SVP-Freysinger trennt sich von seinem Weltuntergangs-Berater «Hätte ihn nie engagiert, hätte ich von diesen Aussagen gewusst»

«Die Tunten werden sterben»: Aussagen wie diese sind dem SVP-Politiker Oskar Freysinger zu viel. Er beendet die Zusammenarbeit mit Piero San Giorgio, dessen Engagement er zuerst noch verteidigt hatte.

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Der «Überlebensspezialist» Piero San Giorgio zeigt uns, wie man sein eigenes Gemüse anbaut, Essen konserviert und Trinkwasser in der Natur findet. Und er sagt Dinge wie: «Dass wir Kranken und Behinderten helfen, mag gut sein fürs Gewissen. Aber so baut man keine Zivilisation auf, so zerstört man sie.»

Das schockiert selbst Oskar Freysinger. Der Walliser SVP-Staatsrat hatte San Giorgio als externen Berater für einen Risikobericht an Bord geholt (BLICK berichtete).

«Ich bin aus allen Wolken gefallen, als ich die Aussagen in der Zeitung gelesen habe», sagt Freysinger heute zu BLICK. Er werde die Zusammenarbeit mit dem Autor sofort beenden.

«Die Tunten werden sterben»

Die Sätze stammen aus einem Video, das auf Facebook tausende Male aufgerufen wurde. In einem Interview sagt San Giorigio: «Der Humanismus, die Menschenrechte und die ganze Scheisse sind verantwortlich dafür, dass es heute Leute gibt, die nicht existieren dürfen.» Er glaubt in Krisenzeiten an das Recht des Stärkeren. «Die Tunten werden sterben», sagte er gemäss «Walliser Boten» im Frühjahr an einem Treffen von Rechtsextremen im Wallis.

Freysingers Arbeitsgruppe beschäftigte sich damit, wie sich der Kanton bis Anfang 2018 für verschiedene Krisen wappnen soll. Piero San Giorgio habe Gruppen in drei Sitzungen betreffend einer Risikoanalyse beraten – und dabei durchaus wertvolle Inputs geliefert. «Aber wenn ich von diesen Aussagen gewusst hätte, hätte ich ihn niemals engagiert», sagt Freysinger zu BLICK. 

Es stellt sich die Frage, ob er den Berater und dessen Vergangenheit nicht besser hätte überprüfen sollen. «Ich kann doch nicht jedem nachspionieren», verteidigt sich Freysinger. «Das wäre schon nur rechtlich sehr problematisch.»

«Ein Zusammenbruch ist möglich» 

Gestern hatte Freysinger das Engagement des Schweizers mit italienischen Wurzeln noch verteidigt. Da stand aber vor allem San Giorgios düsteres Weltuntergangs-Szenario im Fokus. In seinen Büchern prognostiziert er einen baldigen «Zusammenbruch der Wirtschaft». Dass es dazu kommen könnte, daran hält Freysinger fest: «Wir können das nicht ausschliessen.»

Nachdem gestern San Giorgios menschenverachtende Gesinnung bekannt wurde, zeigte sich auch die Präsidentin der Walliser Regierung, Esther Waeber-Kalbermatten, schockiert. Sie wolle sein Mandat noch einmal genauer unter die Lupe nehmen, sagte sie gestern der Nachrichtenagentur SDA.

Publiziert am 02.12.2016 | Aktualisiert am 07.12.2016
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8 Kommentare
  • Thomas   Wassmer 03.12.2016
    Wenn Oskar Freysinger sich nicht die Mühe macht, seine Berater zu überprüfen, so zeigt er einfach dass er für seinen Posten nicht geeignet ist.
    Was will man eigentlich noch mit so einem, der seine Inkompetenz so zur Schau stellt.
  • Reto  Häufler 02.12.2016
    Kenne Piero San Giorgio aus seinen Youtube-Videos. Er ist sicherlich nicht menschenverachtend. Er zeigt einfach gewisse Aspekte unserer Gesellschaft auf, die nur durch unsere Wohlstand existieren. Zum Beispiel dass es in Afrika praktisch keine Behinderten gibt, weil sich die Gesellschaft nicht leisten kann, diese Menschen zu betreuen. In Hinsicht auf einen theoretisch Crash des Systems (damit meint er Finanz, Wirtschaft, Politik...), sind das nicht so abwegige Ueberlegungen.
    • Hanspeter  Müller aus Bern
      03.12.2016
      In Afrika gibt es sehr wohl Behinderte, und sie werden auch umsorgt. Menschlichkeit ist nicht vom Geld abhängig. Im Gegenteil, die Eutanasie ist eine Erfindung aus Europa, respektive einer Partei in Europa. Da gibt es nichts zu verharmlosen mit pseudo-darwinistischen Argumenten.
    • Reto  Häufler 03.12.2016
      Herr Müller, waren sie schon mal in Afrika? Ich habe 6 Monate in einem Spital in Kenya gearbeitet. Dort sterben kerngesunde Kinder an ganz Banalen Krankheiten oder Verletzungen, weil es an medizinischer Versorgung fehlt. Und in dieser Zeit habe ich keinen einzigen Menschen mit angeborener Behinderung gesehen. Dort herrscht in der Tat Darwinismus, wenn sie es schon ansprechen. Es klingt zwar sehr hart, aber es funktioniert genau so wie in der Tierwelt.
  • Marco  Weber 02.12.2016
    Natürlich hat das Herr Freysinger nicht gewusst! Er hatte ja auch bei seiner Reichsfahne im Keller nicht gewusst um was für eine Fahne es sich handelt er fand sie hald einfach schön!
  • Adrian  Müller 02.12.2016
    «Ich kann doch nicht jedem nachspionieren». Er ist auf YouTube Herr Freysinger und wenn sie Steuergelder ausgeben, dann bitte doch für Leute, die sie kennen.
  • Thomas  Goetz 02.12.2016
    Natürlich wäre es rechtlich problematisch, jemanden "nachzuspionieren", bevor man ihn engagiert? Wohin käme man, wenn man sich als Arbeitgeber - welcher Art auch immer - darum kümmert, was ein potentieller Mitarbeiter in öffentlich zugänglichen Bereichen sagt? Das wäre ja in etwa das Gleiche, wenn man einen Bewerber nur deswegen ablehnt, weil er sich ein Hakenkreuz auf die Stirn hat tätowieren lassen. Man stellt ihn trotzdem ein und hofft, dass niemand das Tattoo sieht.