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Die Schwyzer Untersuchungsrichterin Christina Müller forderte bereits am Freitag beim Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) einen Verbindungsnachweis für Lucies Handy an. Sie wollte Aufschluss darüber erhalten, mit wem Lucie oder ihr Entführer seit ihrem Verschwinden am Mittwoch letzter Woche Kontakt hatten.
Es geht hierbei um die Daten von Lucies Handy von Mittwoch bis Freitag letzter Woche. Ab Freitag wurde das Handy in Echtzeit überwacht. Dies führte die Ermittler prompt auf die Spur des getöteten Au-Pair-Mädchens.
Möglicherweise hätten die von Untersuchungsrichterin Müller verlangten Daten bereits früher zur Spur des Täters geführt. Doch die Daten trafen erst heute Abend ein. Das sagte Müller in der Sendung «Schweiz aktuell». Schuld an der Verspätung: Der Schwyzer Kantonsgerichtspräsident Martin Ziegler.
Untersuchungsrichterin Müller erklärte, der Kantonsgerichtspräsident habe die Ermittlungen mit einer Intervention bei der zuständigen Bundesstelle behindert. «Wir haben gestern mündlich die Auskunft erhalten, dass uns die Daten nicht ausgehändigt werden, weil der Kantonsgerichtspräsident anfangs letzter Woche eine entsprechende Anordnung erlassen habe».
Die Sturheit des Beamten ist unglaublich: «Er soll gesagt haben, dass wir keine Daten bekämen, bevor er keine entsprechende Bewilligung erteile», so Müller weiter.
Martin Ziegler handelte nicht nur unkooperativ, sondern offenbar auch widerrechtlich: Laut dem St. Galler Staatsanwalt und Experten Thomas Hansjakob ist eine solche Intervention nicht rechtens. Der Gesetzgeber sehe ganz klar vor, dass der Untersuchungsrichter die Möglichkeit haben muss, sofort auf diese Daten zuzugreifen. Gerade bei Gewaltdelikten sei das absolut nötig, sagte Hansjakob in «Schweiz aktuell».
Der sture Beamte jedoch zeigt sich uneinsichtig: «Ich will die Schuld auf niemanden abschieben», sagte Kantonsgerichtspräsident Ziegler. Die Daten seien nur darum nicht zeitig bei den Untersuchungsbehörden angekommen, weil es im Zusammenspiel mit allen involvierten Stellen zu Missverständnissen gekommen sei.
Hätte das Drama verhindert werden können?
Die 16-jährige Lucie war am Mittwoch vergangener Woche verschwunden. In der Nacht auf Montag fand die Polizei ihre Leiche in einer Wohnung in Rieden im Kanton Aargau (Blick.ch berichtete).
Ob die junge Frau zum Zeitpunkt, als Untersuchungsrichterin Christina Müller den Verbindungsnachweis von Lucies Handy beim EJPD anforderte, noch hätte gerettet werden können, ist noch unklar. Morgen wird die Kantonspolizei Aarau über den aktuellen Stand der Ermittlungen informieren. (SDA/noo)