Die GPK, der Professor und der Bundesrat: BLICK erklärt, wer was sagt Stimmt, stimmt nicht, stimmt ...

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • von Henry Habegger

BERN – Teilweisen Support durch den Bundesrat, deutliche Kritik vom Rechtsexperten. Bundesrat Christoph Blocher übersteht den GPK-Bericht mit blauem Auge. Und tut eigene Fehler als «unterschiedliche Rechtsauffassungen» ab.

Jetzt ist sie draussen, die Stellungnahme des Bundesrats zum Bericht der Geschäftsprüfungskommission (GPK) rund um die Blocher-Roschacher-Affäre.

Die Regierung selbst fasste ihre Meinung zum Bericht, der massive Vorwürfe an Blocher enthält, gestern so zusammen: «Der Bundesrat anerkennt die geleistete Arbeit, vermag sich jedoch die Feststellungen und Schlussfolgerungen nicht in allen Teilen zu eigen zu machen.» Die 16-seitige Bundesratsstellungnahme wirkt oft diffus.

Deutlichere Kritik an Blocher enthält das Gutachten des Rechtsexperten Georg Müller, der die Vorwürfe im GPK-Bericht für den Bundesrat beurteilte. Dieser veröffentlichte dieses Gutachten gestern ebenfalls.

Einige zentrale GPK-Kritikpunkte und Urteil von Bundesrat und Rechtsexperte dazu:

Vorwurf der GPK: Blocher zahlte unerlaubt Abgangsentschädigung an Bundesanwalt Valentin Roschacher.

Experte Müller: Stimmt, Blocher war nicht befugt, Roschacher eine Abgangsentschädigung von einem Jahresgehalt zuzusichern.

Bundesrat: Bezieht keine Position. Anerkennt aber «Klärungsbedarf».

GPK-Vorwurf: Blocher hat bei Roschachers Kündigung den Bundesrat umgangen.

Müller: Stimmt nicht. Der Bundesrat war informiert, erhob keine Einwände. Hat die Kündigung somit stillschweigend genehmigt.

Bundesrat: Übernimmt die Darstellung von Müller.

GPK-Vorwurf: Blocher erteilte Roschacher unerlaubte Weisungen in Bezug auf Medieninformationen und griff in die Unabhängigkeit des Bundesanwalts ein.

Müller: Ja, Blochers Weisungen waren «unzulässig». Weil das Bundesstrafgericht für die Fachaufsicht zuständig ist. Blocher habe «in die Unabhängigkeit des Bundesanwalts eingegriffen».

Bundesrat: Belässt es bei der Feststellung, dass Abgrenzung zwischen fachlicher und administrativer Aufsicht «offensichtlich schwierig sei».

GPK-Vorwurf: Gesamtbundesrat hat Verantwortung als Wahlbehörde nicht wahrgenommen, indem er Blocher machen liess.

Müller: Ja, der Bundesrat hat seine Rolle «zu wenig aktiv wahrgenommen».

Bundesrat: Nimmt zu diesem Vorwurf nicht Stellung.

Hauptgrund für die unterschiedlichen Einschätzungen: Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey hatte versucht, eine einvernehmliche Stellungnahme zu erzielen. Also mit dem Einverständnis Blocher.

Einig sind sich alle Akteure: Mit ein Grund für den ganzen Knatsch war die nicht sauber geregelte Aufsicht über die Bundesanwaltschaft. Der Makel wird behoben, es soll nur noch eine Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft geben; wohl den Bundesrat.

Bemüht ums letzte Wort, trat Blocher gestern unabgesprochen mit dem Bundesrat vor die Medien. Er gab sich versöhnlich und bezeichnete die Stellungnahme des Bundesrats als Kompromiss, den alle mittrügen. Doch er beharrt darauf: «Nein, ich habe keine Fehler gemacht. Aber es gibt da unterschiedliche Rechtsauffassungen.»

Doch das vorläufig letzte Wort zur Affäre gehörte gestern Lucrezia Meier-Schatz, Präsidentin der GPK-Subkommission: Sie kandidiert nicht mehr für die GPK, erklärte sie in «10vor10». Später am Abend wurde sie von der CVP St. Gallen als Regierungsratskandidatin nominiert.

GPK = Ganze Parteien Konfus

BERN – Ratlosigkeit bei den meisten Parteien. Die Reaktionen auf die Antwort des Bundesrates auf den GPK-Bericht fallen entsprechend vorsichtig aus.

Einzig die SVP bleibt bei markanten Worten: «Massiver Schuss in den Ofen von der GPK», sagt Generalsekretär Gregor Rutz.

Die CVP stellt sich natürlich vor ihre angeschossene «Untersuchungsleiterin» Lucrezia Meier-Schatz. Sie selber hält fest, dass der Rechtsexperte Georg Müller ihre GPK praktisch in allen Punkten stütze.

Die FDP beklagt, dass der Bericht von verschiedenen Seiten zu einem hysterischen Kesseltreiben missbraucht wurde. Die FDP spricht aber auch von Verfehlungen seitens des Justizministers.

SP-Generalsekretär Thomas Christen legt das Hauptgewicht auf die Tatsache, dass der Bundesrat die Empfehlungen der GPK grösstenteils teilt: «Demzufolge ist bei Herrn Blocher vieles schiefgelaufen.»

Die Grünen verweisen darauf, dass es sich nicht nur um ein Blocher-Problem handelt, sondern um ein grundsätzliches Dilemma bei der Strafverfolgung des Bundes.

Georges Wüthrich

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