«Er ist gefährlich» Streit um Vogel und seine Islamisten eskaliert

  • Publiziert: 13.53 Uhr, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Simon Hehli
play Auf der Homepage von Pierre Vogel gibt es einen Hinweis auf den geplanten Auftritt in Zürich. (Screenshot einladungzumparadies.de)

ZÜRICH – Prediger Pierre Vogel ist in der Schweiz selbst bei vielen Muslimen unerwünscht – trotzdem wollen ihn Islamisten wieder auftreten lassen. Fragt sich: Warum?

Die Schweizer Islamisten vollziehen eine erstaunliche Kehrtwende: Sie laden für ein Symposium am 14. Februar im Zürcher Volkshaus als Stargast ausgerechnet den umstrittenen deutschen Prediger Pierre Vogel ein. Dieser durfte im Dezember 2009 nicht an einer Islamdemo auf dem Bundesplatz teilnehmen: Das Bundesamt für Justiz hatte ihm die Einreisebewilligung verweigert.

Die Einladung an Vogel, die für grossen Wirbel sorgte, sei ein Fehler gewesen, räumte Demo-Organisator Nicolas Blancho im Januar ein. Blancho ist Präsident des noch jungen Islamischen Zentralrats der Schweiz (IZRS). Die Frage stellt sich: Wie kann denn, was vor ein paar Wochen noch ein «Fehler» war, jetzt plötzlich richtig sein?

Aufgeheizte Stimmung im Dezember

Im Namen von Nicolas Blancho nimmt IZRS-Sprecher Qaasim Illi gegenüber Blick.ch Stellung. Es sei im Dezember tatsächlich falsch gewesen, Pierre Vogel als Sprecher anzukündigen. Denn damals – kurz nach der Minarett-Initiative – sei die Stimmung aufgeheizt gewesen. «Viele Schweizer sahen den geplanten Auftritt deshalb als unsensibel an.»

Jetzt habe sich die Debatte aber beruhigt – und die hiesigen Islamisten wollen nicht auf ihr deutsches Idol verzichten. «Wir sehen das nicht als Provokation. Vogel vertritt dieselben orthodoxen Ansichten des Islams wie wir», betont Illi.

Es sind diese radikalen Ansichten, die den Stiftungsrat des Volkshauses bewogen haben, den Anlass vom 14. Februar abzublasen und den Mietvertrag aufzukündigen. «Vor allem Vogels Positionen Frauen gegenüber sind unhaltbar», erklärt Volkshaus-Geschäftsführer Marco Stella gegenüber Blick.ch.

«Man will uns mundtot machen»

Der Zentralrat will diesen Entscheid nicht hinnehmen: «Zuerst verbietet man uns die Minarette, bald könnten Burka und Kopftuch drankommen. Und jetzt will man uns auch noch die Möglichkeiten zur demokratischen Artikulation nehmen und uns mundtot machen», ereifert sich Illi.

Er besteht auf der Veranstaltung im Volkshaus – und will dafür notfalls bis vors Bundesgericht gehen. «Der Auftritt von Pierre Vogel an einer öffentlichen Veranstaltung gäbe allen die Möglichkeit, sich selber ein Bild von ihm zu machen, ohne die Verzerrung durch die Medien», sagt Illi.

«Politischer Islam extremster Form»

Froh über den Entscheid des Volkshauses ist hingegen Islam-Expertin Saïda Keller-Messahli vom Forum für einen fortschrittlichen Islam. «Die Gesinnung von Pierre Vogel und jener, die ihn einladen, ist ein politischer Islam extremster Form. Sie sind undemokratisch, intolerant und frauenfeindlich.»

Sie findet es absurd, dass die Schweizer Islamisten nun das Recht für sich in Anspruch nehmen, ihre Meinung frei äussern zu dürfen. «Sie gewähren dieses Recht nämlich genau jenen nicht, die einen anderen Islam wollen und leben.»

Es handle sich bei der Gruppe um Blancho und Illi vor allem um junge Konvertiten, erläutert Keller-Messahli. «Gegen aussen versuchen sie, einen vernünftigen Eindruck zu vermitteln, im inneren Kreis vertreten sie aber sehr radikale Ansichten. Sie spielen nicht mit offenen Karten – das macht sie unberechenbar und gefährlich.»

Vogel definitiv nicht im Volkshaus

Der umstrittene Islamprediger tritt definitiv nicht im Zürcher Volkshaus auf. Die Durchführung des Symposiums sei wichtiger als die Anwesenheit eines einzelnen Referenten, sagte Nicolas Blancho, Präsident des Islamischen Zentralrats der Schweiz (IZRS).

Dershalb darf der IZRS sein Symposium am 14. Februar im Zürcher Volkshaus durchführen. «Der Stiftungsrat hat den Anlass bewilligt», sagte Volkshaus-Geschäftsführer Marco Stella.

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