Kommentar von SonntagsBlick-Chefredaktor Hannes Britschgi Steinbrück bittet um Fairness!

  • Publiziert: 00.15 Uhr, Aktualisiert: 19.01.2012

Endlich spricht er mit uns: der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück, hierzulande besser bekannt als Peitschen-Peer. Er wendet sich direkt an uns Schweizer, erklärt sich und seine Ziele, denkt über seine politische Rhetorik nach, entschuldigt sich sogar. Und er antwortet auf unsere Fragen. Was er von der Schweiz ganz konkret erwartet? Seine Antwort fällt kurz aus. Es ist nur ein Wort:

«Fairness.» Wie bitte? Ausgerechnet dieser Mann bittet um Fairness? Lässt er sie doch selbst in Ton und Sache vermissen. Was meint ausgerechnet er mit Fairness?

Die Antwort richtet Steinbrück nicht an Finanzminister Hans-Rudolf Merz, sondern an SonntagsBlick-Kolumnist Frank A. Meyer. Im Gegensatz zu Merz liess sich der nicht vom Deutschen bitten, sondern lud ihn einfach in seine Fernsehsendung «Vis-à-vis» ein. Steinbrück akzeptierte. So unterhält sich der Deutschen oberster Säckelmeister zum ersten Mal ausführlich mit einem Schweizer über Indianer, Peitschenhiebe und Piraten. Das ist nicht nur spannend, sondern auch erhellend. Wie viel Geld von deutschen Steuerzahlern vermutet er in der Schweiz? Auch da ist seine Antwort kurz:

«200 Milliarden Euro.» Steinbrück rechnet vor: Bei vier Prozent Rendite von 2005 bis 2007 macht das acht Milliarden Kapitaleinkünfte. Natürlich kommt da bei ihm Appetit auf. Er droht vor laufender Kamera, nicht weitere drei oder vier Jahre warten zu wollen: «Das wird relativ schnell zu machen sein.»

Das Schweizer Fernsehen kann nicht abseits stehen, wenn sich der deutsche Finanzminister zum ersten Mal öffentlich eine Stunde lang zur Schweiz äussert. Morgen Abend wird «Vis-à-vis» daher um 22.50 Uhr auf SF 1 zu sehen sein – auch für Bundesrat Hans-Rudolf Merz. Frank A. Meyer wird es freuen, dass er etwas für beide Seiten tun kann: für seine neue Wahlheimat, in deren Hauptstadt Berlin er lebt, und für seine gute alte Schweiz.

Und noch etwas dürfte Meyer freuen. Anfang Jahr wurde seine Sendung vom Schweizer Fernsehen aus dem Programm gekippt. Jetzt ist er zurück auf SF 1. Gut gemacht, Frank. Ich zappe rein!

play Ringier-Publizist Hannes Britschgi interviewt für Blick.ch Spitzenpolitiker. (Geri Born)

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