
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Stefan Schmidt von der Oberzolldirektion zeigt ein «Jin Ling»-Päckli.- Karl-Heinz Hug
Zigaretten werden zum Luxusprodukt: Seit 1. März 2009 zahlen Schweizer Raucher wieder 30 Rappen mehr pro Päckli, gleichzeitig wird das Geld wegen der Wirtschaftskrise ständig knapper.
Jetzt wittern osteuropäische Schmuggelbanden das grosse Geschäft: Bisher verschoben sie ihre Billigkippen lastwagenweise nach Frankreich, Österreich, Italien und Deutschland. Dort steht die legal nicht erhältliche russische Billigmarke «Jin Ling» auf Rang acht der meistgerauchten Zigaretten, in Berlin laut «Spiegel» auf dem zweiten Platz. «Jin Ling»-Verkaufspreis in Russland: drei Franken – pro Stange (zehn Päckli)!
Mit Schmuggel-Zigis kann man viel Geld machen
Auf der Strasse verkaufen die Banden «Jin Ling» für das Zehnfache, derzeit etwa 30 Franken pro Stange – für westeuropäische Verhältnisse unglaublich billig. In der Schweiz kostet eine Stange «Parisienne Jaune» 66 Franken.
Beat Gasser (42), Leiter der Zollfahndung in Bern, beobachtet die Entwicklung im Nachbarland: «Wir rechnen täglich damit, dass wir auf einen Container mit ‹Jin Ling›-Zigaretten stossen.» Noch werden hierzulande weniger als fünf Prozent aller Zigaretten geschmuggelt, das kann sich schnell ändern: «Es ist international bekannt, dass man mit Schmuggel-Zigaretten gleich viel Geld verdienen kann wie mit illegalen Betäubungsmitteln», so Gasser.
6,8 Milliarden Franken Schaden
Besorgniserregend sei vor allem das wachsende Preisgefälle zu Osteuropa. Stefan Schmidt (38), bei der Oberzolldirektion zuständig für Tabak- und Bierbesteuerung, warnt deshalb vor weiteren Tabaksteuererhöhungen: «Die Zigarettendiebstähle haben in letzter Zeit stark zugenommen – ein guter Indikator dafür, dass sich die Situation verschärft.»
Würde sich «Jin Ling» auch in der Schweiz etablieren, hätte das erhebliche finanzielle Folgen für den Staat: Wegen Zigarettenschmuggels entgingen dem deutschen Fiskus schon 2007 schätzungsweise 6,8 Milliarden Franken.