Sterbehilfe-Statistik Deshalb möchten die Schweizer sterben

Jedes Jahr nehmen mehr Patienten begleitete Suizide in Anspruch – das zeigt eine Auswertung. Meist leiden die Betroffenen an Krebs.

Deutschland hat die Sterbehilfe gesetzlich neu geregelt (Symbolbild) play
94 Prozent der Betroffenen sind 55-jährig oder älter. KEYSTONE/AP/THOMAS KIENZLE

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Wer Sterbehilfe Anspruch nimmt, leidet in den meisten Fällen an Krebs oder einer anderen tödlichen Krankheit. Das zeigt eine Auswertung der begleiteten Suizide von 2010 bis 2014. Die Fälle nehmen von Jahr zu Jahr zu.

Depressionen sind nur bei 3 Prozent der betroffenen Menschen der Anlass, mit Hilfe von Exit oder einer anderen Organisation aus dem Leben zu scheiden. In 40 Prozent der Fälle findet sich Krebs als Grundkrankheit, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Dienstag mitteilte. Bei jedem siebten assistierte Suizid liegt eine Erkrankungen des Nervensystems vor. Dazu gehören Parkinson, MS oder Alzheimer.

Starker Trend nach oben

Assistierter Suizid heisst Beihilfe zur Selbsttötung. Dabei geht es darum, einer suizidwilligen Person eine tödliche Substanz zu vermitteln, die sie ohne Fremdeinwirkung selber einnimmt. Nicht zuletzt wegen der Alterung der Bevölkerung wählen immer mehr Menschen diesen Weg.

2014 stieg die Zahl der begleiteten Suizide gegenüber dem Vorjahr um über ein Viertel auf 742, wie aus der bereits im Juni publizierten Todesursachenstatistik des BFS hervorging. Für 2015 ist ein weiterer kräftiger Anstieg zu erwarten, meldet doch alleine Exit für jenes Jahr fast 1000 Fälle. Das entspricht einem Plus von 30 Prozent.

Trotzdem bleibt die Freitodbegleitung relativ selten. 2014 entschieden sich von allen Verstorbenen in der Schweiz 1,2 Prozent dafür. Bezogen auf die Wohnbevölkerung entspricht dies 10 von 100'000 Männern und 9 von 100'000 Frauen. In absoluten Zahlen sind es 320 Männer und 422 Frauen.

Den höchste Anteil von assistiertem Suizid registrierte das BFS zwischen 2010 und 2014 bei Personen mit Wohnsitz im Kanton Zürich mit 1,4 Prozent der Todesfälle. Über dem Durchschnitt (0,8 Prozent) liegen auch Genf, Neuenburg, Appenzell Ausserrhoden, die Waadt und Zug.

Suizidraten stabil

Jede urteilsfähige Person kann unabhängig vom Alter Sterbehilfe beanspruchen. In der Periode 2010 bis 2014 waren 94 Prozent der Betroffenen 55-jährig oder älter. Ein halbes Prozent der Sterbehilfefälle betraf unter 35-Jährige.

Demgegenüber betrifft Suizid ohne Sterbehilfe alle Altersgruppen, wie das BFS in einem Kapital zu den eigentlichen Selbsttötungen schreibt. Was die Ursachen anbelangt, so weisen die Nennungen bei mehr als der Hälfte auf eine Depression hin.

2014 nahmen sich 1029 Personen das Leben (ohne Sterbehilfe), 754 Männer und 275 Frauen. Die Wahrscheinlichkeit eines Suizids hat sich zwischen 1991 und 2010 nahezu halbiert. Seither scheint dieser Trend zum Stillstand gekommen zu sein. Seit fünf Jahren sind die Suizidraten relativ stabil. (SDA)

Publiziert am 11.10.2016 | Aktualisiert am 02.12.2016
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4 Kommentare
  • Rumpelstilzli  B. aus B.
    11.10.2016
    Wegen der Alterung der Bevölkerung wählen immer mehr Menschen diesen Weg. Das glaubt Blick ja wohl selbst nicht, dass ein Mensch Suizid begeht, um einem anderen Platz zu machen. Ist es nicht eher die Tatsache, dass die Leute heute aufgeklärter und selbst bestimmter sind, oft eine Patientenverfügung gemacht haben und nicht mehr bis zum letzten Atemzug an Schläuchen und Maschinen hängen wollen?
  • Max  Stirni 11.10.2016
    Habe mich auch angemeldet. Wenn das mit diesen Flüchtlingen nicht bald aufhört, dann nehme ich den Exit. Keine Lust mehr denen alles bezahlen zu dürfen und im Gegenzug Lebensraum via Enteignungen abtreten zu müssen. Wir CH sollten definitiv einen Steuerboykott organisieren. Entweder die Regierung vertritt endlich unsere Interessen oder wir drehen denen den Hahn zu. Punkt.
  • Hans  Scheidegger 11.10.2016
    Ich finde es gut, dass die Sterbehilfe-Organisationen nicht nur den freiwilligen Abschied vom Leben unterstützen, sondern dass sie ihre Mitglieder in den meist ausserordentlich schwierigen Situationen umfassend begleiten. Sie sorgen so für mehr Lebensqualität. Die Menschenwürde steht im Mittelpunkt. Und am ganz am Schluss dieses Prozesses steht das Selbstbestimmungsrecht und die Freiheit der Wahl, sein eigenes Leben geordnet zu beenden.
  • Fritz  Meyer aus Amden
    11.10.2016
    Ich bin seit Jahren Mitglied bei exit. Seit ein Familienmitglied unheilbar krank war und diesen Weg wählte, liebevoll und kompetent auch ärztlicherseits begleitet wurde und in Würde und voll bei Sinnen gehen durfte. Danke exit!! Ausserdem gibt es die Patientenschutzverordnung von exit! Es geht dort nicht nur ums Sterben. Im Grunde geht das niemanden etwas an.