Stephan L. (20) tötete seinen Vater – Freunde kämpfen für ihn «Es war kein Mord, es war Verzweiflung»

Der Staatsanwalt nannte die Tat eine «eigentliche Hinrichtung». Freunde von Stephan L., der seinen Vater mit einem Kopfschuss tötete, sehen darin jedoch eine Verzweiflungstat.

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Mit einem Kopfschuss löschte Stephan L.* (20) im März 2015 das Leben seines Vaters (†67) aus. Für den Staatsanwalt war es eine «eigentliche Hinrichtung». Er beantragt 14 Jahre Zuchthaus wegen Mordes. Stephans Freunde sehen darin jedoch eine Verzweiflungstat. Sie haben für den Täter auf eigene Kosten Rechtsanwalt Valentin Landmann engagiert.

«Pure Verzweiflung»

«Stephan litt jahrelang unter seinem Vater», sagen Esther und Heinz Meier**. Immer wieder sei er von ihm erniedrigt und als Weichei bezeichnet worden. «Dass es jedoch so schlimm war, haben wir leider nicht realisiert, sonst hätten wir ihn bei uns aufgenommen.» Natürlich sei es unentschuldbar, sagt die Familie aus dem Zürcher Oberland, aber sie ist sicher: «Stefan hat die Tat aus purer Verzweiflung begangen.» Als Schüler ging er bei Meiers ein und aus: «Er besuchte mit unserem Sohn die Kunst- und Sportschule, war aufgeschlossen und hilfsbereit, ein richtiger Sonnenschein.»

Zwei Tage nach Stephan L.s 13. Geburtstag starb die Mutter, eine gebürtige Russin, an den Folgen ihres Alkoholmissbrauchs. «Danach zog sich Stephan komplett zurück», sagt Esther Meier. Sie nahm mit dem Vater, einem ehemaligen NZZ-Journalisten, Kontakt auf. Ziel: psychologische Hilfe für den Sohn. «Aber er schrie mich regelrecht aus dem Haus.»

Schulpsychologisches Gutachten

Das problematische Verhältnis zum Vater sei augenfällig gewesen. «Sobald er anrief oder ein SMS schickte, war Stephan im Stress», sagt Meiers Tochter Sybille. Meiers wissen auch von einem schulpsychologischen Gutachten, das empfahl, Stephan aus der Familie zu nehmen. Passiert ist nichts.

Das letzte Mal besuchte Stephan Meiers an Weihnachten 2014: «Er sagte, nach der Lehrabschlussprüfung könne er endlich eigenes Geld verdienen und eine Wohnung nehmen», meint Heinz Meier nachdenklich. «Von seinen grossen Problemen mit dem Vater erwähnte er nichts.»

Zwanzig Mal schon besuchten sie Stephan L. im Gefängnis. Esther Meier: «Er soll wissen, dass das Leben trotzdem weitergeht. Natürlich wollen wir ihm auch nach der Entlassung beistehen.»

Rechtsanwalt Valentin Landmann will das Gericht überzeugen, dass Stephan L. kein heimtückischer Mörder ist. «Der Bursche geriet durch die ständigen Herabsetzungen in eine fatale Spirale. Die letzte Kränkung brachte das Fass zum Überlaufen.» Dass Stephan den Vater von hinten erschoss, könne man bei ihm nicht als Heimtücke werten. «Wäre es denn besser gewesen, wenn er ihn von vorn getötet hätte?», fragt Landmann. Er will auf vorsätzliche Tötung und für eine Strafe unter zehn Jahren plädieren. Der Gerichtspsychiater billigt Stephan L. eine leichte Verminderung der Schuldfähigkeit zu.

«Die Verunglimpfungen des Vaters, besonders gegen die verstorbene Mutter, haben Stephan massiv zugesetzt», sagt Familie Meier. Das Bezirksgericht Pfäffikon ZH hat noch kein Datum für den Prozess festgesetzt. Lesen sie morgen: Die Einvernahme.

*Name bekannt
** Namen geändert

Publiziert am 29.03.2016 | Aktualisiert am 29.03.2016
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35 Kommentare
  • Peter  Nüesch aus Balgach
    30.03.2016
    Wenn Landmann der Anwalt des Vaters wäre, würde er mit gleicher rhetorischer Eindringlichkeit genau das Gegenteil propagieren, nämlich dass der Vater für den Burschen immer nur das beste getan habe, es überhaupt keinen Anlass gegeben habe, ihn umzubringen, wenn schon nicht der Bursche unter ihm sondern er unter diesem gelitten habe und er besonders grausam, feige, heimtückisch und verwerflich gehandelt habe etc. etc. Aber das Gericht lässt sich noch so gerne von Anwaltsgeschwafel blenden.
  • Margot  Annen aus Kaiseraugst
    30.03.2016
    Dieser Junge hat es nicht verdient,als Mörder verurteilt zu werden.Vom Vater jahrelang psychisch,fertig gemacht zu werden,ist schon sehr traurig.Auch seine Mutter,die Alkoholikerin war,ist sicher von soeinem Machtmensch,dazu getrieben worden.Aber warum hatte der Vater eine Pistole?Hat der vielleicht gedroht die Mutter damit um-zu bringen.Wer weiss,spätestens nach dem Tod,hätte der Sohn,bei Verwandten untergebracht werden sollen.Der Vater als Journalist,natürlich unantastbar.Tragisch,tragisch...
  • Marga  Koch , via Facebook 29.03.2016
    Es ist nicht immer gewährleistet, dass ein Gericht sorgfältig alle Umstände prüft. Es gab auch schon einen Fall, bei dem eine Frau, nachdem sie jahrelang von ihrem Partner immer wieder schwer gedemütigt, schwerst bedroht und geschlagen wurde, eines Tages völlig ausgerastet ist und den Partner umgebracht hat; was das Gericht unverständlich als Mord qualifizierte. Beim jungen Mann hoffe ich, dass das Gericht keinen Mord sieht und die jahrelangen Demütigungen als Strafmilderungsgrund einstuft.
  • Benedikt  Richter aus Bern
    29.03.2016
    Kaltblütiger Mord bleibt Mord.
    Es gibt andere Wege sich zu wehren.
    Der Vater wurde kaltblütig hingerichtet.
    Das ist die Tatsache.
    14 Jahre sind so oder so zu wenig für dieses
    Verbrechen.
    • Sonja  Zwicker 29.03.2016
      Dieser junge Mann sah anscheinend keinen anderen Ausweg, sonst wäre er ihn sicher gegangen! Wenn von "kaltblütig" die Rede ist, dann höchstens das Verhalten des Vaters gegenüber seinem Sohn. Der Sohn handelte eher aus Verzweiflung.
      Und was sollen die 14 Jahre Gefängnis (oder noch mehr) bringen??? Er ist kein skrupelloser Schwerverbrecher, den man am Besten in der Wüste aussetzt. Er sollte endlich die Chance bekommen, sich zu bestätigen, und einer Arbeit nachzugehen.
  • william  egli aus Nonthaburi
    29.03.2016
    als kleiner Bub wurde ich auch immer geplagt von Mitschülern und Lehrer als Einzelkind ohne älteren starken Bruder hatte ich keine Chance. wenn ich nicht Angst vor dem Gefängnis hätte würden F.H MS und PG nicht mehr unter uns weilen, jetzt, wo ich grösser und stark bin