Sturm Hilfe nach Sturm in Haiti harzt - Menschen immer verzweifelter

BERN - BE - Die Hilfe für die Opfer des Sturms «Matthew» in Haiti kommt wegen der zerstörten Infrastruktur und der fehlenden Mittel nur zögerlich voran. Laut der Glückskette werden die Menschen immer verzweifelter. Eine Hungerkatastrophe droht.

Haiti nach Hurrikan: Hilfe für Opfer kommt bisher nur begrenzt an play
Die Nothilfe für die Betroffenen des Sturms «Matthew» kommt per Helikopter. (Archivbild) Keystone/EPA USA NAVY/PETTY OFFICER 2ND CLASS HUNTER S. HARWELL/HANDOUT

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Viele Gebiete im Südwesten des Karibikstaates seien noch immer nicht zugänglich, berichtete Glückskette-Sprecherin Priska Spörri am Dienstag der Nachrichtenagentur sda. «Die Hilfswerke bringen die Nothilfe teilweise per Helikopter in einige dieser abgelegenen Orte in den Bergen oder mit Booten an die Küsten.» Die Hilfe komme nur langsam voran.

«Die betroffene Bevölkerung in dieser Region hat praktisch alles verloren. Die Häuser wurden massiv beschädigt oder zerstört, die Felder und damit die Ernten vernichtet und die Versorgung mit sauberem Wasser ist zusammengebrochen. Es droht die Ausbreitung von Cholera.»

Die näher kommende Regenzeit verheisse auch nichts Gutes für die Menschen ohne Obdach. Gemäss Aussagen von Hilfswerksmitarbeitern drohe deshalb eine Hungerkatastrophe. «Die Menschen werden immer verzweifelter», sagte Spörri. «Es wird befürchtet, dass die Stimmung in Gewalt umschlagen könnte.»

Auf den Hauptstrassen würden teilweise Güterlastwagen gestoppt und nach Lebensmitteln durchsucht. Die Lebensmittelpreise würden durch die Knappheit weiter ansteigen. Der Benzinpreis habe sich bereits verfünffacht.

Beim Durchzug des Wirbelsturms «Matthew» durch Haiti am 4. Oktober waren nach offiziellen Angaben mindestens 546 Menschen ums Leben gekommen. In Wahrheit seien es «bis zu tausend Tote», sagte Spörri. «Und zwei Millionen Menschen sind betroffen.»

Die Nothilfephase nach einer Katastrophe dauere jeweils etwa drei Monate. «Jetzt, drei Wochen nach dem Sturm, ist die Lage immer noch sehr schwierig», erklärte Spörri, Mitglied der Geschäftsleitung der Glückskette. «Ich könnte mir vorstellen, dass die Nothilfephase dieses Mal länger dauert.»

Zurzeit arbeiten neun Schweizer Partnerhilfswerke der Glückskette in den betroffenen Gebieten im Südwesten Haitis: ADRA, Caritas, Handicap International, HEKS, Medair, Médecins du Monde, Save the Children, Schweizerisches Rotes Kreuz sowie Terre des hommes - Kinderhilfe. Die Glückskette finanziert prioritär Projekte dieser Hilfswerke, «da sie lokal sehr gut vernetzt sind und das Umfeld bestens kennen», wie Spörri ausführte.

«Sie haben nach dem Wirbelsturm sofort mit der Verteilung von Nahrungsmitteln und Wasseraufbereitungstabletten sowie mit der Reparatur der Wassersysteme begonnen. Auch Hygiene- und Haushalts-Kits sowie Material, um sich behelfsmässige Unterkünfte zu bauen, wurden verteilt.»

Es brauche auch Mittel zur Instandstellung der landwirtschaftlich genutzten Gebiete und die Verteilung von Saatgut, «damit sich die Bevölkerung so schnell wie möglich wieder teilweise selbst versorgen kann».

Die Glückskette hat seit dem 7. Oktober bis am Dienstag 5'261'062 Franken Spenden für Haiti erhalten. Kleinspenden von Privatpersonen machten dabei den Grossteil aus, nämlich etwa 4 Millionen.

Etwa ein Fünftel der Spenden stamme von grossen Firmen und «schönerweise» auch von Kantonen, Städten und Gemeinden, wie die Glückskette-Sprecherin sagte. Die Spendenaktion geht weiter. (SDA)

Publiziert am 25.10.2016 | Aktualisiert am 25.10.2016
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