Streit ums Berner Agassizhorn Der Gipfel des Rassismus

Der rassistische Wissenschaftler Louis Agassiz bleibt sogar Ehrenmitglied des SAC. Zuvor kämpfte Historiker Hans Fässler bereits jahrelang vergeblich für die Umbenennung des Agassizhorns. Nun zieht der St. Galler Bilanz.

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Bereits seit 2007 kämpft der St. Galler Historiker Hans Fässler gegen die Ehrungen, die einem hochdekorierten schweizerisch-amerikanischen Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts immer noch zuteil werden. Gletscherforscher und Harvardprofessor Louis Agassiz (1807-1873) vertrat rassistische Ansichten. Trotzdem ist er bis heute Namensgeber eines hohen Gipfels im Berner Oberland: des Agassizhorns.

Agassiz hatte in einem Artikel, der in einer US-Zeitschrift erschien, über unterschiedlich zivilisierte Rassen geschrieben, über «mutige, stolze Indianer», «unterwürfige Neger» und «durchtriebene, listige und feige Mongolen». Dies alles als Beleg für die unterschiedliche Wertigkeit der verschiedenen Rassen.

Vor neun Jahren rief Fässler deshalb ein Komitee mit dem Namen «Démonter Louis Agassiz» ins Leben. Jetzt hat er dem «Berner Oberländer» ein grosses Interview gegeben und Bilanz gezogen.

Umbenennung gescheitert

Das Agassizhorn steht auf dem Boden der Gemeinden Grindelwald, Guttannen und Fieschertal. Diese haben eine Umbenennung abgelehnt, auch nachdem die Schweizer Regierung letztes Jahr festgehalten hatte: «Der Bundesrat würde es begrüssen, wenn sich die zuständigen Gemeinden zu weiterführenden Schritten bewegen lassen.»

Hans Fässler – auch SP-Mitglied – sagt: «Wir sind enttäuscht. Wir waren der Meinung, dass wir uns die vergangenen neun Jahre sehr bemüht haben.» 

Agassiz bleibt vorerst auch SAC-Ehrenmitglied

Und der Historiker muss jetzt auch noch einen zweiten Rückschlag verkraften. Er wollte Agassizs Ehrenmitgliedschaft im Schweizer Alpenclub (SAC) aberkennen.

Dafür stellte er in seiner eigenen Sektion St. Gallen einen Antrag, der sogar eine Mehrheit fand. Doch wegen eines Formfehlers wurde die Gültigkeit des Beschlusses aufgehoben. Fässler möchte nächstes Jahr nochmals einen Versuch unternehmen.

Hoffnung noch nicht tot

Trotz seines Misserfolgs konnte das Komitee zumindest eine Diskussion über Erinnerungskultur anregen. Die Problematik der Ehrung von historischen Persönlichkeiten durch Namensgebung wurde dabei offensichtlich.

Die Gesellschaft ändert ihre Meinung über historische Figuren im Laufe der Zeit. Dieser Umstand prallte auf die verbreitete Überzeugung, dass Bergnamen unverrückbar sind. Fässler hat sein Projekt aber noch nicht ganz aufgegeben: «Ich hoffe, dass die betroffenen Gemeinden sich irgendwann lernfähig zeigen und selber Schritte zur Umbenennung des Agassizhorn einleiten.» (pfc)

Publiziert am 02.09.2016 | Aktualisiert am 02.09.2016
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Jokah Tululu Rassismus-Experiment auf der Strasse

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15 Kommentare
  • Karl-Heinz  Baumberger aus Winterthur
    03.09.2016
    Was für Probleme unsere SPler haben... leider studieren auf Staatskosten bis zum geht nicht mehr, forschen an Sachen die niemanden mehr interssieren und ins Geschichtsbuch gehören. Was mich mehr interessiert, was mit der CH wird in 10 oder 20 Jahren. Sorry, aber was hintermir liegt, kann ich nicht Ändern, aber die Zukunft das wäre mir eher ein anliegen. Hoffe einfach, das Herr Fässler diese Forchsung nicht zu lasten des Steuerzahlers gemacht hat.
  • Rosa  Rot 03.09.2016
    Was mischt sich ein St. Galler in die Namensgebung eines Berner Oberländer Bergs ein? Herrje, als Agassiz lebte, waren es halt noch andere Zeiten und hat ja nur Festellungen gemacht und neben diesen auch noch einges mehr an Gutem.
  • Ueli  Keller 03.09.2016
    In Zürich gebt es die August-Forel-Strasse, und zwar angrenzend an die ehemalike "Heilanstalt Burghölzli", heute psychiatrische Universitätsklinik. August Forel ist auch auf der Tausendernote zu sehen. Er war einer der Verfechter der Theorie des "unwerten Lebens", das dann u.A. von den Nazis gebraucht wurde, um die tausendfachen Morde an behinderten Menschen zu rechtfertigen.
  • Mike  Wisler aus cham
    03.09.2016
    Wenn all die Menschen, die Fehler bei andern Menschen und Gruppen in der Vergangenheit suchen etwas sinnvolles machen würden, gäbe es vielleicht weiniger Probleme auf dieser Welt. Dss betrifft zB auch die ewige und unendliche Disskusion über die Deutschen und den 2. Weltkrieg. Es ist vorbei und abgeschlossen, und wir steuern lieber vollgas in die nächste Katastrophe. Warscheinlich hat dieser Agassiz auch Fehler gemacht in seinem Leben, doch denke ich dass auch Herr Mözzli nicht fehlerfrei ist.
  • Lucio Silva  Safnanno aus San Vito Lo Capo
    03.09.2016
    Er hätte es wahrlich verdient, einen Berg nach ihm benennt zu bekommen: Polo-Hofer-Horn, oder besser, um Verwechslungen zu vermeiden: Polo-Hofer-Gipfel.