Strafrechtler Killias behauptet Jugendgewalt nimmt nicht ab – sondern zu!

Die Jugendkriminalität sei rückläufig, behauptet der Bund. Der bekannte Strafrechtler Martin Killias kommt in einer neuen Studie jedoch zu einem anderen Befund.

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Jugendliche treten ein Opfer (gestelltes Symbolbild) Keystone

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«Die Jugendkriminalität nimmt ab». So oder ähnlich titelten Schweizer Medien in diesem Frühjahr. Grund für die Jubelmeldungen waren Zahlen aus der jüngsten Kriminalitätsstatistik, die den Trend offenbar bestätigten.

Doch nun stellt der bekannte Strafrechtler Martin Killias diesen Befund in Frage. «Wir haben starke Indizien auf einen Anstieg. Das Problem der Jugendgewalt ist nicht gelöst», sagt er der «Neuen Luzerner Zeitung».

Killias, der als ständiger Gastprofessor für Kriminologie an der Uni St. Gallen wirkt, hat im letzten Jahr fast 3000 Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren zum Thema befragt und das Ergebnis mit früheren Erhebungen verglichen.

Weniger Gruppenschlägereien, mehr Raub

Sein Fazit: Bei Gruppenschlägereien und Ladendiebstählen sank die Zahl der Täter zwar. Bei Raub, Einbruch, Körperverletzung, Drogenverkauf und Velodiebstahl registrierte Killias aber eine deutliche Zunahme.

Angestiegen ist demnach auch die Zahl der Opfer: 2013 gaben 4,4 Prozent der Befragten an, in den vergangenen zwölf Monaten durch Gewalt so schwere Verletzungen erlitten zu haben, dass sie verarztet werden mussten. 2006 waren es noch lediglich 2,4 Prozent. 

«Trinkt mehr Wein!»

Hinzu kommt: Auffallend oft war bei jugendlichen Gewalttätern Cannabis und Alkohol im Spiel. «Den Zusammenhang zwischen Alkohol- und Drogenkonsum und Gewalt können wir eindeutig nachweisen», sagte Killias dem Online-Portal Watson.

Man müsse sich deshalb ernsthaft überlegen, wie man es hinkriege, dass die Jugendlichen weniger Cannabis und Alkohol konsumierten.

«Besser wäre vielleicht, man würde beim Alkohol weniger auf Abstinenz plädieren, sondern auf eine Kanalisierung, also: «Trinkt doch mehr Wein oder Bier!», sagte Kilias. Er meine das ernst. Denn beim Wein brauche es eine wahnsinnige Menge, bis jemand komplett die Kontrolle verliere. Bei Spirituosen hingegen sei das schnell passsiert.

Weniger Junge

Die Diskrepanz zwischen seinen Erkenntnissen und jenen des Bundes erklärt Killias übrigens mit der Demografie.

Seit 2006 sei die Zahl der Jungen im Oberstufenalter seinen Schätzungen zufolge um rund 30 Prozent gesunken. Deshalb sei die Jugendkriminalität in absoluten Zahlen rückläufig. Relativ betrachtet sei aber das Gegenteil der Fall. (bau)

Publiziert am 23.05.2014 | Aktualisiert am 23.05.2014
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4 Kommentare
  • R.  Meier aus Schweiz
    23.05.2014
    Ihr muesst die Gesetze haerter machen fuer die Jugendlichen bei Alkohol- und Drogenkonsum,Diebstal,Schlaegereien,etc. so wie die Bussen hoeher ansetzen,die halt abgearbeitet werden muessen von den Jugendlichen oder die Eltern mussen den Kopf hin halten.Wichtig ist die Meldepflicht bei Vergehen an die Schulpflege,Lehrmeister,Gemeinden,dass faehrt den Jugenlichen dann schon krass ein.Das Strafsystem fuer Jugendliche,muss unbedingt neu angepasst werden um die Probleme mit ihnen einzudaemmen....
  • Kurt  Stauffer aus George
    23.05.2014
    Es zeigt sich dauernt dass unser Bundesrat schlecht informiert ist.Dass die Jugendgewalt zunimmt, zeigt nur schon die Schlägereien jedes Wochenende,die Fussballchaoten die keiner im Griff hat,die Wochenend zerstörrer von Staats- und Privateigentum!!Die Augenschliessen ist einfacher als mit Konsequents zu reagieren!!Wenn es so weitergeht gehöhrt das Nachtleben in der Schweiz schon bald den gewaltbereiten jugendlichen Chaoten als Freizeibeschäftigung!!
  • Ha  Meier aus Zürich
    23.05.2014
    Politiker wollen unsere Multikulti-Gesellschaft mit allen Mitteln gut reden.
  • Lorenz   Müller 23.05.2014
    Das ist typisch für unsere Chefbeamten und Politiker. Statt die Probleme anzugehen, werden einfach die Statistiken frisiert. Dann ist das Problem für diese Beamten vom Tisch, so einfach ist das. Alles andere wäre Arbeit und würde etwas Kreativität benötigen. Davon ist aber zu wenig vorhanden; man siehe nur die Bussenkataloge, statt mit Kreativität Probleme zu lösen.