stark sei der Meinungsumschwung in der Romandie ausgefallen: Vor vier Wochen hätten noch 58 % der Vorlage zugestimmt; heute seien es noch deren 29 %. Der Nein-Anteil stieg in derselben Zeit von 19 auf 55 %. Auch nach Parteien betrachtet legten die Gegner stark zu.
60 Prozent gegen Maulkorb-Initiative

Nach wie vor klar abgelehnt wird die Maulkorb-Initiative: Der Nein-Anteil stieg seit Mitte April um 3 Prozentpunkte auf 60 %. Die Ja-Seite blieb dagegen mit 26 % gegenüber 27 % vor vier Wochen relativ stabil. (SDA/gux)

Interviews vor «Arena»-Sendung

gfs.bern interviewte für die Umfrage 1209 stimmberechtigte Personen in den drei Sprachregionen. Der statistische Fehlerbereich beträgt +/- 2,9 %. Nur wenige Interviews fanden nach der «Arena»-Sendung zur Einbürgerungs-Initiative mit Christoph Blocher und Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf statt.

play Stein des Anstosses: Die SVP-Einbürgerungsinitiative. (Keystone)

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