Stimmbeteiligung Die meisten Schweizer gehen laut einer Studie abstimmen

Neun von zehn Schweizer Stimmbürger und Stimmbürgerinnen gehen zumindest ab und zu an die Urne. Der Anteil an Politikverdrossenen ist damit relativ gering, wie eine neue Studie zeigt. Gleichzeitig gibt es nur wenige «Musterdemokraten», die immer abstimmen gehen.

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«Die Schweizer und Schweizerinnen gehen relativ regelmässig an die Urne», sagte Studienautor Simon Lanz am Dienstag in der Sendung «HeuteMorgen» von Radio SRF1. Das Bild von der Schweiz als Land mit tiefer Stimmbeteiligung müsse überholt werden.

Zwar lag die Stimmbeteiligung bei den eidgenössischen Abstimmungen vergangenes Jahr gemäss Bundesamt für Statistik nur bei knapp 43 Prozent. «Wenn wir zwanzig Abstimmungen betrachten, gehen aber über 90 Prozent mindestens ein Mal an die Urne», sagte Lanz. Über fünf Jahre gesehen gebe es also nur 10 Prozent, die kein einziges Mal abstimmten.

Die Politologen legen die Latte allerdings tief - ein Mal in fünf Jahren an die Urne zu gehen, ist sehr wenig. Doch es zeige, dass diese Stimmbürger nicht komplett politikverdrossen seien, sagte Lanz. «Sie sind mobilisierbar und gehen von Zeit zu Zeit - auch wenn das nur ganz selten ist - an die Urne.»

Gleichzeitig gibt es laut der Studie nur wenige Schweizer, die immer abstimmen gehen. Die Mehrheit hingegen nimmt an gewissen Abstimmungen teil und an anderen nicht. Diese Gruppe umfasse Junge und Alte sowie Frauen und Männer gleichermassen, schreiben die Politologen von der Universität Genf in einer Kurzfassung ihrer Studie auf dem Onlineportal DeFacto.

Tendenziell haben diese sogenannt «selektiv Teilnehmenden» ein geringeres Interesse an Politik, keine Parteipräferenz und eher wenig politisches Wissen. Ihr politisches Profil ähnelt damit den Abstinenten, wie die Politologen schreiben.

Laut Lanz wird diese Gruppe stark durch einzelne Kampagnen beeinflusst. «Wenn eine Kampagne intensiv und die Themen sehr eingängig sind, dann sind die selektiv Teilnehmenden sehr stark mobilisiert und gehen überdurchschnittlich an die Urne», sagte Lanz. Als Beispiel nannte er die Asylpolitik.

Dass es in der Schweiz relativ wenig komplett Politikverdrossene und gleichzeitig auch nur wenige Musterdemokraten gibt, seien nicht zwingend schlechte Neuigkeiten, schreiben die Politologen. Interesse an Politik und politisches Wissen könnten etwa im Schulunterricht gefördert werden. Und das, so zeige die Analyse, könnte sich positiv auf die Stimmbeteiligung auswirken.

Die Politologen Pascal Sciarini, Fabio Cappelletti, Andreas C. Goldberg und Lanz stützten sich für die Studie auf Daten des Kantons Genf und auf die Schweizer Wahlstudie SELECTS aus dem Jahr 2011. Ihre Studie wird im «Swiss Political Science Review» erscheinen. (SDA)

Publiziert am 16.02.2016 | Aktualisiert am 16.02.2016
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